​Der ​SV Werder und die Stadt Bremen können nicht mehr gut miteinander. Das lange Beziehungsverhältnis droht immer mehr zu zerbröckeln. Und das, obwohl beide doch so voneinander abhängig sind. Die Gründe für den Bruch und die womöglich dramatischen Folgen sind die Produkte einer längst vergangenen Symbiose.


Die Lage spitzt sich weiter zu. Zur neuen Woche will der SV Werder Bremen nach der wochenlangen Pause auf den Trainingsplatz zurückkehren. Unter Beachtung aller Vorschriften und nur mit großen Abständen wollte der Klub das Risiko klein halten. ​Der Bremer Senat schob diesen Plä​nen allerdings schnell​ einen Riegel vor. Dem Fußball grätschte die Politik damit erneut rigoros rein.


Mal wieder muss sich Werder den Ansagen der Stadt beugen. Es bleibt keine Wahl, außer das Urteil zu akzeptieren. Doch so langsam dürfte sich der Verein wie in einem falschen Film vorkommen. Dass der Machtkampf im kleinsten Bundesland Deutschlands derart ausartete, brachte die Grün-Weißen bereits um Millionen - und womöglich sogar um die sportliche Existenz.


Der Disput schaukelt sich weiter hoch


Dabei ist nicht so wirklich klar, wo die gegenseitigen Distanzierungen ​ihren Ursprung haben. Doch wie immer dreht sich alles vor allem um das liebe Geld. Den letzten gemeinsamen Coup "feierten" Verein und Stadt mit dem Stadionausbau vor rund zehn Jahren. Das Projekt stemmten Werder und Bremen zusammen, doch der Lohn blieb größtenteils aus. 


Die Folgejahre entwickelten sich für den SVW zu einer langen Durstrecke. Abstiegskampf und Geldsorgen waren Programm. Von Titeln oder einer sicheren Zukunft mussten sich die Beteiligten erst einmal verabschieden. Vermutlich wird sich die Stadt zu dieser zeit bewusst gemacht haben, dass es scheinbar deutlich wichtigeres gibt, als sich weiterhin mit dem Krisenklub zu brüsten.

Flutlicht,Stadion Uebersicht

Auch der Verkauf des Stadionnamens dürfte der Stadt wenig geschmeckt haben



Doch auch Werder hat sich auf seine Weise wehren können. Im vergangenen Sommer verkaufte der Klub die Rechte des Stadionnamens an Wohninvest. Sicher wurde der Deal vor allem wegen der finanziellen Perspektive abgewickelt. Doch ein kleiner Seitenhieb gegen die Stadt als gleichzeitigen Miterbauer war sicherlich eingeplant sein.


Dabei passen der Fußball und die Politik in Bremen eigentlich ganz gut zusammen. Beide könnten eine große Finanzspritze sehr gut gebrauchen. Es fehlt das Geld für Projekte und ohnehin ist der Glanz über die Grenzen hinaus verloren gegangen. Der Unterschied ist allerdings, dass der Senat seit Jahren die Kontrolle an sich gerissen hat. Die Grün-Weißen müssen sich immer weiter anpassen und haben nur noch wenig für die gemeinsame Zusammenarbeit beizutragen.


Werder gerät ins Schwitzen


Den bisherigen Höhepunkt nahm das Machtspiel im vergangenen Jahr, als es um die Verteilung der Polizeikosten ging. Die Stadt wies jegliche Beteiligung von sich und ließ den Verein auf den Kosten sitzen. Ein Unding, was nicht nur exemplarisch für die längst erkaltete Solidarität steht, sondern in ganz Deutschland auch nur in einem einzigen Fall geschah. 

Florian Kohfeldt

Während andere Mannschaften trainieren, muss sich Werder gedulden



In keinem anderen Bundesland werden die Fußballteams an den Kosten dieser Maßnahmen beteiligt. Nur der SVW sitzt im Ernstfall auf mehr als zwei Millionen Euro, die anderweitig verplant waren. Dass nun auch ein Trainingsverbot erneuert wurde, stellt die Beziehung vor die Zerreissprobe.


Die Politik mag im Sinne der Stadt handeln und dem Fußball immer mehr eine Nebenrolle zuweisen. Doch klar ist, dass das Eine ohne das Andere nicht bestehen kann. Sollte Werder weiterhin mit jedem Anliegen abprallen, wird auch Bremen auf lange Sicht die Folgen spüren werden. Gerade in diesen Zeiten wird deutlich, dass es sich die Beteiligten nicht mehr leisten können, das Herumreißen des Ruders zu verpassen.