​Der Fall Jatta hat den ​Hamburger SV bewegt, wie in den letzten Jahren nur der Kampf gegen den scheinbar unaufhaltsamen sportlichen Abstieg. Doch der Klub hat mit einer klaren Kante von Anfang an Haltung und Souveränität bewahrt. Was ihm nun längst verloren geglaubte, neue Sympathien einbringt. 


Seit Montag, seit der Bekanntgabe des Beschlusses des Bezirksamtes Hamburg-Mitte, das Verfahren gegen ​Bakery Jatta einzustellen, scheint die Causa einem Ende zuzustreben. 

Zwar beharrt der 1.FC Nürnberg weiterhin auf eine mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht am kommenden Montag, bei der er auch Zeugen - und einen Profiler (!) - vorstellen will. 


Doch ohne dem Ergebnis dieser Verhandlung vorgreifen zu wollen, kann man die Sieger in dieser Affäre schon jetzt klar benennen: es sind Bakery Jatta und dessen Klub, der HSV. 

Wie dieser junge Gambier mit dem unmenschlichen Druck, der sich in den letzten Wochen medial aufgebaut hat, umgegangen ist und immer noch umgeht, ist schlichtweg bewundernswert. Wie er die Pfiffe im Wildpark-Stadion zu Karlsruhe weggesteckt hat, zeugt von großer innerer Stärke.


HSV steht wie eine Wand hinter Jatta


Eine Stärke, die auch der Hamburger SV in dieser schwierigen Phase gezeigt hat. Von Beginn an haben die Verantwortlichen beim HSV Charakter gezeigt, ob es nun der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann war oder der Sportvorstand Jonas Boldt, ob Trainer Dieter Hecking oder die ganze restliche Mannschaft: sie alle standen "wie eine Wand" (Hecking) hinter ihrer Nummer 18. 


Doch nicht nur der HSV innerhalb seiner eigenen Strukturen, nein, die ganze Stadt Hamburg hat gezeigt, welcher Geist sie durchdringt. Schon seit Jahrhunderten. 


Ein Geist der Toleranz und Liberalität, in der homophobe Auswüchse es schon immer schwerer hatten zu verfangen, als im Rest der Republik. Denn auch der Stadtrivale FC St. Pauli hat klar Flagge gezeigt und bereits mehrere Wochen vor dem Stadtderby (16. September) angekündigt, in keinem Fall Einspruch gegen die Wertung des Spieles, unabhängig von seinem Ausgang, einlegen zu werden. 


Solidarität auch vom Nachbarn


Selbst der kicker, in den letzten Jahren sicherlich nicht in den Verdacht geraten, allzu positiv über den HSV zu berichten, konnte nicht umhin, den HSV im speziellen, aber auch den Nachbarn aus St. Pauli und die Stadt Hamburg im allgemeinen, für die gezeigte Haltung lobend hervorzuheben. 


In der online-Ausgabe vom Montag schrieb er: "In diesen Wochen aber wird Jatta getragen. Von einem Verein, der ein lange nicht gezeigtes Bild der Geschlossenheit abgibt und von einer Stadt, die vereint hinter ihm steht. Als erster Konkurrent hatte sich der Stadtrivale und kommende Gegner FC St. Pauli pro Jatta und gegen einen Protest ausgesprochen, während der abgelaufenen Woche hielten auch Stuttgarts Trainer Tim Walter und Osnabrücks Daniel Thioune flammende Appelle in Richtung Menschlichkeit."


Der bekannte Aforismus, nach dem man den Charakter einer Person erst in einer schwierigen Situation wirklich einschätzen kann, hat sich in der Causa Jatta bewahrheitet. Als ein jugendlicher Flüchtling, Tausende Kilometer von seiner Heimat entfernt, in einer fremden Umgebung lebend, wirklich in Schwierigkeiten geriet, war sein Klub, waren seine Nachbarn, war die ganze Stadt, in der er lebt, hinter ihm und reichten ihm die Hand. Wenn so etwas Schule machen würde, hätten manche Parteien in Zukunft kaum noch Wähler. 


Hans Sarpei verneigt sich vor dem HSV!


Die Anerkennung für die Art und Weise, wie der Hamburger SV mit der ganzen Sache umgegangen ist, spiegelt sich in Aussagen vieler Protagonisten der Fußballwelt. Wie z.B. Hans Sarpei. Auch er hat in der Vergangenheit kaum eine Gelegenheit ausgelassen, mit Spott und Häme (die meistens auch berechtig war) die dilettantischen Handlungsweisen rund um den Volkspark zu kommentieren. 


Jetzt twitterte er: "Lieber HSV, wie oft habt ihr es uns leicht gemacht, euch nicht zu mögen. Aber im Fall Jatta habt ihr gezeigt, was Haltung, was Respekt, was Menschlichkeit ist. Ich verneige mich mit allerhöchstem Respekt vor Euch!" 


Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.