Die Würfel sind gefallen. In der Nacht auf Donnerstag beantwortete Bundestrainer Julian Nagelsmann die brennendste Frage vor dem letzten deutschen WM-Gruppenspiel gegen Ecuador. Weil das DFB-Team schon sicher als Gruppenerster im Sechzehntelfinale steht, war über eine Rotation in der Startelf diskutiert worden.
Allen voran im Fokus: Super-Joker Deniz Undav, der bisher in nur 56 Einsatzminuten fünf Scorer aufgelegt hatte. Viele Beobachter und Fans fordern den Stuttgarter deshalb in der Startelf. Die Bild hatte am Mittwoch sogar vermeldet, dass sich Nagelsmann für diesen Schritt bereits entschieden habe und der 29-Jährige gegen Ecuador beginnen darf. Auch 90min hatte von dieser Entscheidung berichtet.
Warum Nagelsmann kaum rotieren will
Die Infos der Bild haben sich allerdings als unwahr herausgestellt. Auf der abschließenden Pressekonferenz vor dem Spiel (22 Uhr, ARD/MagentaTV) im Final-Stadion von East Rutherford führte Nagelsmann seine Aufstellungs-Pläne aus.
"Deswegen werden wir morgen die Wechsel vornehmen, die wir vornehmen müssen. Sonst werden wir erstmal so ins Spiel gehen, wie die letzten Spiele auch."Nagelsmann zur Startelf gegen Ecuador
"Die berechtigste Frage von allen, dass man darüber diskutiert, ob wir wechseln oder nicht", erklärte der Bundestrainer. "Auch wir im Trainerteam haben viel darüber diskutiert", führte Nagelsmann aus. "Vor der WM war eines der entscheidendsten Themen, dass sich die Mannschaft einspielen muss. Jetzt haben wir zwei Spiele gemacht und es wird diskutiert, wie viel wir wechseln. Da sehe ich nicht diesen tiefen Sinn."
Nagelsmann weiter: "Wir haben noch ein Spiel, das wir gewinnen wollen und auch nutzen wollen, um uns auf die K.o.-Phase vorzubereiten. Mit allem, was dazugehört. Das betrifft Spieler, die beginnen, aber auch Spieler, die eine herausragende Joker-Rolle inne haben. Wie Deniz Undav sie hat. Ich verstehe die Diskussionen, dass sich Deniz in die erste Elf gespielt hat. Das kann man auch unterschreiben. Trotzdem haben wir eine Idee und das haben wir Deniz auch erklärt. Die Entscheidungen treffen wir nicht aus Jux und Dollerei."
Nur Raum und Rüdiger neu in der Startelf
Dann kam der entscheidende Satz des Bundestrainers: "Deswegen werden wir morgen die Wechsel vornehmen, die wir vornehmen müssen. Sonst werden wir erstmal so ins Spiel gehen, wie die letzten Spiele auch."
Konkret bedeutet das, dass hinten links David Raum für den angeschlagenen Nathaniel Brown ins Team rückt. Antonio Rüdiger wird wie erwartet den verletzten Nico Schlotterbeck in der Innenverteidigung ersetzen. Der Rest der Startelf von den ersten beiden Spielen soll gleich bleiben.
Die deutsche Startelf gegen Ecuador
Neuer - Kimmich, Tah, Rüdiger, Raum - Nmecha, Pavlovic - Sané, Musiala, Wirtz – Havertz
Nagelsmann erklärt Undavs Joker-Rolle
"Es kann aber im weiteren Turnierverlauf auch sein, dass er mal beginnt."Nagelsmann über Undav
Der Bundestrainer versuchte auf der PK seine Argumente für das Festhalten an Undavs Joker-Rolle auszuführen. "Er kann uns auch etwas geben, wenn er von Beginn an spielt. Trotzdem glaube ich, dass uns seine extreme Stärke, gerade wenn das Spiel zum Ende etwas aufgeht, hilft, weil er eben ein Finisher ist, den wir sonst nicht so haben", so Nagelsmann.
Und weiter: "Er hat eine unfassbare Gabe die Dinger einfach zu machen. Wir haben sonst viele Spieler, die den Gegner über 70 Minuten mit Druck beschäftigen können und danach so einen Abschlussspieler bringen zu können, hilft extrem."
"Es kann aber im weiteren Turnierverlauf auch sein, dass er mal beginnt." Ob diese Aussage wirklich ernst gemeint ist, wird nur Nagelsmann selbst entscheiden können. So wie er bislang mit Undav umgegangen ist, klingt das eher nach leeren Worthülsen. Bleibt aus deutscher Sicht zu hoffen, dass der VfB-Star seine Rolle weiter so akzeptiert und im "Super-Joker-Flow" bleibt.
"Ich versuche einfach nur guten Input zu bringen. Ob von Anfang an oder von der Bank. Das wichtigste ist, dass das Team gewinnt", führte der auf der PK ebenfalls anwesende Undav aus. "Alles andere kann man hinten anstellen", betonte er. "Wenn ich nicht zufrieden wäre, wäre ich nicht hier, glaube ich."
Warum Baumann keinen WM-Einsatz bekommt

Erklärt hat Nagelsmann derweil auch seine Entscheidung im Tor. Torwarttrainer Andreas Kronenberg habe diese Oliver Baumann persönlich mitgeteilt. Zwar könne der Bundestrainer "aus menschlicher Sicht" verstehen, dass der TSG-Keeper gegen Ecuador gefordert wird. "Aber es gibt einen Blick aufs große Ganze. Da ist es nicht immer super angenehm, die Entscheidung zu treffen, aber sie müssen getroffen werden", betonte er.
"Es ist eine ähnliche Entscheidungsgrundlage wie bei den Feldspielern. Auch da geht es um Rhythmus. Manu hat jetzt zwei Spiele gemacht, und das waren beides absolut keine Torwartspiele. Es gab keine Situationen für den Torwart, um richtig Bälle zu halten und viel Rhythmus zu kriegen."
