Das vorzeitige WM-Aus Deutschlands im Sechzehntelfinale gegen Paraguay ist an vielen Deutschen nicht spurlos vorbeigegangen. Auch Weltmeister Philipp Lahm gehört dazu und findet deutliche Worte am Rande eines Golfturniers in Eichenried am Mittwoch.
WM-Aus sitzt tief bei Lahm
Lahm berichtet, er habe das Spiel am Montagabend zusammen mit seinem Sohn geschaut, "der dann aber ins Bett musste, weil er am nächsten Tag in Französisch eine mündliche Schulaufgabe hatte". Das diesjährige Ausscheiden habe ihn mehr getroffen, als die der vergangenen Jahre.
"Bei mir war es deswegen sehr ruhig, ich war auch sehr nachdenklich. Man wünscht sich natürlich eine Nationalmannschaft lange im Turnier und ich habe mich eigentlich schon auf das Achtelfinale am Samstag gegen Frankreich gefreut. Ich hatte eine riesige Vorfreude und die ist auf einmal weg. Deswegen war es eine unglaubliche Enttäuschung", wird er von der Bild zitiert.
Als Ursache für das Scheitern macht der 42-Jährige die schon seit längerer Zeit fehlende Spielphilosophie aus. "Man braucht eine Idee, wie man agieren will – auf dem Spielfeld, in der Offensive, in der Defensive. Ich glaube, das haben wir schon eine lange Zeit nicht mehr. Diese Entwicklung hat man nicht gesehen, auch im Turnier nicht." Es müsse diskutiert werden, welchen Fußball Deutschland spielen wolle, so Lahm weiter.
Erst Analyse - dann Trainerfrage
Der 113-fache Nationalspieler beendete seine DFB-Laufbahn mit dem gewonnen Finale 2014 gegen Argentinien. Dem vor dem Spiel gegen Paraguay letzten K.o.-Spiel Deutschlands bei einer Weltmeisterschaft. Da dreimal hintereinander nicht das Achtelfinale erreicht wurde, müsse man sich über alle Gedanken machen, sagt Lahm über einen möglichen Rauswurf Julian Nagelsmanns: "Bevor man sich mit dem Trainer beschäftigt, sollte aber analysiert werden, woran wir gescheitert sind, denn es lag nicht daran, dass man in einem Spiel unglücklich ausgeschieden ist. Man sollte sich damit befassen, dass man bei unserer Spielweise nicht den Eindruck hatte, dass wir eine Idee haben."
Der frühere Bayern-Star blickt dabei auch auf andere Nationen: "Wenn ich nach Spanien, Frankreich oder Argentinien schaue, sehe ich, dass sie seit Jahren eine Spielweise haben. Diese Klarheit in unserem Spiel, in der Formation und bei den Positionen hat uns immer sehr, sehr gutgetan in Deutschland und die brauchen wir." Ob er Nagelsmann zukünftig auf der Trainerbank, lässt er offen: "Und danach muss man sich entscheiden, ob der Trainer oder das Trainerteam dafür das richtige ist und ob man den Weg mit ihnen gehen kann."
Vorerst kein Engagement beim DFB
Selbst eine Rolle bei diesem Prozess zu spielen, schließt Lahm vorerst aus. Auf Bild-Nachfrage: "Ich habe aktuell so viele tolle Aufgaben. In erster Linie habe ich natürlich eine Familie, mit der ich viel Zeit verbringe. Ich bin Unternehmer, ich berate den VfB Stuttgart, spiele Golf, betreibe meine Stiftung. Aktuell bin ich also nicht auf der Suche nach irgendeiner Aufgabe. Man sollte nie etwas ausschließen, das ist ja außer Frage. Aber aktuell passt mein Leben so, wie es ist."
