Dem ​BVB ist mit der Verpflichtung von Erling Haaland ein Transfer-Coup gelungen, keine Frage. Daran ändert auch die Ausstiegsklausel im Vertrag des Norwegers nichts. Sie zeigt jedoch auf, dass der Verein bereit ist, gewisse Ideale dem Erfolg unterzuordnen.


Es war ein Schock für den BVB, als Mario Götze vor sechseinhalb Jahren von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machte und zum ​FC Bayern wechselte. Und der steckt dem Verein noch immer in den Knochen. Damals schrieben sich die Verantwortlichen um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf die Fahne, sich von Spielern nicht mehr auf der Nase herumtanzen zu lassen. Den Wert eines Ideals darf man im schnelllebigen, erfolgsorientierten Geschäft Fußball aber nicht überschätzen.


Phasenweise wurde und wird der BVB dieser Linie gerecht. Ausstiegsklauseln vergab die Borussia bis jetzt nicht mehr, die Streikhähne Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembele setzte der Verein mehr oder weniger konsequent vor die Tür. Dass sich der BVB diesen Schritt auch ordentlich vergolden ließ, darf allerdings nicht unter den Tisch fallen. Denn letztlich spielt bei den schwarz-gelben Idealen auch immer ein Hauch von Opportunismus mit.


Ausstiegsklausel für Haaland: Gebundene Hände beim BVB


So wie auch jetzt bei Erling Haaland. Fakt ist: Ohne die Ausstiegsklausel wäre der Norweger wohl nicht in Dortmund gelandet. Diesen Coup zu verpassen, wäre - Ideale hin oder her - wirtschaftlich und sportlich gesehen fatal gewesen. Spätestens wenn der Shootingstar von seiner Klausel Gebrauch macht, könnte dieser Opportunismus jedoch als Bumerang zurückkommen. Und zwar in doppelter Hinsicht.

Hans-Joachim Watzke

Idealist und Opportunist: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke



Die Tatsache, dass Erling Haaland den BVB als geplantes Sprungbrett nutzt - nichts anderes sagt eine Ausstiegsklausel in diesem Fall aus -, zwängt den Verein in eine Schublade, aus der die Schwarz-Gelben eigentlich seit Jahren ausbrechen wollen. Darüber hinaus werden Hans-Joachim Watzke und Co. infrage gestellt werden. Das werden sie jetzt schon marginal. Sollte Haaland den Verein per Klausel, ​die laut der SportBild 2022 greift, tatsächlich verlassen, werden sich die Hyänen auf den ach so idealistischen BVB stürzen. Garantiert. 

Was will der BVB verkörpern?


Einen Vorwurf kann man dem Vizemeister der vergangenen Saison trotzdem nicht machen, weder für seine Ideale, noch für seinen Opportunismus. In den Regionen, in denen der BVB mittlerweile operiert (das war in den ersten Jahren nach 2013 noch anders), ist nicht mehr viel Platz für Ideale. Wer aufsteigen und an der Spitze bleiben will, muss über Leichen gehen können. Das lebt die Borussia vor. Indem sie Transfers der Größenordnung Erling Haaland stemmt und konsequente, ambitionierte Ziele formuliert. 


Dieser Hauch von Opportunismus kollidiert unter dem Strich aber mit dem, was der BVB zu sein versucht: Echte Liebe, ein Malocher-Club und der sympathische Underdog. Dass die Borussia das nicht mehr ist, zeigt ein Blick in die Geschäftsbücher und die sportliche Ausrichtung. Und ohne einen Hauch von Opportunismus funktioniert das Geschäft Fußball auch einfach nicht - der BVB sollte sich dessen bewusst sein und darüber nachdenken, wie er seine Ideale in Zukunft moderiert. Um endlich aus der Schublade ausbrechen zu können, die sich der Bundesligist in den vergangenen Jahren ein Stück weit selbst gezimmert hat.


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