Mit der abgelaufenen Saison ist bei Borussia Mönchengladbach kaum ein Fan zufrieden. Dementsprechend gab es in den letzten Monaten viele Stimmen, die einen Trainerwechsel forderten. Es kam bekanntlich anders: Zwar wurde im Trainerteam einiges verändert, doch Eugen Polanski erhält eine neue Chance und darf das Team in der laufenden Vorbereitung nach seinen Wünschen und Vorstellungen einstellen.
"Ich war ganz entspannt, weil ich nicht in der Warteschleife war. Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was in der Öffentlichkeit kursiert und dem, was intern besprochen wird. Die Zusammenarbeit und Kommunikation mit Rouven Schröder war immer offen und ehrlich. Ich wurde in die Gespräche zu neuen Spielern und den Änderungen im Trainerteam voll einbezogen, daher hätte es mich am Ende überrascht, wenn es anders gekommen wäre", sagte Polanski im Interview mit der RP.
Polanski über Ausmaß der Kritik "verwundert"
Dass er in der Öffentlichkeit bzw. in den Sozialen Medien derart viel Kritik einstecken musste, hatte er im Voraus nicht erwartet, gestand der Gladbach-Coach. Zwar gehöre Kritik zum Geschäft, "egal ob positiv oder negativ". Aber: "Ich war schon verwundert, wie schnell das im Fußball alles geht, wie die Kritik zustande kommt und wer sie publiziert."
"Ich würde lügen, wenn ich sage, dass sie mich gar nicht mitgenommen hat", führte Polanski aus. "Aber ich habe gelernt, damit umzugehen und zu wissen, von wem ich Kritik annehmen kann. Ehrliche Kritik kommt aus dem innersten Kreis. Ich tue 24/7 alles dafür, dass wir erfolgreich sind."
Erfolgreich sein – das war seit Polanskis Ankunft ehrlicherweise kaum der Fall. Dennoch wollte der 40-Jährige unterstreichen, dass er die Zielvorgabe in seiner ersten Saison erfüllt habe: "Als ich kam, war klar: Wir dürfen nicht absteigen. Wir sind Zwölfter geworden, aber trotzdem war für viele rund um Borussia gefühlt alles negativ", monierte er.
Platz zwölf hat der Deutsch-Pole auch für die neue Saison als Minimalziel ausgerufen. Das bedeutet aber nicht, dass Polanski mit der Borussia nicht höher hinaus will: "Ich sage, dass Platz zwölf das Minimalziel ist. Und dass ich alles dafür tue, das Maximale herauszuholen, und das kann dann auch gerne ein noch besserer Platz sein. Wir brauchen nicht darüber reden, dass wir maximal ambitioniert sind."
Wie Polanski sich den Borussia-Fußball vorstellt
Damit das gelingt, soll das Spiel der Fohlenelf vor allem "deutlich vertikaler" werden, verriet der Trainer. "Über Steil-Klatsch-Situationen, über das Andribbeln in die Tiefe, das Erkennen von Räumen oder das Schaffen von Überzahlsituationen. Wir müssen Fußball spielen, Torchancen kreieren und Dinge aushalten können."
"Wir müssen zu uns selbst unangenehm sein, um für den Gegner unangenehm zu sein. "Eugen Polanski
"Wir haben es in der vergangenen Saison nicht geschafft, in beiden Strafräumen besser zu sein als der Gegner. Da müssen wir in den entscheidenden Momenten das Richtige tun", forderte Polanski klipp und klar. "Wir wollen im Spielaufbau variabel sein. Das kann ein Dreieraufbau sein, aber genauso ein Aufbau mit zwei Innenverteidigern und der Viererkette. Die Passrichtung muss besser werden. Wir spielen noch sehr viele Querpässe und geben dem Gegner dadurch Druckmöglichkeiten."
Allein damit ist es aber nicht getan, denn Polanski sieht die Basis nicht in fußballerischen Parametern: "Wir müssen zu uns selbst unangenehm sein, um für den Gegner unangenehm zu sein. In der Vorbereitung und im Training müssen wir über Grenzen gehen, Muskelkater haben und uns die Meinung sagen, um in den Flow zu kommen und am Wochenende zu punkten. Ballbesitz allein ist weder erfolgreich noch nicht erfolgreich."
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