Aus 27 mach 23: Das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft für die WM in Russland steht. Vier Spielern musste Bundestrainer Joachim Löw die bittere Nachricht mitteilen. Bernd Leno, Jonathan Tah, Leroy Sané und Nils Petersen haben kein Ticket für die Mission Titelverteidigung erhalten.


Bundestrainer Joachim Löw hat am Montagvormittag seinen endgültigen WM-Kader bekanntgegeben. Von den 27 Spielern, die sich im Trainingslager in Eppan auf die Mission Titelverteidigung in Russland vorbereiten, müssen vier den bitteren Heimweg antreten. Bis zwölf Uhr hatte der DFB Zeit, den 23-Mann-Kader beim Weltverband FIFA einzureichen.


Klar war, dass es einen der vier Torhüter erwischen würde. Zwei Tage nach dem enttäuschenden Auftritt bei der 1:2-Niederlage gegen Österreich war die Frage, ob Leverkusens Bernd Leno oder Kevin Trapp von Paris Saint-Germain als Nummer drei mit nach Russland fahren würde. Manuel Neuer hatte bei seinem persönlichen Härtetest am Samstag gezeigt, dass er fit genug ist, um bei der WM zwischen den Pfosten stehen zu können. "Er hat nach dem Spiel keine Probleme gehabt mit seinem Fuß", erklärte Löw nach der Niederlage von Klagenfurt. "Man hat ihm die lange Pause nicht angemerkt", freute sich der Bundestrainer.


Neuer fit: Löw und Köpke streichen Leno


Am Sonntag ging es für ihn und sein Trainer-Team in die endgültige Auswertung der Tage in Südtirol. Hinter Neuer und Marc-André ter Stegen hat sich Löw in Abstimmung mit Torwarttrainer Andreas Köpke für Kevin Trapp entschieden. Damit muss der Noch-Leverkusener die vorzeitige Heimreise antreten. Der sechsfache Nationalspieler stand zuletzt beim WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan zwischen den Pfosten. Bei der Auftaktpartie des Confed-Cups im Vorjahr hatte Leno gegen Australien keine gute Figur abgegeben. Möglicherweise gab das am Ende den Ausschlag zugunsten von Kevin Trapp.


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Bernd Leno (r.) ist der Verlierer im Torwart-Duell um die Nummer-drei-Postion bei der WM


Bei den drei Feldspielern entschloss sich der Bundestrainer, einen Abwehrspieler und zwei  Stürmer zu streichen. In der Defensive erwischte es Jonathan Tah. In der Offensive strich Löw Freiburgs Nils Petersen und völlig überraschend Leroy Sané.


Löw setzt auf Variabilität - und streicht Tah


In der Abwehr entschied sich Löw, auf Leverkusens Jonathan Tah zu verzichten. Der 22-Jährige kam beim Test gegen Österreich nicht zum Einsatz und darf wohl aus zwei Gründen nicht mit zur WM reisen: Zum einen war Tah im Saisonendspurt verletzt, weshalb ihm etwas die Spielpraxis fehlen dürfte. Der Hauptgrund ist aber wohl, dass mit Mats Hummels, Antonio Rüdiger, Niklas Süle und Matthias Ginter vier weitere Innenverteidiger im Aufgebot stehen. Jerome Boateng scheint ebenfalls rechtzeitig fit zu werden. Dann wären Hummels und Boateng gesetzt, Süle stand nach seiner starken Debüt-Saison bei den Bayern ebenfalls nicht zur Disposition. Rüdiger und Ginter können im Gegensatz zu Tah auch als Außenverteidiger eingesetzt werden.


Während die Nicht-Nominierung von Tah erwartet worden war, kommt das Aus von Leroy Sané als Sensation daher. Der Offensivspieler hatte bei Manchester City eine überragende Saison gespielt und maßgeblichen Anteil am souveränen Premier-League-Gewinn. Dass Löw auf die Qualitäten des Dribbelkünstlers verzichtet, ist daher völlig überraschend.


Debütant Petersen muss gehen


Für den Freiburger Nils Petersen war allein schon die Nominierung für den vorläufigen Kader ein toller Erfolg. Der 29-Jährige durfte gegen Österreich seine Länderspielpremiere feiern. Auch aufgrund der schlechten Teamleistung konnte er sich aber nicht entscheidend in Szene setzten. Mit dem gesetzten Timo Werner und Mario Gomez als Strafraumstürmer entschied sich der Bundestrainer nun für altbewährtes Personal - und für nur zwei statt drei echte Spitzen in Russland.