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BVB

Passlack-Love und Haaland auf der Goldwaage: Die Erkenntnisse zum BVB-Spektakel gegen Frankfurt

Oscar Nolte
Der BVB zerlegt Frankfurt
Der BVB zerlegt Frankfurt / INA FASSBENDER/Getty Images
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Der BVB ist fulminant in die neue Saison gestartet. Gegen Eintracht Frankfurt setzt sich die Mannschaft von Cheftrainer Marco Rose mit 5:2 durch und brennt dabei ein wahres Feuerwerk ab. Wieder einmal überragend: die Naturgewalt Erling Haaland. Doch aus der schwarz-gelben Brille lässt sich der Abend auf allen Ebenen als voll und ganz gelungen bewerten.

Meine Erkenntnisse zum Spiel:


1. Nicht den Kopf verlieren!

Marco Rose
Marco Rose hat einen außerordentlich erfolgreichen Einstand gefeiert / Joosep Martinson/Getty Images

Den Teufel an die Wand zu malen entbehrt nach diesem Dortmunder Bundesliga-Auftakt jeglicher Grundlage. Und doch ist Mahnen beim BVB nie eine schlechte Idee. Mit Erfolgen konnte die schwarz-gelbe Gesellschaft schon immer gut umgehen. Vielleicht auch ein bisschen überdrehen. Entsprechend hoch ist dann die Fallhöhe.

Die gilt es daher so niedrig wie irgend möglich zu halten. Auch wenn so vieles so gut funktioniert hat, zeigt doch gerade das Beispiel Eintracht Frankfurt, warum eine Euphoriebremse nicht komplett verkehrt ist: neue Mannschaft, neuer Trainer, kurze Vorbereitung - da kann es schnell zu Ungereimtheiten kommen. Konzentriert weiterarbeiten und nicht den Kopf verlieren sollte daher nun die Dortmunder Devise sein. Zumal die SGE heute nicht gerade das Gelbe vom Ei gespielt hat.

2. Haaland ist in Geld nicht aufzuwiegen

Erling Haaland
Erling Haaland ist eine Naturgewalt / Joosep Martinson/Getty Images

100 Millionen Euro soll sich der BVB durch die Lappen gehen haben lassen, um Erling Haaland noch eine weitere Saison zu halten. Die Aktionäre schlagen angesichts dieser Summe die Hände auf dem Kopf zusammen. Aber darum sollte es im Fußball ja eigentlich auch nur sekundär gehen.

Aki Watzke, Michael Zorc, Dr. Reinhard Rauball - am Ende des Tages würden diese Herren immer eine Meisterschaft statt einen Haufen Geld wählen. Davon bin ich überzeugt, dafür muss dieser Verein auch einfach leben. Und so ist es nun auch mit Erling Haaland: einen Haufen Geld oder das, warum wir alle Zeit, Leidenschaft und Herzblut in diesen Sport investieren.

Fakt ist: Erling Haaland ist nicht in Geld aufzuwiegen. Der Norweger ist Erfolgsgarant, Menschenfänger, Antreiber und das i-Tüpfelchen auf dem Weg zu Titeln. Ja, du kannst diesen Spieler für viel Geld verkaufen. Dann musst du aber auch in Kauf nehmen, dass der BVB in der anschließenden Saison nicht besser abschneiden wird.

Seit Jahren ist die Borussia zumeist dem wirtschaftlichen Weg gefolgt und hat den Verein finanziell nicht nur wieder aufgepäppelt, sondern in elitäre Sphären geführt. Das ist aller Ehren wert. Dass die Konkurrenz den BVB sportlich in den vergangenen Jahren aber wieder etwas abgehängt hat, wurmt alle Schwarz-Gelben. Und deswegen hat am Ende des Tages jeder Borusse lieber einen Erling Haaland als einen Haufen Geld. Davon bin ich überzeugt.

3. Absolute Passlack-Love

Felix Passlack
Felix Passlack glänzte trotz seines Eigentores / Lukas Schulze/Getty Images

Zugegeben: Diese Erkenntnis habe ich mir in den Kopf gesetzt, bevor Felix Passlack ein durchaus vermeidbares Eigentor geschossen und die Eintracht damit für den Moment zurück ins Spiel geholt hat. Aber zum Teufel: kann passieren, Junge!

