Bislang hat sich ​HSV-Trainer Hannes Wolf (37) nicht damit hervorgetan, seine Talente, die ja zahlreich im Kader vertreten sind (Arp, Ito, David, Vagnoman, Opoku, Draws, Wintzheimer und Pfeiffer) in der Öffentlichkeit zu kritisieren. Doch die stagnierenden Leistungen, vor allem der offensiven Nachwuchskicker, haben jetzt offensichtlich zu einem Umdenken geführt. Der Ton wird rauer!


Es war nicht nur der letzte Auftritt beim Heimspiel gegen die Lilien aus Darmstadt (2:3), der dem Trainer sauer aufstieß. Als Fiete Arp (20) am Samstag in der 78. Minute für Pierre-Michel Lasogga (27) eingewechselt wurde, war die Mannschaft schon längst dabei, sich in einer Mischung aus Angst, Hilflosigkeit und Unbedarftheit mal wieder selbst ein Bein zu stellen. Die logische Folge waren der Ausgleichstreffer und das finale Siegtor der Hessen gegen eine in Auflösung begriffene Mannschaft. 


Arp hatte zwar kaum Ballkontakte, geschweige denn die Chance, sich mit einem Tor aus der eigenen Krise zu hieven und der Mannschaft substanziell zu helfen, doch ihn für die Unzulänglichkeiten seiner Kollegen verantwortlich zu machen, wäre unangemessen und nicht ganz fair. Denn in besagter Minute hätte der HSV das Spiel schon längst für sich entschieden haben müssen.


Niederlage im Test gegen eigene U21


Vielmehr regte den Trainer auf, dass seine Youngster auch den vereinsinternen Test gegen die Zweite Mannschaft nicht dafür nutzen konnten, Werbung in eigener Sache zu machen. Das auf fünfzig Minuten befristete Trainingsspiel am gestrigen Sonntag gewannen die Regionalliga-Kicker mit 1:0. Und das auch noch völlig verdient.


 "Ich hatte erwartet, dass wir es besser machen und die U21 nicht zehn Chancen bekommt", sagte ein sichtlich zerknirschter Trainer gegenüber der Mopo. In der Folge ließ er durch die Zeilen blicken, dass er eine gewisse Bequemlichkeit festgestellt habe "Auch die jungen Spieler bei uns im Kader müssen sich strecken. Man darf nicht denken: ´Cool, ich bin bei den Profis dabei´. Man muss jeden Tag immer wieder Vollgas geben." Das tun seine Sorgenkinder momentan beileibe nicht. Tatsuya Ito (20) wirkt wie eine schlechte Kopie seiner selbst, Manuel Wintzheimer (20) kommt seit seiner Ankunft über den Regionalliga-Spieler-Status nicht hinaus. Und selbst in der vierten Liga hat er bislang nicht restlos überzeugen können (in 14 Spielen stehen für ihn vier Tore und drei Assists zu Buche).

Holstein Kiel v Hamburger SV - Second Bundesliga

Manuel Wintzheimer kommt meist nur in der Regionalliga zum Zug


Und dann ist da ja noch der Fall Arp. Sein Wechsel zum ​FC Bayern steht seit geraumer Zeit fest (genauer gesagt, seit Sommer, wie wir im Winter erfahren haben), nur der Zeitpunkt seines Abschiedes aus Hamburg ist noch unklar. Möglicherweise schon in diesem Sommer, spätestens aber im Sommer 2020 wird er von der Elbe an die Isar wechseln. Angesichts seiner bisherigen Leistungsdaten wird ihm in der Hansestadt keiner eine Träne nachweinen, wenn er schon nach dieser Spielzeit seine Koffer packt. 

Jann-Fiete Arp

Gewohntes Bild: Fiete Arp als HSV-Reservist


Wolf will seine Kritik jedoch nicht allein auf Arp beschränken, wenn er sagt: "Wir haben junge deutsche Nationalspieler im Kader. Es ist nicht nur Fiete. Die müssen sich jeden Tag strecken. Wenn man nur dabei ist, aber sonst passiert nicht so viel, dann ist das natürlich ein Problem. Es ist nicht böse gemeint, aber: Besser trainieren hilft meistens, um auch besser zu spielen." Ein Mentalitätsproblem also bei Spielern, die erst am Beginn ihrer (vielversprechenden) Karrieren stehen? Man mag es eigentlich gar nicht glauben, doch die allwöchentlichen (Nicht)-Arbeitsnachweise geben dem Trainer recht. Bleibt zu hoffen, dass sein Appell im Schlussspurt der Liga doch noch irgendwie in den Köpfen der Beteiligten verfängt. Ansonsten könnte ihre Karriere, zumindest die beim HSV, schneller vorbei sein, als man dachte. ​