Noch mehr VAR, weniger Zeitspiel: Große Regel-Revolution zur neuen Saison
Von Fabian Küpper

Zeitspiel ist so alt wie der Fußball selbst. Es ist das beliebteste Mittel, um eine knappe Führung über die Zeit zu bringen. Dass darunter die Attraktivität des Spiels leidet, ist den Vereinen dabei relativ egal, Fußball ist und bleibt schließlich ein Ergebnissport.
Dem International Football Association Board (IFAB) ist das allerdings nicht egal. Das Gremium ist für die offiziellen Fußballregeln verantwortlich und hat am Samstag bei seiner Jahreshauptversammlung sechs neue Regeländerungen beschlossen, von denen ein Großteil dem Zeitspiel den Kampf ansagt.
Weniger Unterbrechungen
Zum einen wird es ab der neuen Saison nicht mehr nur bei Torhüter-Abschlägen und -Abwürfen einen Countdown geben, sondern auch bei Einwürfen und Abstößen. Zur Erinnerung: Aktuell dürfen Keeper den Ball nur acht Sekunden in der Hand halten. Überschreiten sie diese Zeit, gibt es Eckstoß für den Gegner.
Neben den Einwürfen und Abstößen werden auch die Auswechslungen schneller. In Zukunft haben Spieler nur noch zehn Sekunden Zeit, um das Feld zu verlassen. Brauchen sie länger, kann der Einwechselspieler erst bei der nächsten Spielunterbrechung aufs Feld kommen – bis dahin spielt das Team also in Unterzahl.
Und auch bei Verletzungsunterbrechungen werden neue Wege gegangen. In Zukunft muss ein Spieler, der behandelt wurde, mindestens eine Minute warten, bis er wieder auf den Platz zurückkehren darf. So will das IFAB verhindern, dass sich Akteure nur behandeln lassen, um Zeit zu schinden. Gleichzeitig soll durch diese Anpassung auch der zeitliche Druck von der Behandlung selbst genommen werden.
Größerer Einfluss für den VAR
Die letzten drei Regeländerungen betreffen allesamt den VAR. Dieser kann in Zukunft unter anderem eine Gelb-Rote Karte korrigieren – allerdings nur, wenn die zweite Verwarnung eine klare Fehlentscheidung war. Verpasst der Schiedsrichter eine klare Ampelkarte, darf der VAR wie bisher nicht eingreifen.
Zudem darf der VAR falsche Eckenentscheidungen korrigieren – allerdings immer vorausgesetzt, dass vorausgesetzt, der falsch gegebene Eckball wird direkt vom VAR erkannt und vom Schiedsrichter korrigiert, ohne dass eine wesentliche Verzögerung entsteht. Der VAR soll also nicht jeden Eckstoß überprüfen.
Zu guter Letzt bekommt der VAR auch noch mehr Befugnisse bei einer Spielerverwechslung. Bisher durfte er nur eingreifen, wenn Spieler aus derselben Mannschaft bei der Bestrafung verwechselt wurden. Künftig darf der virtuelle Schiedsrichter auch eingreifen, wenn ein Spieler der falschen Mannschaft versehentlich sanktioniert wurde.
Ob die Änderungen, wie gemutmaßt, auch schon bei der anstehenden WM zum Einsatz kommen, ist allerdings noch offen – bislang ist lediglich von der "nächsten Saison" die Rede.
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