Was für mich viel eher zählt sind die 120 Prozent, die Passlack immer abruft, sobald er den Rasen betritt. Mag sein, dass dem Dortmunder Eigengewächs die letzte Qualität fehlt, um beim BVB, um an der Spitze des europäischen Fußballs mitzuhalten. Doch Passlack schafft es immer wieder zu überraschen, sich immer wieder in die Mannschaft zu beißen und abzuliefern, wenn er gefragt ist.

Und die Qualitäten des Blondschopfs möchten auch gewertschätzt werden. Passlack ist stark am Ball, hat viel Tempo und absoluten Biss - zudem ist der 23-Jährige dank seines tiefen Körperschwerpunkts ein absolut undankbarer Gegenspieler im Eins gegen Eins.

Wenn ich Passlack spielen sehe, sehe ich einen Dortmunder Jungen, der sich für den Verein die Lunge aus dem Hals rennt und alles reinwirft, was er hat. Nennt mich Romantiker, nennt mich Altbacken: Ich bin der Überzeugung, dass solche Qualitäten im Fußball zu niedrig gewertet werden. Und daher bin ich der tiefen Überzeugung: absolute Passlack-Love!

4. Tränen und goldenes Feuer im Westfalenstadion

Borussia Dortmund v Eintracht Frankfurt - Bundesliga
Endlich wieder Fans im Westfalenstadion / Joosep Martinson/Getty Images

Es ist ein Traum, wieder Fans im Westfalenstadion sehen zu dürfen. Was habe ich das vermisst, die Hymnen vor dem Spiel, die gelb-schwarze Ekstase bei Toren. Um die Idylle noch schöner zu machen, senkte sich im ersten Durchgang des Spiels die Abendsonne über Dortmund und warf ihr goldenes Feuer auf den Rasen. Ein Feuer, das auch in den Augen der Spieler zu erkennen war, als sie ihre Treffer vor den zigtausenden im Stadion bejubelt haben.

Feuer - und auch Tränen, die vor dem Anpfiff massenhaft im Stadion flossen. Da sieht man mal, was für einen hohen Stellenwert der Fußball gerade für die Menschen aus der Region hat, für die Fans, die sich kaum höheres Lebensglück vorstellen möchten, als diese 90 Minuten im Westfalenstadion.

Mensch, was habe ich diese Bilder vermisst.

5. Eine Ode an die Mannschaft - und den Trainer

Thorgan Hazard, Donyell Malen
Der BVB ist überragend in die Saison gestartet / Joosep Martinson/Getty Images

Erling Haaland stach mit seinen fünf Torbeteiligungen selbstredend heraus. Doch dieses Spiel war ein Mannschaftserfolg. Im Kollektiv spielte der BVB überragend und das mit - wohlgemerkt - nur einem nominellen Innenverteidiger auf dem Rasen. Marco Reus, Mo Dahoud, Thorgan Hazard und Gio Reyna spielten überragend, Axel Witsel wirkte wie nie weggewesen - ein toller Auftritt von jedem Spieler, ausnahmslos.

Und dieser erste Liga-Erfolg ist auch dem Trainer zuzuschreiben. Marco Roses Handschrift war schon sehr deutlich zu erkennen. Radikales Umschalt- statt Ballbesitzspiel. Unglaublich viel Intensität, viele Zweikämpfe und ein bockstarkes kollektives Defensiv-Verhalten. Auch emotional ist Rose bereits angekommen - und zeigte unabhängig des Ergebnisses über 90 Minuten plus Nachspielzeit Puls.

Eine Erwähnung am Rande: Gregor Kobel könnte zum X-Faktor werden. Es fällt mir fast schwer, Kobel als das fehlende Puzzleteil zu beschreiben, da ich Roman Bürki und seine Leistungen in den vergangenen Jahren nicht abwerten möchte. Doch mit seiner Präsenz, seiner Energie und seinen Qualitäten könnte Kobel tatsächlich zu einem X-Faktor werden.

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