​​Hertha BSC hat offenbar einen Nachfolger für Interims-Trainer Alexander Nouri gefunden - Bruno Labbadia soll in den kommenden Tagen offiziell als neuer Cheftrainer vorgestellt werden. Eine Entscheidung, die durchaus strittig ist, nach Berlin jedoch passt, wie die Faust auf's Auge.


​Nun soll es also Bruno Labbadia richten. Der Mann, für den Hertha bereits seine achte Station als Trainer einer Profimannschaft sein wird. Als Feuerwehrmann verschrien, heißt es gleich, die Hertha vor dem Abstieg und damit vor dem Scheitern des Projekts 'Big-City-Club' zu bewahren. Dass Bruno Labbadia dabei durchaus mehr Qualitäten mitbringt, als taumelnde Klubs vor dem Kollaps zu retten, geht gerne unter, schließlich hat der 54-Jährige auch schon so manchen Verein aus dem Schlamm gezogen. 


So zum Beispiel den ​Hamburger SV. Im Jahr 2015 bekam er dort ein zweites Mal in seiner Laufbahn die Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Auch damals hieß die Mission nur noch, erbittert die Klasse zu halten, mit allen Mitteln erstklassig zu bleiben. Diese Mission war erfolgreich, der HSV vorerst gerettet und Labbadia hatte, nachdem er zuvor rund 20 Monate ohne Job war, seine Reputation als tauglicher Bundesliga-Trainer plötzlich wieder hergestellt. 


Ansprüche zu groß, Realität zu klein?

Ein Vorwurf, den Labbadia sich ebenfalls häufiger gefallen lassen muss, ist der der zu hohen Ansprüche. Ein Trainer, der sich selbst gerne bei einem Topklub sehen würde, faktisch aber einfach nicht gut genug ist. Ein Trainer, der mit seinen Klubs stets hoch hinaus will, am Ende jedoch an genau diesen Ansprüchen zu scheitern scheint. Als Beispiele werden hier die Stationen ​Bayer Leverkusen​VfB Stuttgart und natürlich der ​HSV angeführt. All jene, die vereinfacht runter gebrochen eine große Gemeinsamkeit mit Hertha BSC haben: Das Mantra des einstigen Topsellers, der wieder hinauf will in das Regal der Verkaufsschlager. 

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Freudentaumel: 2015 rettete Labadia den HSV in der Relegation gegen Karlsruhe vor dem Abstieg



Sowohl bei Leverkusen, als auch Stuttgart und Hamburg, konnte Labbadia diesen Ansprüchen stets nicht gänzlich gerecht werden. Ein Ruf, der ihm noch immer anhängt. Dabei hat er erst in der letzten Saison bewiesen, was er aus einem Verein machen kann, wenn die Bedingungen stimmen. Den ​VfL Wolfsburg übernahm Labbadia in der Saison 2017/2018, als dieser gerade auf Tabellenplatz 14 herumkrebste und ebenfalls Angst vor dem drohenden Abstiegskampf hatte. Das war am 23. Spieltag. Zwar rutschte man noch bis auf den Relegationsplatz ab, die Klasse jedoch hielt man - und an Labbadia fest. Der rechtfertigte das Vertrauen mit dem sechsten Platz und der Qualifikation für die Europa League. 


Labbadia bei Hertha BSC als Brandbeschleuniger?

In Berlin findet der gebürtige Darmstädter zudem noch einmal andere Voraussetzungen vor. Zum einen hat man mit Investor Lars Windhorst einen Mann im Boot, der sowohl ambitioniert ist, als auch handlungsschnell. Das Projekt 'Big-City-Club' soll mit aller Macht vorangetrieben werden. Der ganze Verein zieht mit. Nach dem Klinsmann-Debakel hat man sich jetzt wohl entschlossen, mit Labbadia eine ruhigere Route einzuschlagen. Wenn es zwischen Trainer und Investor funken sollte, wäre das schon mal eine gute Voraussetzung für die weitere Zukunft. Sollte der Coach in Berlin ähnlich Fahrt aufnehmen wie in Wolfsburg, könnte er tatsächlich der Brandbeschleuniger des Projekts Europa werden. 


Schafft es Labbadia, auch die Hertha vor dem Gang in die zweite Liga zu bewahren, und ebenfalls die Geduld und das Vertrauen der Vereinsspitze um Manager Michael Preetz geschenkt bekommen, wer weiß: Vielleicht schaltet auch die Alte Dame plötzlich den Turbo und findet sich bereits in der nächsten Saison in Europa wieder. Dann hätte nicht nur der Verein es seinen Kritikern gezeigt, sondern auch Labbadia am Schluss das letzte Lächeln. Labbadia und Berlin - das passt. Vielleicht nicht wie der Deckel auf den Topf, doch zumindest einmal wie die Faust auf's Auge!