Nein, wahrscheinlich werden sie ihm es nicht mehr abgewöhnen können beim HSV. Klaus-Michael Kühne (81), milliardenschwerer Logistik-Unternehmer und im Zweitberuf Geldbeschaffungsinstitut des ​Hamburger SV, mag den öffentlichen (und manchmal lauten) Auftritt. Obwohl er sonst ausgiebig davon spricht, gerne im Hintergrund zu bleiben. Gegenüber der Sportbild hat er jetzt mal wieder zum verbalen Rundumschlag ausgeholt - aber was können die HSV-Bosse schon dagegen tun?


Als man ihn seinerzeit ins Boot holte, konnte man eigentlich schon ahnen, dass er es nicht beim abnickenden und spendablen Gute-Laune-Opa belassen würde. Kühne ist ein streitbarer Mensch. Das ist an sich auch gar nichts Verkehrtes. Vielmehr wohl auch die Grundlage seines Erfolges. Problematisch wird es, wenn er dabei die Belange des HSV beiseite schiebt und das Image des Vereins, den er ja nach eigenen Angaben unterstützen will, beschädigt. Was wohl Präsident Janssen zu den neuesten Äußerungen des Investors sagt...


Im Kern ging es diesmal um die Personalie Fiete Arp und dessen vor Kurzem bestätigten Wechsel zum FC Bayern (entweder diesen Sommer oder nächsten). Substantiv Neues hat Kühne nicht vorgetragen. Dass es die HSV-Fancommunity, der ganze Verein, bedauert, wieder ein vielversprechendes Talent ausgerechnet an die Münchener Konkurrenz zu verlieren - geschenkt. Brauchen wir nicht drüber reden. Kühne macht es trotzdem. Und "nutzt" dabei immer auch die Gelegenheit, den HSV in einer bestimmten Weise vorzuführen. 


Die Beispiele aus der Vergangenheit sind zahlreich: Von "warum die Luschen (gemeint war Lasogga) immer hier (beim HSV) hängenbleiben" bis "Drittliga-Manager" (über Oliver Kreuzer) - selbst wenn er teilweise im Kern sogar recht haben könnte, ist es aus marktstrategischen Gründen nicht einfach nur doof, so daherzuschwafeln, sondern erfüllt eigentlich schon den Tatbestand des Schwachsinns. Der Schaden, der daraus resultieren kann, ist ja schließlich auch seiner (falls er denn an einer Rückzahlung der von ihm gewährten Darlehen überhaupt interessiert ist). 


Krasse Fehlentscheidung ein Talent wieder an den "Bayern Feind" zu verkaufen


Jetzt also über Arp (und die ​Bayern). "Ich halte es für eine krasse Fehlentscheidung, ein Talent schon wieder an den "Bayern Feind" zu verkaufen." Vielleicht fehlt ihm aber auch einfach nur die nötige Expertise, um die Hintergründe solcher Transfers zu verstehen. Wo genau liegt denn der Fehler des HSV? Wenn jemand bislang in einer Hundehütte auf einem Industriegebiet gewohnt hat und plötzlich eine schöne Villa mit Meerblick angeboten kriegt, möchte ich den sehen, der dieses Angebot nicht annimmt. 


Wenn überhaupt, hätte man Arp wohl nur über das Finanzielle für den HSV begeistern können. Doch da kam von Kühne ja auch nichts. Also, guter Mann, erstmal nachdenken, dann reden. Zwar bekamen auch die Bayern scheinbar ihr Fett weg ("Die haben nichts Besseres zu tun, als anderen Bundesliga-Vereinen die besten Spieler und Talente zu Höchstpreisen abzunehmen"), doch abgesehen davon, dass das schon seit den Achtziger Jahren so läuft, steckt auch hier wieder ein kleiner Fehler drin, der auf fehlende Fachkenntnis des Milliardärs hinweist. 


Denn Höchstpreise bezahlen die Münchener eben gerade nicht immer. So wie im Fall Arp wieder unter Beweis gestellt: drei Millionen Euro überweisen sie nach Hamburg (mit eventuellen Boni werden es vielleicht fünf) - angesichts der sonst heutzutage gezahlten Summern, ist das eigentlich ein Witz. Der einzig halbwegs brauchbare Satz war dann der, dass abzuwarten sei, ob Arp wirklich ein derart guter Spieler ist oder nur ein "ewiges  Talent". Doch Kühne wäre nicht Kühne, wenn er dem nicht unmittelbar einen weiteren Hieb gegen den HSV hätte folgen lassen: "Der HSV ist wieder einmal zu kurz gesprungen." Und Herr Kühne leider wieder über das Ziel hinaus geschossen. ​