Der BVB musste im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen den SV Werder Bremen die Segel streichen - im zweiten Jahr in Folge! Ernüchterung und viele Fragezeichen herrschen in Dortmund vor; doch gab es auch einige wenige Lichtblicke.


Flop: Die Außenverteidiger


Das in den vergangenen Wochen kongeniale Duo auf den Flügeln, bestehend aus Achraf Hakimi und Raphael Guerreiro, wurde am Dienstagabend zwangsweise aufgebrochen, da Guerreiro angeschlagen passen musste. An seiner statt lief Nico Schulz auf, der einen weiteren rabenschwarzen Abend in Schwarz und Gelb durchlebte. 

Nico Schulz,Achraf Hakimi

Dem Nationalspieler fehlt weiterhin die Bindung zum Spiel in Dortmund. Defensive Fahrlässigkeiten und schlechtes Timing in Zweikämpfen paarten sich am Dienstagabend mit fehlender offensiver Durchschlagskraft u​nd Flanken ins Niemandsland. Während Guerreiro gerne mit dem Ball spielt und häufig den Weg in die Mitte sucht, klebte Schulz gegen Bremen auf der linken Außenbahn und schien froh zu sein, das Spielgerät schnellstmöglich wieder loszuwerden. Der 26-Jährige bleibt ein Fremdkörper.


Doch auch Achraf Hakimi erwischte nicht gerade einen Sahneabend. Ausbleibende Impulse im letzten Drittel rückten vor allem die ohnehin schwache Defensivarbeit des Marokkaners in den Fokus. Hakimi ließ sich ein ums andere Mal abkochen und bedingte durch individuelle Fehler einige Bremer Torchancen sowie auch den Führungstreffer durch Davie Selke. Kein guter Abend der Dortmunder Außenverteidiger. 


Top: Julian Brandt


Aus einer schwachen Dortmunder Mannschaft stach Julian Brandt am Dienstagabend positiv hervor. Der Blondschopf zeigte sich gewohnt spielfreudig und dynamisch und initiierte in der Regel die wenigen wirklich gefährlichen Angriffe der Schwarz-Gelben. Den Anschlusstreffer durch Erling Haaland bereitete er nach schöner Kombination und sehenswertem Lupfer mustergültig vor. 


Und auch nach dem Abpfiff gehörte Brandt zu den Gewinnern auf Dortmunder Seite. Die strittige Elfmeter-Szene ordnete der Mittelfeldspieler am Sky-Mikrofon sachlich und beschwichtigend ein und legte den Fokus darauf, dass die Aufregung eher den Spielfluss der Mannschaft störte. Auch dafür: Hut ab.


Flop: Marco Reus


Was Brandt auf den Rasen brachte, ließ ​Marco Reus vermissen. Der Dortmunder Kapitän wirkte einmal mehr lustlos und zurückhaltend. Während er seine Mannschaft in solchen Spielen eigentlich führen muss, tauchte Reus komplett ab. Kurz vor Schluss hatte der Spielmacher dann auch noch die Chance auf den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber kläglich - ein Sinnbild für seine Leistung am Dienstagabend. Das größte Manko beim Nationalspieler ist und bleibt derzeit aber die fehlende Körpersprache. Für die anstehende Partie gegen Bayer Leverkusen sollte Cheftrainer Lucien Favre über eine Pause für seinen Kapitän nachdenken. 


Flop: Lucien Favre


Lucien Favre ist sicher nicht der Hauptschuldige für das Pokalaus in Bremen. Doch muss man konstatieren, dass sich der Schweizer am Dienstagabend etwas vercoachte. Die Entscheidungen, Roman Bürki und Erling Haaland auf der Bank zu lassen, brachen dem BVB das Genick. Marwin Hitz patzte beim 1:0 und sah auch beim 3:1 nicht wirklich gut aus. Auf der anderen Seite des Platzes fehlte es an der Durchschlagskraft und physischen Präsenz, die sich nach Haalands Einwechslung in der Halbzeit deutlich ​verbesserten. Auch Dan-Axel Zagadou, nach Verletzung zurück in der Startelf, machte nicht den fittesten Eindruck. 


Klar ist aber auch: Der BVB steckt in englischen Wochen. Dass Favre rotieren muss und Torjäger Erling Haaland langsam aufgebaut werden muss, steht außer Frage. Nur traf der Schweizer am Dienstagabend die wohl falschen Entscheidungen für die Startelf und auch die Taktik: Gegen das kompakte 5-2-3-System der Werderaner fand der BVB im zu statischen 3-4-3-System kaum Lösungen; Favre hätte deutlich früher umstellen müssen. 


Top: Giovanni Reyna 


Der 17-Jährige kam beim undankbaren Stand von 2:0 aus Bremer Sicht in die Partie, ließ sich davon aber nicht einschüchtern. Zunächst scheiterte der Youngster, der über die linke Außenbahn kam, denkbar knapp zum Ausgleich an Jiri Pavlenka, machte seinen Fehlschuss aber mit einem absoluten Sahnetor wieder wett. 

Beim Gerangel mit Niklas Moisander griff Reyna zwar etwas zu tief in die Theaterkiste, mit einem 17-Jährigen muss man in solch einer Situation allerdings Nachsehen haben. Wichtigste Erkenntnis für den BVB: Reyna setzte viele Impulse und kam immer wieder in gefährliche Situationen. Dass der Youngster schon jetzt in solch wichtigen Spielen liefern kann, ist ein gutes Zeichen für die Borussia.


Flop: Die Sache mit der Menta...


Es ist ja ein Unwort in Dortmund geworden, die Mentalität. Doch zeigt sich immer wieder, dass genau das das Manko der Mannschaft ist. Fehlende Körpersprache, keine Bereitschaft, über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen. Das Bild zeigte sich in dieser Saison schon einige Male und auch am Dienstagabend in Bremen. Einer für's Phrasenschwein: So gewinnt man keine Titel. Und genau das muss sich der BVB jetzt auf die Fahnen schreiben. Immerhin stehen mit Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und Paris Saint-Germain in der Champions League drei Partien an, in denen ebendiese Mentalität gefragt sein wird.