Nein, eine berauschende Saison spielt die ​Düsseldorfer Fortuna bislang nicht. War sie im letzten Jahr, als Aufsteiger, noch eine der positiven Erscheinungen, ist sie im zweiten Jahr etwas auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Doch gerade das zweite Jahr gilt ja immer als das schwerere für einen Aufsteiger. Umso unverständlicher sind die Gerüchte, nach denen ​Friedhelm Funkel bereits ein Ultimatum gesetzt bekommen haben soll.


Friedhelm Funkel muss sich manchmal wie im falschen Film vorkommen. Wurde ihm in der letzten Saison während der Winterpause zunächst mitgeteilt, dass für ihn im Sommer 2019 Schluss sei, ​machte der Vorstandsvorsitzende Robert Schäfer kurz danach - und nachdem ein Aufschrei der Empörung nicht nur durch Düsseldorf ging - schon wieder eine Rolle rückwärts. Vor nicht mal einem Monat (!) wurde dann mit ihm sogar über den Sommer 2020 hinaus verlängert.


Jetzt, im verflixten zweiten Jahr, steht die Fortuna zwar auf einem Abstiegsrang, aber die Entfernung zum rettenden Ufer (drei Punkte auf den 15. Platz) ist jetzt auch nicht so dramatisch, dass man schon im Januar in Panik geraten müsste.


Doch genau in diese Panik scheinen die Bosse gerade zu verfallen. ​Denn nach Angaben der dpa (via Bild) sollen sie dem Trainer bereits eine Art Ultimatum gestellt haben: Entweder werden die kommenden beiden Spiele gewonnen - oder er muss gehen. Wie gesagt: Keine vier Wochen nach Verkündigung der Verlängerung seines Vertrages. 


Hinter den Kulissen wird dem Coach vorgeworfen, an altgedienten Spielern - und unter Umgehung des Leistungsprinzips - festzuhalten. Konkret geht es dabei um die beiden Routiniers Oliver Fink (37) und Adam Bodzek (34). Für Funkel sind diese Vorwürfe völlig haltlos.


"Das ist der größte Witz des Lebens, die beiden infrage zu stellen!", echauffierte sich Funkel gegenüber der Bild, auf diese Personalien angesprochen. "Das sind Spieler, die so viel für uns getan haben und immer noch tun. Die werden nicht aufgestellt, weil sie lange bei der Fortuna sind. Sondern weil sie der Mannschaft helfen. Dem schenke ich überhaupt keine Aufmerksamkeit. Null! Ich würde gar nicht darauf reagieren, wenn ich nicht danach gefragt werden würde." 


Auch von einer angeblich schlechten Stimmung im Team, generiert durch seine Personalentscheidungen, will Funkel nichts wissen. 


Pfannenstiel nimmt U-Wort zumindest nicht in den Mund


"Das sind Dinge, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Da gibt es gar keine Diskussion drüber. Ich weiß nicht, wer so was in die Welt setzt. Das sind Leute, die irgendwelche Geschichten heraufbeschwören wollen. Da ist nichts von wahr - gar nichts! So etwas jetzt in die Welt zu setzen - das ist schon bösartig", so Funkel über das angebliche Ultimatum.


Auf Nachfrage des Blattes sagte Sportvorstand Lutz Pfannenstiel: "Der Tabellenplatz ist kein Kriterium und wir werden bestimmt nicht in Aktionismus verfallen. Entscheidend ist, ob die Mannschaft, angeleitet vom Trainerteam, ihr Leistungsvermögen ausschöpft. Ruft sie ihr Leistungsvermögen ab und kriegen das Trainerteam und die Mannschaft das zusammen hin, gibt es für uns keinen Grund darüber nachzudenken." 


Klingt eigentlich erstmal nicht so sehr nach einem konkreten Ultimatum. Zumal die beiden kommenden Gegner es durchaus in sich haben: am kommenden Sonntag (18.00 Uhr) geht es zu Bayer Leverkusen, eine knappe Woche darauf empfangen die Rheinländer die Frankfurter Eintracht. Von daher sollte man hier einmal die Unschuldsvermutung walten lassen. Es wäre auch zu seltsam, einem Trainer, dem man erst zwei Monate zuvor weiter das Vertrauen geschenkt hat, nach nur einem Pflichtspiel schon wieder die Pistole auf die Brust zu setzen. Andererseits kann einen im heutigen Profifußball-Geschäft auch nicht mehr viel überraschen.