Es lief die 78. Spielminute der Partie zwischen Deutschland und Ghana, als Bundestrainer Julian Nagelsmann seinen achten und gleichzeitig letzten Wechsel dafür nutzte, um Leroy Sané weitere Spielminuten zu ermöglichen. Der Offensivstar von Galatasaray Istanbul, über dessen Nominierung im März heftig diskutiert wurde, wurde von einigen Teilen der Fans alles andere als herzlich empfangen.
In der Stuttgarter MHP-Arena waren vereinzelte, aber dennoch deutlich hörbare Pfiffe und Buh-Rufe zu vernehmen. Bei Sanés Teamkollegen und Nagelsmann traf diese Reaktion auf Unverständnis.
"Ich will keine Fans kritisieren. Generell finde ich es nicht schön, wenn Spieler ausgepfiffen werden", sagte Nagelsmann erst zurückhaltend, richtete dann aber doch einen eindeutigen Appell an das deutsche Publikum: "Zumindest bei der Einwechslung sollte man den Spieler unterstützen, so lange er den Adler auf der Brust trägt. Wenn wir uns gegenseitig zerfleischen, dann wird es nicht besser."

Insgesamt war der Bundestrainer mit dem Auftritt von Sané zufrieden. "Leroy hat besser gespielt als in der Schweiz. Er hat das Tor mit einem guten Laufweg und seinem Kopfball vorbereitet", lobte der 38-Jährige. "Am Ende hängt es davon ab, was er die nächsten acht Wochen macht. Aber das betrifft nicht nur ihn, sondern auch die anderen Spieler."
Undav appelliert, Nübel ärgert sich
Sanés Mitspieler wurden bei diesem Thema nach Abpfiff deutlich direkter. Deniz Undav, der vom Stuttgarter Publikum schon vor seinem Jokertor zum 2:1-Sieg herzlich empfangen wurde, plädierte nach Abpfiff am ARD-Mikrofon: "Ich bitte darum, dass wenn Leroy oder ein anderer Spieler das nächste Mal reinkommt, dass man dann nicht buht. Man sollte hinter der Mannschaft stehen. Es ist wichtig, dass wir als Mannschaft mit den Fans eine Einheit bilden. Ich hoffe, dass es beim Turnier nicht so ist."
Und weiter: "Das fand ich schade, denn im Endeffekt sind wir eine Mannschaft. Leroy gehört genauso zu uns wie jeder andere Staff-Member. Ich hoffe, beim nächsten Mal supporten sie ihn auch."
"Absoluter Schwachsinn. Ich weiß nicht, was das soll."Alexander Nübel
In eine ähnliche Richtung gingen auch die Worte von Torhüter Alexander Nübel, der gegen Ghana sein drittes A-Länderspiel bestreiten durfte. "Absoluter Schwachsinn. Ich weiß nicht, was das soll. Wir wollen als Nation zusammen nach Amerika fahren und die WM spielen und nicht getrennt", ärgerte sich der Schlussmann.
