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AS Rom

AS Rom und José Mourinho: Himmelfahrtskommando oder Chance auf Titel?

Jan Kupitz
Jose Mourinho übernimmt die AS Rom
Jose Mourinho übernimmt die AS Rom / Clive Brunskill/Getty Images
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Nur zwei Wochen nach seinem Aus bei Tottenham hat José Mourinho eine neue Aufgabe gefunden: The Special One wird zur kommenden Saison die AS Rom übernehmen, die entschieden hat, den Vertrag mit Paulo Fonseca nach zwei insgesamt durchwachsenen Jahren nicht zu verlängern.

Mou und die Roma - passt das?


Wir haben uns mit TV-Kommentator und Serie-A-Experte Carsten Fuß über den Trainercoup der Giallorossi unterhalten. Carsten begleitet den Calcio seit über 30 Jahren, kommentiert die italienische Liga ebenso lange (aktuell auf DAZN) und kennt sich hervorragend in der Serie A aus.

"Ich bin verwundert, dass die Roma das so macht", erklärt Carsten. "Denn die letzten Auftritte von Mourinho waren ja auch nur wenig überzeugend. Es ist für mich verwunderlich, dass sie bei der Roma sagen, dass er der neue Heilsbringer sei, speziell wegen seiner Art, Fußball spielen zu lassen." Schließlich ist der Mourinho-Fußball nur sehr wenig attraktiv - völlig konträr zu dem, was die heißblütigen Tifosi des italienischen Hauptstadtklubs gewohnt sind und sich natürlich auch wünschen würden.

Zudem erinnert Carsten daran, dass Mou und die Roma eine kleine Vorgeschichte haben. Als The Special One noch als Trainer von Inter Mailand tätig war, stichelte er gegen die Giallorossi, die damals mit den Nerazzurri um den Scudetto kämpften. "Zero tituli" (null Titel) spottete Mourinho in Richtung der Römer, die 2000/01 ihre letzte Meisterschaft feiern konnten.

Auch in jenem Jahr, es war die Saison 2009/10, hatte die Roma letztlich das Nachsehen. Mourinho schnappte sich mit Inter damals aber nicht nur den Scudetto (zwei Zähler vor der Roma), sondern gleich das ganze Triple.

Jose Mourinho, Marco Materazzi
Mourinho war nach dem CL-Sieg 2010 außer Rand und Band / Shaun Botterill/Getty Images

Und dieser Triple-Gewinn ist es, der laut Carsten trotz des unansehnlichen Spielstils ein großes Argument für den Wechsel ist: Denn den größten Erfolg seiner Karriere hatte er nunmal in Italien mit Inter.

Was man in diesem Zuge auch nicht vergessen dürfe: "Auch Antonio Conte ist in dieser Saison nicht mit einem Hurra-Stil Meister geworden, sondern mit einer aufgepeppten Fünfer-Kette. Mourinho lässt vom Verständnis her auch nicht offensiver spielen. Und wenn wir sehen, dass Conte mit dieser Art Fußball den Scudetto gewonnen hat, dann kann ich es schon nachvollziehen, wenn die Roma sagt: 'Wir haben jetzt jemanden, der das vielleicht noch besser managen kann.'"

Zudem dürfte auch die Connection zum starken Mann der Römer eine gewichtige Rolle gespielt haben. Sportdirektor Tiago Pinto ist wie Mourinho Portugiese, was den Wechsel sicherlich ein Stück weit einfacher gemacht hat.

"AS Rom ist ein Klub, der ist so unglaublich"

Die Sehnsucht der Römer nach einem Titel ist jedenfalls groß: Der letzte Scudetto ist mittlerweile 20 Jahre her, damals noch unter der Leitung des großen Fabio Capello eingefahren. Die Nachfolger der Trainerlegende hatten nur mäßig Erfolg, bis auf Luciano Spalletti, der immerhin zweimal die Coppa Italia mit den Giallorossi gewann, konnte kein Coach die begehrte Silberware liefern.

Mit Mourinho sitzt ab der kommenden Saison jemand auf der Bank, der zumindest weiß, wie Titel gehen. Doch Carsten warnt: "Die Roma zu trainieren, früher antiquiert würde man sagen: Himmelfahrtskommando." Ein Luis Enrique wurde beispielsweise vom Hof der Römer gejagt, nur um danach beim FC Barcelona zweimal in drei Jahren Meister zu werden und sogar das Triple abzuräumen.

"AS Rom ist ein Klub, der ist so unglaublich", ergänzt Carsten. "Das muss man können." Viel werde natürlich auch davon abhängen, "welches Personal Mourinho noch bekommt, denn in der aktuellen Besetzung kann die Roma den Großen kein Paroli bieten. Es gab nicht einen Sieg gegen die großen Sechs in Italien in der laufenden Saison."

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