Woltemade geht mit dem Newcastle-Wechsel ein großes Risiko ein
Von Felix Roche

Das kam dann doch sehr überraschend. Als alle dachten, Nick Woltemade würde nach den intensiven Transfer-Bemühungen des FC Bayern doch beim VfB Stuttgart bleiben, ließ Sky die Bombe platzen: Nick Woltemade steht kurz vor einem Wechsel zu Newcastle United. Dass der VfB Stuttgart den Nationalspieler inzwischen freigestellt hat und er schon beim Medizincheck in England war, ist ein Anzeichen dafür, dass der Wechsel auch wirklich über die Bühne gehen wird.
Darauf stellt sich aber die Frage: Warum macht Nick Woltemade das? Warum wechselt der Stürmer zu Newcastle United, einem Verein, der sich diese Saison erst zum insgesamt vierten Mal für die Champions League qualifiziert hat?
Auch Christoph Freund, Sportdirektor beim FC Bayern, sieht im Scheich-Klub nur "einen guten Verein, aber nicht die oberste Kategorie". Auch wenn in dieser Aussage etwas Neid und Frust über den geplatzten Woltemade-Wechsel zum FC Bayern stecken dürften, ist dort doch auch ein bisschen Wahrheit drin.
Ist Newcastle europäische Spitze?
Zwar ist der Anspruch in Newcastle seit der Übernahme von Scheichs aus Saudi-Arabien in 2021 gestiegen, absolute Top-Spieler sucht man im aktuellen Kader bis auf Alexander Isak vergebens - und der Schwede wäre aktuell ja auch lieber in Liverpool.
Da hätte Woltemade doch auch in Stuttgart bleiben können. Eine wirkliche Verbesserung ist der Wechsel nach Newcastle trotz Champions-League-Fußball nicht und bei einem Wechsel in ein neues Umfeld besteht auch immer das Risiko, dass der Spieler dort nicht so gut performen kann wie im alten Verein. Vor allem wenn der Spieler, wie Nick Woltemade, zwar hochtalentiert ist, aber eben auch erst maximal ein gutes Jahr gespielt hat. Zu Beginn der letzten Saison hatten die Stuttgarter den Stürmer nicht mal für die Champions League gemeldet.
Geht Woltemade wegen des Geldes?
Warum bleibt Woltemade nicht in seinem bekannten Umfeld und entwickelt sich dort weiter? In Stuttgart kann er ja auch international spielen und wenn man Jamie Leweling fragt, sogar die Europa League gewinnen. Der Trainer vom FC Bayern, Vincent Kompany, hat darauf eine einfache Antwort: "Money", sagte der Belgier auf die Frage, warum Spieler wie Woltemade und Wirtz lieber nach England gehen.
Zwar dürfte Kompany die Aussage nicht ganz ernst gemeint haben und trotzdem bleibt die Frage offen. In Stuttgart hätte Woltemade bis zur Weltmeisterschaft im gewohnten Umfeld spielen, performen und sich weiterentwickeln können. Ob das auch in England so funktioniert, ist auf jeden Fall ein Risiko.
Stuttgart hat alles richtig gemacht
Auch wenn der Wechsel für Nick Woltemade ein Risiko ist, können sich die Stuttgarter Verantwortlichen auf die Schulter klopfen. Dass sie für einen Spieler, der vor einem Jahr noch ablösefrei kam, 85 Millionen Euro plus Boni bekommen werden, liegt vor allem an ihrer Verhandlungsgeschicklichkeit. So manch anderer Verein hätte Nick Woltemade wahrscheinlich schon beim ersten Angebot der Bayern verkauft. Jetzt dürfen sich die Schwaben über diese "marktfremde" Summe (O-Ton Woltemade-Berater Danny Bachmann) freuen.
Bayern geht als Verlierer hervor
Dass der FC Bayern aus diesem Transfer-Wahnsinn als Verlierer geht, dürfte inzwischen klar sein. Als deutscher Branchen-Primus haben sie eigentlich den Anspruch, die besten Bundesliga-Spieler in ihren eigenen Reihen zu haben. Das hat in diesem Sommer mit Florian Wirtz und Nick Woltemade gleich zweimal nicht geklappt. Zwar ist die Ablösesumme für Nick Woltemade wirklich etwas "marktfremd" und deswegen ist es auch verständlich, dass die Bayern sie nicht zahlen wollten. Trotzdem haben sich die Bayern durch ihre Transfer-Taktik nicht wirklich clever angestellt.
Auch für den deutschen Fußball ist der Wechsel eine klare Niederlage. Schon wieder wechselt ein hochveranlagter deutscher Nationalspieler lieber auf die Insel als in der Bundesliga zu spielen. Es bleibt zu hoffen, dass sich Woltemade in Newcastle weiter entwickelt und so der DFB-Elf bei der WM im nächsten Jahr helfen kann - das hätte er aber auch als Spieler vom VfB Stuttgart sehr gut machen können.
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