4. Bundesliga-Spieltag in der Vorschau: Baden-Derby und Neuauflage vom Pokalfinale

Das Baden-Württemberg-Derby verspricht Spannung - letztes Mal setzte sich Hoffenheim durch. Ereleta Memeti (links) spielt jetzt für Hoffenheim
Das Baden-Württemberg-Derby verspricht Spannung - letztes Mal setzte sich Hoffenheim durch. Ereleta Memeti (links) spielt jetzt für Hoffenheim / Alexander Scheuber/GettyImages
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Nach der Länderspielpause ist vor der Bundesliga: Nach einigen Testspielen und Playoffs geht die Frauen-Bundesliga mit dem vierten Spieltag weiter. Das Baden-Württemberg-Duell zwischen der TSG Hoffenheim und dem SC Freiburg ist das Topspiel des Spieltags, zudem gibt es eine Neuauflage des Pokalfinales.


Der Spieltag in der Übersicht

Freitag, 14.10.2022, 19:16 Uhr: TSG Hoffenheim – SC Freiburg
Samstag, 15.10.2022, 13:01 Uhr: Turbine Potsdam – VfL Wolfsburg
Sonntag, 16.10.2022, 13:01 Uhr: Bayer 04 Leverkusen – SV Meppen
Sonntag, 16.10.2022, 13:01 Uhr: Bayern München – 1.FC Köln
Sonntag, 16.10.2022, 16:01 Uhr: SV Werder Bremen – MSV Duisburg
Sonntag, 16.10.2022, 16:01 Uhr: SGS Essen – Eintracht Frankfurt

TSG Hoffenheim - SC Freiburg

Das Baden-Derby steht vor der Tür, und das mit unterschiedlichen Vorzeichen: Der SC Freiburg reist mit sechs Punkten im Gepäck in den Norden und will erneut mutig auftreten. Unter der neuen Trainerin Theresa Merk ist die Defensive zwar nicht immer sattelfest, aber nach vorne hat der SC neuen Schwung entwickelt. Unterhaltsam waren Freiburgs Spiele bisher allemal. Das war auch Freiburgs Vorbereitungsspiel gegen Hoffenheim, das sie kurz vor Saisonbeginn mit 6:2 für sich entscheiden konnten. Auch ansonsten ist es ein Duell, in dem Tore garantiert sind: In den letzten acht Spielen fielen durchschnittlich 4,75 Treffer.

Die meisten davon nicht für Freiburg: Die Südbadenerinnen konnten seit vier Jahren keinen Bundesliga-Punkt mehr gegen die TSG holen. Ein gutes Omen für Hoffenheim, das am letzten Spieltag gegen Meppen den ersten Saisonsieg eingefahren hat und die zwei anfänglichen Niederlagen vergessen machen will. So richtig ist Gabor Gallais Team aber auch gegen Meppen noch nicht in Tritt gekommen. Die Offensivspielerinnen zeigten schon einige gute Kombinationen, aber Mittelstürmerin Nicole Billa hing bisher noch viel in der Luft. Zudem besteht beim Spielaufbau noch Luft nach oben, der TSG fehlten teilweise die Ideen. Angesichts zweier schlagkräftiger Offensiven könnte sich ein unterhaltsames Spiel ergeben, für Hoffenheim könnte sich mit Ereleta Memeti eine Ex-Freiburgerin in die Torschützenliste eintragen. 

Turbine Potsdam - VfL Wolfsburg

Sara Agrez
Von Potsdam nach Wolfsburg gewechselt: Sara Agrez / Lukas Schulze/GettyImages

An das letzte Aufeinandertreffen wird sich Wolfsburg noch mit Freude erinnern, Potsdam eher weniger: Die beiden Klubs trafen in Köln zum Pokalfinale aufeinander, es war eine recht eindeutige Gelegenheit für Wolfsburg. Wie so oft bei den neueren Duellen der beiden Vereine, auch in der Bundesliga gewann der VfL zweimal mit 3:0. Die Pokalfinal-Niederlage war auch ein trauriger Abschied für gleich 14 Spielerinnen, die nach der Saison Brandenburgs Hauptstadt verließen. Unter anderem Kapitänin Sara Agrez, die jetzt für den Double-Sieger aufläuft. Turbine sind die Abgänge anzumerken, das Team wartet noch auf den ersten Sieg. Immerhin: Die Leistung beim 2:4 gegen Köln war ein Schritt nach vorne im Vergleich zu den ersten Spielen.

Trotzdem hat Potsdam gegen Wolfsburg wohl eher schlechte Chancen auf einen Punkt. Das Wolfsrudel zeigte sich gegen Leverkusen von seiner gnadenlosen Seite und fegte die Rheinländerinnen mit 6:1 vom Platz. Dabei demonstrierten sie erneut die, aus Gegnersicht, angsteinflößende Kaderbreite im Sturm. Gegen ermüdete Verteidigerinnen noch eine Sveindis Jonsdottir (Doppelpack gegen Leverkusen) bringen zu können, ist ein Luxus, den sich kaum ein weiterer Bundesligist leisten kann. 

