Polanski-Effekt in Gladbach bereits verpufft? - Abwärtstrend auch statistisch deutlich
Von Yannik Möller

In der bisherigen Saison hat Borussia Mönchengladbach bereits mehrere Trendwenden vollzogen. Zunächst deutete alles auf einen frühen Abstiegskampf hin, ehe sich die Resultate mit dem Trainerwechsel hin zu Eugen Polanski stabilisierten. Zuletzt jedoch rutschte die Fohlenelf wieder ab.
Provokant könnte man also fragen: Ist der Polanski-Effekt bereits verpufft und der Abstiegskampf nun doch wieder gelebte Realität?
Zunächst gilt festzuhalten: Komplett raus aus dem Rennen um den Klassenerhalt war die Borussia in dieser Saison nie. Zu schwach war der Start in die Saison unter Gerardo Seoane, als dass das enge untere Tabellenmittelfeld bereits Sicherheit bieten könnte. Selbst jetzt, wo der zwölfte Tabellenplatz nach zwar grauem, aber doch ruhigen Mittelfeld klingt, sind es lediglich drei Pünktchen Vorsprung auf den Relegationsplatz.
Gladbach tut sich in der Offensive weiterhin schwer
Ein Blick auf die genaueren Statistiken, die für das Spiel der Borussia so wichtig sind, zeigt: Nach einem zwischenzeitlichen Aufwärtstrend, hin zu einer gewissen Stabilisierung, gibt es zurzeit wieder eine recht sorgenvolle Entwicklung.
Dabei geht es beispielsweise um die Torgefahr. Laut dem Statistik-Portal football match reports streamlit, das sich auf die Daten von Opta bezieht, entwickelte Gladbach zwischenzeitlich sogar einen außergewöhnlich guten Trend: Im Laufe des Novembers lag der durchschnittliche 'open play xG'-Wert nicht nur über dem eigenen, sondern auch über dem Liga-Durchschnitt. Zuletzt zeigte die Kurve jedoch wieder nach unten.
Die ohnehin schon schwache Defensive wird zuletzt noch schwächer
Viel deutlicher wird die aktuelle Schwäche aber in der Defensive. Die Torgefahr, welche die Borussia den Gegnern ermöglicht und zulässt, hat über die letzten Wochen deutlich zugenommen. Der Durchschnitt am 'open play xGA'-Wert liegt zurzeit deutlich über dem eigenen und dem Liga-Average.
Es wird den gegnerischen Mannschaften also viel zu einfach gemacht, sich viele und auch gute Torchancen zu erspielen - und dabei sind die Standardsituationen sogar noch ausgenommen. Ebenfalls nicht zu vergessen: Mit Moritz Nicolas hat Gladbach sogar noch einen Keeper, der viele dieser Chancen vereitelt. Laut fbref hat er die zweitmeisten Schüsse auf sein Tor aller Bundesliga-Torhüter bekommen und dabei die höchste Anzahl an Saves sowie die sechstbeste Quote an Saves zur Anzahl an Schüssen auf den eigenen Kasten. Ohne Nicolas wäre die Fohlenelf defensiv also noch deutlich schwächer.
Auch der vergleichsweise noch recht neue Wert des 'expected Threat against', eine Metrik zur Betrachtung der eigenen Defensivarbeit, pflichtet dieser Entwicklung bei: Polanski muss die Defensive wieder stabilisiert bekommen.
Hier gilt zu betonen: Der eigene Borussia-Durchschnitt liegt bereits über dem Liga-Durchschnitt. Konkret bedeutet das, dass die Abwehrarbeit ohnehin schon schwächer ausfällt, als bei den meisten anderen Erstligisten - kein gutes Zeichen. Doch ausnahmslos jedes einzelne der letzten vier Spiele liegt in seinem xTA-Wert über dem eigenen Schnitt, teilweise sogar deutlich. Die generell schon vergleichsweise schwache Defensive bröckelt also nur noch mehr.
Gladbach-Rückfall: Polanski muss erneut zur Achterbahnfahrt ansetzen
Es ist also weder nur an den Ergebnissen festzumachen, noch bloß ein Gefühl, dass die Borussia zurzeit wieder dem Abstiegskampf entgegen taumelt. Die eigene Offensive wird ungefährlicher und ist damit vermehrt auf eine sehr hohe Effizienz angewiesen, um Tore zu erzielen. Die Defensive wiederum ist noch anfälliger als zuvor und es ist Nicolas anzurechnen, dass es keine regelrechte Gegentor-Flut gibt.
Eine höhere Chance auf Gegentore trifft also aktuell auf eine schwächere Offensive. Eine Kombination, die es äußerst kompliziert macht, Spiele nicht nur nicht zu verlieren, sondern sie auch für sich zu entscheiden. Aktuell muss bei Gladbach viel zusammenkommen, damit einzelne Partien gewinnen werden können. Die Hoffnung liegt also weiterhin eher darauf, dass andere Mannschaften noch schwächer sind, als beim Klassenerhalt auf die eigenen Stärken setzen zu können.
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