Die Bild, wieder einmal, hat das Fass aufgemacht. Es geht um das leidige Thema Zeitspiel, in welcher Form auch immer. Torhüter, die fast drei Minuten brauchen bis sie einen Abstoß ausführen. Spieler, die fünf Minuten brauchen, um bei der Auswechslung das Feld zu verlassen. Oder die, die auf einmal schwer verletzt auf dem Boden liegen und nach eingehender ärztlicher Untersuchung wieder ganz fidel über den Rasen laufen. Kennen wir alles. Und ist auch so beim gestrigen ​Champions-League-Spiel der ​Bayern in Liverpool passiert. Alles ganz normal. Wenn Trainer Nico Kovac (47) das Ganze nicht auch noch kommentiert hätte - das ist der eigentliche Hammer an dieser Sache.


Gegenüber Sky erklärte der Trainer nach dem Spiel freimütig: "Wir wissen alle wie es ist, es ist kurz vor Ultimo, da versucht man ein bisschen Zeit zu schinden. Javi (Martinez) hat gute Laufleistungswerte, der kann gar keinen Krampf haben. Das ist alles ein bisschen gespielt. In Berlin hatten wir auch den King (Coman), der sich dann urplötzlich einen Krampf reingezogen hat, aber es war gar keiner." 

Wow, man weiß gar nicht, worüber man sich mehr wundern soll - über die heuchlerische Frage der Bild, ob das denn "wirklich fair" sei oder "einfach nur clever" oder über die - mit Verlaub - Naivität des (immer noch jungen) Trainers Nico Kovac, ohne Not sich dem Verdacht des Schmierenkomödianten auszusetzen. Mehr als das: den Verdacht auch noch zu bestätigen. 


Manchmal ist einfach besser den Mund zu halten. Oder wie es Mark Twain formulierte: "Manchmal ist es besser, den Mund zu halten und für doof gehalten zu werden, als den Mund aufzumachen, und den Verdacht zu bestätigen." Wahrscheinlich bedauert der Kroate jetzt schon seine Worte. Aber seit gestern stehen sie nun mal im öffentlichen Raum, und sie werden bei jeder sich bietenden Gelegenheit zitiert werden. Ein Anfängerfehler des Nico Kovac, den man von ihm eigentlich nicht erwartet hätte. ​