Der ​BVB wird in dieser Saison den Sand im Getriebe einfach nicht los. Bei der Niederlage in München erlebte der Verein einen emotionalen Tiefpunkt und wollte anschließend den Ist-Zustand genau analysieren. Der Vizemeister stellt nun alles auf den Prüfstand - wohl auch Cheftrainer Lucien Favre.


Vorweg: ​Die Vereinsführung ist wohl weiterhin überzeugt von Favre. Das betonten Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc bei jeder Gelegenheit. Die Fehler werden - vor allem nach der Klatsche beim FC Bayern - bei der Mannschaft gesucht. Die vermeidet klare Bekenntnisse zum Trainer zwar, das ist jedoch auch nicht ihre Aufgabe. Nach Niederlagen und schwachen Spielen präsentieren sich die BVB-Spieler durchaus selbstkritisch, aber auch ein wenig ratlos.


Bei der Borussia steht daher nun alles auf dem Prüfstand. Ein neuer Stürmer im Winter wird diskutiert, um den verletzungsanfälligen Paco Alcacer zu entlasten. Wie die SportBild berichtet, soll auch Lucien Favre vorerst auf Bewährung arbeiten. Das lässt sich darauf zurückführen, dass die Chance, Deutscher Meister zu werden, in diesem Jahr so groß ist wie schon lange nicht mehr. Ein neuer Trainer im Winter - der Name Jose Mourinho, der gut mit Watzke befreundet ist, fällt immer wieder - könnte der Mannschaft neues Leben einhauchen. 


Favre beim BVB: Die Mannschaft spielt für seine Zukunft - oder auch nicht


Entscheidend ist letztlich die Frage, was die Mannschaft leisten kann und möchte. Die Qualität und das Potenzial, Meister zu werden, sind zweifellos vorhanden. Schon im letzten Jahr scheiterte der BVB nur knapp am Titel, im Sommer verstärkte man das Gerüst zudem hochklassig. Dass die Borussia hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt, ist schon verwunderlich. Und das lässt sich irgendwann auf den Trainer zurückführen. Was passieren kann, wenn die Spieler nicht vollends hinter dem Coach stehen, sah man zuletzt beim FC Bayern. Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann kritisierte anschließend, dass Spieler zu viel Macht haben und auf Trainer ausüben können.


Favres Bewährung ist daher eher als Bewährung der Mannschaft zu verstehen. Kriegt der BVB bis zum Winter nicht die Kurve, muss die Vereinsführung reagieren, um die ausgegebenen Ziele (sprich: die Meisterschaft) nicht aus den Augen zu verlieren. Derjenige, der dann den Kopf hinhalten müsste, wäre Lucien Favre.