Bayern gegen Wölfinnen: Wer ist Favorit im Rennen um die Meisterschaft?

  • Bayern Frauen erobern Tabellenspitze zurück
  • Wer macht das Rennen im Meister-Duell?
  • Die Stärken und Schwächen der beiden Topteams im Check

Bayern gegen Wolfsburg: Das Rennen ist komplett offen
Bayern gegen Wolfsburg: Das Rennen ist komplett offen / Sebastian Widmann/GettyImages
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Nach etwa der Hälfte der Saison zeichnet sich in der Frauen-Bundesliga ein spannendes Rennen um die Meisterschaft ab. Bayern eroberte mit einem Sieg gegen Freiburg wieder die Tabellenspitze, nachdem Wolfsburg gegen Leverkusen Punkte liegengelassen hatte. Was spricht für Bayern - und was für Wolfsburg?

Pro Bayern: Dominanz im direkten Duell

Wolfsburg sollte das Hinspiel noch schlechter Erinnerung sein: Gegen Bayern unterlagen die Wölfinnen mit 1:2. Sieht zunächst nicht deutlich aus, in Wirklichkeit war das Spiel aber um einiges einseitiger als auf dem Papier. 6:1 Torschüsse hieß es am Ende der 90 Minuten, Bayern war vor allem in der ersten Hälfte klar überlegen.

Es war ein Statement-Sieg und ein wichtiger für den Kopf: In den Spielzeiten davor hatte Bayern einige herbe Niederlagen gegen Wolfsburg einstecken müssen. 0:5 hieß es im Pokal letzte Saison, davor gab es eine 0:6-Klatsche in der Liga. Mit dem Sieg im Hinspiel hat Bayern gezeigt: Auch wir können das Topspiel dominieren, auch wir können so auftreten, wie Wolfsburg es davor gerne getan hatte.

Was Bayern dann doch noch vom VfL unterschied: Sie verpassten es früh den Sack zuzumachen und ließen die Gegnerinnen so doch noch unnötig lange im Spiel. Trotzdem war es eins der bisher besten Spiele unter Alexander Straus, eins das genau zeigte, wo der Trainer mit seinem Team hinwill: Den Gegner einschnüren, ballsicher sein, geduldig spielen und dann im richtigen Moment in die Lücke stoßen. Wenn Bayern diese Leistung auch im Auswärtsspiel im März abrufen kann, wäre ein großer Schritt zur Titelverteidigung getan.

Pro Wolfsburg: Leistungssteigerung nach schwachem Start

Nach den ersten Spieltagen der Saison sprach herzlich wenig für den VfL Wolfsburg. Gerade aus der Champions League ausgeschieden, das Topspiel gegen Bayern vergeigt: Die Laune war im Keller am in der Autostadt - das zeigte sich nicht zuletzt an klaren Ansagen vom Sportdirektor Ralf Kellermann, der ohne viel Beschönigen eine Siegesserie bis Weihnachten forderte.

Die lieferte sein Team dann auch. Sicher, schön waren viele Siege der Wolfsburgerinnen nicht. Aber der VfL zeigte wieder, dass sie auch schwierige Spiele noch drehen können, zeigte mehr Biss und Effizienz. So überholte Wolfsburg sogar Bayern in der Tabelle, als die Münchnerinnen im Dezember schwächelten.

Mit dem 1:1 gegen Leverkusen gab es zuletzt wieder einen Rückschritt in der Entwicklung. Wolfsburg verpasste es in untypischer Art und Weise, die Führung auszubauen und wurde dafür bestraft. Trotzdem spricht es für Wolfsburg, dass sie noch im Titelrennen dabei sind. Ob es etwas wird mit der Meisterschaft, hängt ganz davon ab, wie sich das Team weiterentwickelt. Auch wenn die Ergebnisse in der Hinrunde stimmten, bleibt spielerisch kein großer Fortschritt zu sehen.

Pro Bayern: Stabilere Defensive und Standards

Aus dem offenen Spiel lief es für Bayern nicht immer so wie gewünscht. Das Zusammenspiel zwischen Harder und Schüller haperte teils, und trotz aller guten Vorsätze fiel Bayern in manchen Szenen in ein zu flügellastiges, vorhersehbares Spiel zurück. Die Tore machte Bayern trotzdem - und das lag maßgeblich an der größten Stärke der Straus-Elf in dieser Saison. Acht Tore aus Standardsituationen machte Bayern schon, die meisten der Liga.

