​Es war eine der neverending Stories des diesjährigen Transfermarktes. Beinahe täglich trudelten Wasserstandsmeldungen über den Stand der Verhandlungen zwischen ​Real Madrid und Manchester United bezüglich des Weltmeisters​ Paul Pogba ein. Am Ende wurde nichts aus dem Deal, weil die Spanier die geforderten 160 Millionen Euro nicht zahlen wollten. Mittlerweile könnte man fast sagen: zum Glück.


Für fünf Millionen aus Uruguay gekommen


Nun ist Paul Pogba sicherlich über jeden fußballerischen Zweifel erhaben. Der Mann hat das Spiel der Juventus mitgeprägt und ist auch bei den Red Devils eine der Stützen. Noch. Denn der Anspruch des Spielers ist es, um die ganz großen Titel mitzuspielen. Und da ist er bei Manchester United momentan im falschen Zug unterwegs. 


Ähnliches gilt für den Dänen Christian Eriksen von Tottenham Hotspur. Der wäre zwar für weitaus weniger Geld zu haben gewesen, aber vielleicht haben die Macher im Bernabéu-Stadion da schon einen gewissen Federico Valverde im Sinn gehabt.


Der kam, medial fast unbemerkt, im Sommer 2016 für fünf Millionen Euro aus Uruguay (von Peñarol Montevideo) und war erstmal für die zweite Mannschaft der Madrilenen eingeplant. Über Deportivo La Coruña und den FC Castilla (Reals Dependance in der Segunda B, der dritten Liga Spaniens) hat sich Valverde in diesem Jahr in den Kader der ersten Mannschaft gespielt - und spielt da mittlerweile eine ganz formidable Rolle. So formidabel, dass die real-affine Marca jetzt schon triumphierend titelt: "Zidane findet seinen Pogba!".


Nun geht das in spanischen Medien immer recht schnell, dass jemand gehyped wird, aber die Entwicklung des "pajarito" (Vögelchen) ist auch mit einem Blick auf seine Leistungsdaten ersichtlich: acht Minuten gegen Villarreal, vierzehn gegen den FC Sevilla, dann schon 82 Minuten gegen Osasuna, etwas mehr als eine Stunde im Derby gegen Atlético und zuletzt über die volle Distanz beim 4:2-Sieg gegen Granada. 


Pogba wird dennoch auf der königlichen Agenda bleiben


Der Weg des Uruguayers geht kontinuierlich nach oben. Und bei allen Einsätzen hat er bereits seine Klasse mehr als angedeutet. Technik, Laufbereitschaft, Spielintelligenz - der 21-jährige Mittelfeldspieler bringt alles mit, um in den nächsten Jahren ganz groß rauszukommen.


Bedeutet das im Umkehrschluss, dass Pogba (oder Eriksen, oder beide) womöglich nicht nach Madrid kommen? Mitnichten. Wer den Klub kennt, weiß, dass er ein Stück weit auch immer Getriebener seines eigenen Erfolges ist. Die Fans wollen nicht nur guten Fußball sehen (der wird als selbstverständlich sowieso vorausgesetzt), sondern auch verwöhnt werden. Wollen die Besten der Besten auf dem Platz sehen. Der Exzellenz-Anspruch in Madrid ist weltweit wohl nur noch mit dem des FC Barcelona zu vergleichen. Das hat selbst ein so gestandener Spieler wie Eden Hazard schon zu spüren bekommen. Und wenn man einen Pogba irgendwie bekommen kann - dann wird man in der Avenida de Concha Espina auch alles dransetzen, um ihn zu holen. Das Bessere ist der Feind des Guten. Und für Real ist das allerbeste gerade gut genug. Geld - spielt dabei (fast) keine Rolle. Geld hat man. 


Dies scheint auch der Uruguayer zu wissen. Und gibt sich entsprechend bescheiden. "Du musst einfach nicht in der Presse lesen, um dich nicht selbst abzulenken, ich versuche nicht zu lesen. Es ist zwar super, wenn sie gut über einen sprechen, aber du musst bei der Sache bleiben. (…) Man muss auf dem Boden bleiben. Es gibt aber genug Motivation zu arbeiten, sich weiter zu verbessern und von seinen Teamkollegen zu lernen", sagte der Südamerikaner kürzlich zu seiner aktuell starken Form und den darauf folgenden Lobeshymnen. (Quelle:transfermarkt.de)


Doch auch wenn die Presse in Spanien, zumal in Madrid oder Barcelona, gerne mal ein wenig über das Ziel hinausschießt. Die Beurteilung einer absoluten Klub-Ikone (und eines ausgewiesenen Fußball-Fachmanns) wie Jorge Valdano über den Spieler kommt schon einer Adelung gleich: "Seine Performance war umwerfend", sagte der Argentinier im nationalen Radiosender Onda Cero


Das Vögelchen scheint flügge geworden zu sein.