Beispiel Neuer: Das kosten Versicherungen für Fußballer

Daniel Holfelder
Manuel Neuer
Manuel Neuer / Adam Pretty/GettyImages
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Verletzungen sind im Fußball nichts Außergewöhnliches. Umso wichtiger ist es für die Spieler, im Fall eines längerfristigen Ausfalls abgesichert zu sein. Wie es um den Versicherungsschutz bei Profifußballern genau bestellt ist, weiß der Fachanwalt für Versicherungs- und Sozialrecht Oliver Kelm.


Gegenüber der Bild-Zeitung stellt Kelm vor allem die Bedeutung des Krankentagegelds heraus. In aller Regel müsse der Verein nach sechs Wochen Ausfallzeit das Gehalt des verletzten Spielers nicht mehr weiterbezahlen. Daher müssten die Profis hohe Summen für die Kranken- und Unfallversicherung aufbringen, um im Zweifelsfall abgesichert zu sein.

"Um vernünftig abgesichert zu sein, wird ein Spieler im durchschnittlichen Gehaltsgefüge in der Bundesliga zwischen 30.000 und 50.000 Euro pro Jahr an Versicherungsprämien zahlen müssen", rechnet Kelm vor. "Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass die wenigsten Spieler hundert Prozent ihres Gehalts absichern. In der Regel liegen die Spieler eher bei 60 bis 70 Prozent. Um beispielsweise ein Gehalt von 150.000 Euro im Monat vollständig abzusichern, das wären 5.000 Euro Tagegeld pro Tag, zahlt man um die 130.000 Euro Versicherungsprämie im Jahr."

Um Gehälter in dieser Größenordnung abzusichern, müssten viele Profis auf ausländische Versicherer zurückgreifen. Deutsche Versicherungsunternehmen böten Krankentagegelder lediglich bis zu 1.800 Euro pro Tag an. Gleichzeitig weist der Fachanwalt auf einen Nachteil hin, den die Zusammenarbeit mit den internationalen Versicherern mit sich bringt:

"Der Nachteil zu den deutschen Versicherern sind jedoch oft schlechtere Bedingungen und kurze Laufzeiten der Verträge von ein bis drei Jahren. Man kann sich vorstellen, wie motiviert ein Versicherer sein wird, einen Vertrag mit einem Spieler zu verlängern, der gerade eine schwere Verletzung hinter sich hat. Wenn, dann wird das in der Regel nur mit Ausschlüssen geschehen."

Der Fall Manuel Neuer

Da deutsche Profis grundsätzlich selbst für ihren Versicherungsschutz verantwortlich seien, könne es durchaus vorkommen, dass der ein oder andere verletzte Topstar plötzlich nur noch einen Bruchteil seines ursprünglichen Gehalts bekommt.

Damit das nicht passiert, hätten viele Spieler mit ihren Klubs eine Lohnfortzahlung über die üblichen sechs Wochen hinaus vereinbart. Häufig würden die Klubs das Gehalt bis zu sechs Monate lang normal weiterzahlen. Dieses Modell habe man primär aus England übernommen, erklärt Kelm.

Nach Informationen der Bild haben auch die meisten Stars des FC Bayern und der aktuell verletzte Manuel Neuer diese Regelung in ihren Verträgen integriert. Es ist daher davon auszugehen, dass der Münchner Kapitän auch in den kommenden Monaten den Großteil seines normalen Gehalts bezieht.


Fohlen-Urgestein Marcus Breuer im Gespräch mit 90min:


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