Die Diskussion um Julian Nagelsmann nimmt weiter an Schärfe zu. In der Sky-Talkrunde 'Triple – der Hagedorn-Fußballtalk' äußerten sich unter anderem Oliver Kahn und Didi Hamann kritisch zur Arbeit des Bundestrainers. Dabei rückten vor allem Führungsstil, Kaderpolitik und Außendarstellung in den Fokus.
Kahn sieht Nagelsmann als System-Trainer
"Das ist auch kein Leistungsprinzip. Bei ihm spielen die richtigen Spieler, nicht die besten Spieler. Das ist sein Ansatz."Kahn über Nagelsmann (Sky)
Kahn sieht grundlegende Schwächen im Ansatz des Bundestrainers. "Julian Nagelsmann kommt nicht so stark über Mentalität, er kommt sehr stark über das System, über klare Rollenverteilung", erklärte der frühere Bayern-Boss.

Gerade bei großen Turnieren hält er das für problematisch: "Eine WM wird nicht so sehr über System entschieden, sondern über Mentalität und einen gewissen Geist in der Mannschaft."
Auch die Kaderzusammenstellung sieht der ehemalige Bayern-Kapitän kritisch: "Das ist auch kein Leistungsprinzip. Bei ihm spielen die richtigen Spieler, nicht die besten Spieler. Das ist sein Ansatz. Vorher alles in Schutt und Asche zu legen, davon bin ich kein großer Fan." Ein Ansatz, der intern funktionieren kann, nach außen aber Fragen aufwirft.
Hamann wird deutlich: "Hätte Nagelsmann nicht geholt"
"Ich hätte Julian Nagelsmann damals nicht geholt."Didi Hamann (Sky)
Noch schärfer wurde Hamann, der vor allem die frühe Festlegung innerhalb des Kaders hinterfragt. "Wir haben doch ein Leistungsprinzip. Ich verstehe es nicht, sich drei Monate vorher festzulegen", sagte der TV-Experte. Das könne die Motivation innerhalb des Teams massiv beeinflussen: Spieler wüssten früh, dass sie kaum Chancen auf Einsatzzeit haben.
Zudem bemängelte Hamann die fehlende Präsenz des Bundestrainers: "Vielleicht sollte er mal anfangen, mehr ins Stadion zu gehen. Im Fernsehen sieht man halt nur zwanzig Meter vom Spielfeld. Das hat auch was mit Wertschätzung zu tun."
"Es gibt keine Abkürzung für den Weg zum Erfolg. Man muss gewissenhaft sein. Ich hätte Julian Nagelsmann damals nicht geholt", so Hamanns vernichtendes Urteil.
Weidenfeller mahnt Bundestrainer
Auch Ex-BVB-Keeper Roman Weidenfeller sieht beim Bundestrainer Nachbesserungsbedarf, insbesondere im Umgang mit der Öffentlichkeit und der Mannschaft. "Der Bundestrainer erklärt sich zu viel für meinen Begriff", kritisierte der ehemalige Nationaltorhüter und machte deutlich, worauf es seiner Ansicht nach ankommt: "Er muss die Spieler stärken und nicht infrage stellen."
Gerade in einer sensiblen Turnierphase sei es entscheidend, Vertrauen aufzubauen und ein geschlossenes Mannschaftsgefüge zu fördern.
Damit wächst der Druck auf Julian Nagelsmann weiter an. Sowohl sportlich als auch in seiner Außendarstellung steht der Bundestrainer zunehmend im Fokus der Kritik. Die Erwartungen an ihn sind hoch und bei der anstehenden Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko wird sich zeigen, ob sein Ansatz den erhofften Erfolg bringt.