Bayer 04 Leverkusen - SV Meppen

Bayer 04 Leverkusen war schon letzte Saison die Wundertüte der Bundesliga, und es spricht einiges dafür, dass sich das nicht so schnell ändern wird. Die Werkself schwankt zwischen defensiver Instabilität und gutem Pressing, zwischen schönen offensiven Kombinationen und Berechenbarkeit. Dem neuen Trainer Robert de Pauw ist es noch nicht gelungen, diese schwankenden Leistungen zu stabilisieren - dafür gelang bereits der Derbysieg gegen Köln, der ja sowieso das Wichtigste am Rhein ist. Jill Bayings hatte mit einem schönen Distanzschuss einen großen Anteil daran, die Niederländerin traf bisher in jedem Spiel. Außer ihr aber noch niemand, Leverkusen vermisst die verletzte Milena Nikolic. Aber auch defensiv waren beim 1:6 gegen Wolfsburg einige Mankos zu sehen.

Auch Meppen würde eine kaltschnäuzige Sturmspitze guttun, die Emsländerinnen warten noch auf ihren ersten Bundesliga-Sieg. Dabei waren schon einige gute Ansätze zu sehen, aber Meppen ging zu verschwenderisch mit den Torchancen um - als Aufsteiger eine Sünde. Vielleicht ändert sich das am Samstag - zumindest ist es ein guter Moment für den SV, um auf Leverkusen zu treffen. Bayer könnte sich aber auch wieder von seiner unberechenbaren Seite zeigen und einen souveränen Sieg einfahren.

Bayern München - 1. FC Köln

Bei Bayern wächst langsam etwas zusammen, in den letzten Spielen waren die Ansätze des neuen Trainers Alexander Straus bereits sichtbar. Straus zeigte sich auch nach dem komfortablen Sieg gegen Duisburg selbstkritisch und bemängelte die Chancenverwertung seines Teams, aber Bayern hatte sich die Möglichkeiten schön herausgespielt. Die großen Härtetests stehen für München aber noch aus - in die Kategorie fällt auch das Duell gegen Köln nicht. 

Weronika Zawistowska
Weronika Zwaistowska ist von Bayern an Köln ausgeliehen / Lukas Schulze/GettyImages

Der Effzeh kann phasenweise mit den Großen mithalten, aber es fällt ihnen noch schwer, das gesamte Spiel zu kontrollieren, die Cleverness fehlt in einigen Situationen. So analysierte auch Mittelfeldspielerin Sarah Puntigam nach der letzten Partie gegen Potsdam, dass ihr Team im Spielaufbau nicht intelligent genug gewesen sei und den Platz zwischen den Potsdamer Ketten besser ausnutzen hätte können. Falls das gelingt, kommt der Ball oft auf Weronika Zawistowska - die polnische Nationalspielerin war in den ersten Spielen sehr präsentiert und ist vom FC Bayern ausgeliehen.

SV Werder Bremen - MSV Duisburg

Wären wir schon im Saisonendspurt, würde dieses Duell vermutlich als Sechspunktespiel im Kampf gegen den Abstieg bezeichnet. Für Bremen und Duisburg geht es hauptsächlich darum, die Klasse zu halten. Dabei konnte der MSV schon ein erstes Ausrufezeichen setzen: Überraschend gewannen die Zebras mit 3:0 gegen Potsdam. Falls Duisburg offensiv an diese Leistung anknüpfen kann, bestehen reelle Chancen auf den Klassenerhalt. In jedem Fall kann Niko Schnecks Team daraus Selbstvertrauen für die anstehenden Aufgaben schöpfen. 

Die Offensive ist auch bei Werder das Manko, genau wie letzte Saison tun sich die Grün-Weißen schwer, Tore zu erzielen. Defensiv steht Bremen weiterhin so solide wie ein Nordsee-Damm, aber der Angriff erinnert weniger an eine Sturmflut als an eine kleine Welle. Vielleicht kommt da ein Aufeinandertreffen mit Duisburg zum richtigen Zeitpunkt: In zwei der drei letzten Partien konnte Werder gleich fünf Treffer gegen diesen Gegner erzielen - mehr als die Hälfte der gesamten Torausbeute in der letzten Saison (neun Treffer). 

SGS Essen - Eintracht Frankfurt

Stina Johannes
Stina Johannes will gegen ihren alten Verein den Kasten zauberhaften / Sebastian Widmann/GettyImages

Dafür, dass Frankfurt gegen Essen nicht neun Treffer kassiert, ist Stina Johannes verantwortlich. Die Frankfurter Torhüterin ist bei der SGS gut bekannt, sie spielte vor einem kurzen Japan-Aufenthalt zwei Saisons für Essen. Einen ähnlichen Weg (aber ohne Japan-Umweg) nahm Mittelfeld-Talent Carlotta Wamser, die sich ebenfalls im Sommer der Eintracht anschloss. Frankfurt hat bisher noch keine Niederlage einstecken müssen und hat gegen Essen gute Chancen, dass das so bleibt.

Aber die SGS ist keine Laufkundschaft, die letzten Spiele waren eng umkämpft. Wie jede Saison geht das Team von Markus Högner mit vielen Talenten in die Saison, auch 17-Jährige können sich im Ruhrgebiet einen Stammplatz erarbeiten. Allerdings musste Essen zuletzt eine Lehrstunde hinnehmen, gegen Freiburg stand es nach 45 Minuten 0:5. Högner zeigte sich von der ersten Halbzeit enttäuscht, danach zeigten seine Spielerinnen aber, dass sie es besser können und schossen noch zwei Tore. Auch gegen Frankfurt werden sich die Essenerinnen nicht verstecken und mutig mitspielen. Vielleicht kommt ihnen dabei die Reisemüdigkeit der Frankfurt-Spielerinnen, die mit den Nationalteams unterwegs waren, zugute.


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