Die deutsche Nationalmannschaft hat am Mittwochabend trotz einer 2:0-Führung nur ein 2:2-Unentschieden gegen Argentinien erreicht. Zwar musste Jogi Löw bei der Partie auf ein Dutzend Spieler verzichten, dennoch ist das Ergebnis nach dem Spielverlauf eine Enttäuschung.


Das DFB-Team trat gegen Argentinien erstmals seit der WM 2014 ohne einen Weltmeister in der Startelf an - dafür dürften mit Luca Waldschmidt und Robin Koch in der Startelf zwei Spieler des ​SC Freiburg ihr Länderspieldebüt feiern. Auch die eingewechselten Suat Serdar und Nadiem Amiri kamen zu ihrem ersten Einsatz für das A-Team; Joshua Kimmich führte die "Notelf" als Kapitän aufs Feld.

Jogi Löw setzte gegen die Gauchos auf eine Dreierkette: Neben Niklas Süle und Koch durfte etwas überraschend Emre Can in der Innenverteidigung auflaufen. Der 25-Jährige, der bei Juventus Turin eine schwierige Spielzeit erlebt, machte seine Sache aber überaus gut und gehörte zu den besten Akteuren auf dem Rasen.


Doch nun zum Spielgeschehen: Das DFB-Team, das durch die vielen Ausfälle arg gebeutelt war, zeigte in der ersten Hälfte eine sehr starke Leistung. Julian Brandt hätte nach 14 Minuten bereits die Führung erzielen können, scheiterte jedoch freistehend am Gaucho-Keeper Marchesin. Bayern-Star Serge Gnabry machte es nur eine Minute später deutlich besser und veredelte eine Vorlage von Lukas Klostermann technisch stark zum 1:0.


In der 22. Minute erhöhte die Löw-Elf dann sogar auf 2:0. Nach einem tollen Konter über Klostermann und Gnabry musste Kai Havertz nur noch einschieben - es war das erste Länderspieltor des deutschen Hoffnungsträgers, der zusammen mit Gnabry, Brandt und Waldschmidt offensiv für reichlich Wirbel sorgen konnte.


DFB-Team mit Konterfußball vom Feinsten


Die Argentinier offenbarten defensiv viel zu viele Lücken, die die Deutschen mit ihrem Tempo immer wieder zu nutzen wussten - den bärenstarken Gnabry muss man hierbei positiv hervorheben. Von der Lethargie und dem ideenlosen Ballgeschiebe, das während und auch noch nach der WM 2018 viele Fans zur Weißglut gebracht hatte, war nichts zu sehen. Stattdessen suchte das DFB-Team häufig und schnell den direkten Weg in die Spitze, wodurch sich weitere gute Gelegenheiten ergaben. Die größte Möglichkeit, um die Führung noch deutlicher zu gestalten, ergab sich in der 31. Minute, als Marcel Halstenberg einen wunderschönen Freistoß an die Latte zirkelte.

Argentinien konnte in Hälfte eins dagegen offensiv lediglich ein einziges Ausrufezeichen setzen: Rodrigo De Paul hämmerte den Ball nach einer knappen halben Stunden aus gut 25 Metern an den Pfosten - ansonsten ließ 'Die Mannschaft' defensiv wenig anbrennen.


Nach der Halbzeitpause dann aber ein anderes Bild: Argentinien stellte sein System um, kam wesentlich besser aus der Kabine und presste das DFB-Team früher. Die erste dicke Chance in Hälfte zwei hatten jedoch die Deutschen. Nach einer argentinischen Ecke erneut ein blitzsauberer Konter, doch Can scheiterte im Eins-gegen-Eins an Marchesin - das hätte das 3:0 (und die Vorentscheidung) sein müssen.


Eingewechselter Alario als Gamechanger


In der Folge übernahm Argentinien immer mehr das Spielgeschehen und wechselte mit Leverkusens Lucas Alario den Spieler ein, der das Spiel endgültig kippen sollte. In der 66. Minute köpfte der 27-Jährige nach einer herrlichen Flanke mustergültig zum Anschlusstreffer ein - die Zuordnung der deutschen Hintermannschaft hatte in dieser Situation überhaupt nicht gepasst. 


Die Mannen von Jogi Löw zeigten sich ob des Gegentreffers beeindruckt und waren plötzlich von der Rolle. Offensiv wurden die Konter nicht mehr zielstrebig zu Ende gespielt, defensiv ließ man immer mehr gegnerische Torchancen zu. Vor allem Alario sorgte für viel Gefahr und hätte in der 78. Minute schon das 2:2 erzielen können - sein Schuss rauschte knapp am Tor vorbei. 


Ausgleich kurz vor Schluss


Die Schlinge zog sich aus Sicht der Deutschen jedoch immer enger; fast folgerichtig fiel dann fünf Minuten vor Abpfiff auch der Ausgleich. Nach einem Ballverlust von Serdar marschierte Alario durch die gesamte deutsche Hintermannschaft, legte auf Ocampos ab, dessen (abgefälschter) Schuss in der kurzen Torwartecke einschlug. Aufgrund der Schlussphase, in der Argentinien auf den Ausgleich drückte, ein verdientes Ergebnis.


Das DFB-Team muss sich aber erneut fragen, warum es mal wieder nicht schafft, trotz einer guten ersten Hälfte und einer komfortablen Führung das Ergebnis über die Zeit zu bringen. 


Am Sonntag geht es für Löw und Co. in der EM-Quali in Tallinn gegen Estland. Dort ist ein Ausrutscher aus deutscher Sicht verboten.