Das Trainerteam um den Norweger macht bei der Vorbereitung von Ecken und Freistößen einen richtig guten Job. Das rettete Bayern in manch einem schweren Spiel, etwa gegen Paris, Bremen oder Hoffenheim. Der FCB hat Spezialistinnen wie Klara Bühl und als Abnehmerinnen auch einiges an Kopfballstärke. Trotzdem ist es offensichtlich, dass die Standards besser geworden sind, und das liegt maßgeblich an den neuen Varianten, die Bayern nun im Repertoire hat.

Klara Buehl, Giulia Gwinn, Sarah Zadrazil, Katharina Naschenweng
Giulia Gwinn (links) und Klara Bühl sind wichtig bei Standards / Sebastian Widmann/GettyImages

Auch die Abwehrstärke hat Bayern den Konkurrentinnen aus Wolfsburg voraus. Mit Glódis Viggósdóttir haben die Meisterinnen eine souveräne Abwehrchefin und Kapitänin. Katharina Naschenweng und Giulia Gwinn bilden ohne jeden Zweifel das beste Außenverteidigerinnen-Duo der Frauen-Bundesliga. Lange Bälle kann Bayern sehr viel souveräner wegverteidigen als der Vizemeister. Gute Abwehr und sichere Standards - das ergibt bereits ein sehr solides Fundament, auch wenn der große Glanz bei Bayern diese Saison fehlt.

Pro Wolfsburg: Torgefahr von verschiedenen Spielerinnen

Ein Blick in die Torschützenliste der Frauen-Bundesliga nach der Hinrunde bot einen interessanten Anblick: Da waren allerhand bekannte und eher überraschende Namen, von Wolfsburgs Pajor über die Shootingstars Sophie Weidauer und Nikola Karczewska bis zu den Frankfurterinnen Anyomi und Freigang. Ja, und eine Bayern-Spielerin fand sich tatsächlich auch weit oben in der Liste. Aber sie spielt diese Saison gar nicht für Bayern: Karolina Lea Vilhjalmsdottir, für die laufende Spielzeit an Leverkusen ausgeliehen, hat fünfmal eingenetzt und damit häufiger als alle ihre Bayern-Kolleginnen.

Am treffsichersten in der Bundesliga war noch Jovana Damnjanovic mit vier Toren, die eigentlich nur die Nummer zwei im Bayern-Sturm ist. Vielleicht war auch die Verletzung von Pernille Harder schuld, aber auch ohne sie sollten die Münchner Stürmerinnen auf mehr Buden kommen. Die Chancenverwertung war in der Hinrunde das Lieblingswort in München. Und der eklatanteste Mangel der Bayern-Frauen. Immer wieder liegen sie beste Möglichkeiten liegen, der Chancenwucher war stellenweise rätselhaft. Gegen Freiburg machte Bayern es besser als zuvor, verwandelte endlich auch mal die Halbchancen.

Wolfsburg ist da das Gegenbeispiel: Beide Teams kamen aus dem offenen Spiel zu fast identisch guten Chancen, laut The Analyst. Wolfsburg hat einen Expected-Goals-Wert von 15,75 und Bayern von 15,72. Bloß: Die Wölfinnen machten daraus 21 Treffer, Bayern nur etwas mehr als halb so viele (!), nämlich zwölf. Eine eklatante Diskrepanz.

Wolfsburg war überdurchschnittlich gut, strahlte dazu mit vielen Spielerinnen Gefahr aus: Endemann, Popp, Oberdorf und Janssen trafen alle neben Pajor drei Mal oder mehr. Klar ist aber auch: Wolfsburg muss, angesichts der Abwehrschwächen, diese erstaunliche Quote wohl halten, was nicht einfach wird.

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Torgefährlich: Pajor und Popp / ODD ANDERSEN/GettyImages

Fazit

Zum Start der Rückrunde ist das Rennen um die Meisterschaft noch komplett offen. Ein Kampf ohne Ausrutscher ist es bislang nicht, im Gegenteil: Weder Bayern noch Wolfsburg konnten bisher auf ganzer Linie überzeugen.

Beide haben ihre eigenen Probleme - Chancenverwertung und fehlende Abstimmung bei Bayern, Defensivschwächen bei Wolfsburg. Das ergibt eine interessante Kombination und ein spannendes Rennen - Bayern dürfte nach dem jüngsten Ausrutscher von Wolfsburg favorisiert sein, aber alles ist möglich.


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