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"Nagelsmann hätten sie zerrissen": Didi Hamann warnt vor blindem Personenkult beim DFB

Der historische 44-Mann-Kader des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp sorgt in Fußball-Deutschland für viel Aufsehen. Nun meldet sich TV-Experte Didi Hamann kritisch zu Wort.
VonMoritz Jonas
Mahnt bei aller Euphorie um den neuen Bundestrainer zur kritischen Distanz: Sky-Experte Didi Hamann
Mahnt bei aller Euphorie um den neuen Bundestrainer zur kritischen Distanz: Sky-Experte Didi Hamann | Christof Koepsel/GettyImages

Für seine ersten Länderspiele hat sich Jürgen Klopp etwas völlig Unkonventionelles einfallen lassen. Um sich ein möglichst breites Bild zu verschaffen, nominierte der neue Bundestrainer für die vier anstehenden Nations-League-Partien im September und Oktober einen XXL-Kader mit unfassbaren 44 Spielern. Der Clou: Das Aufgebot wird nach den ersten beiden Spielen zur Hälfte ausgetauscht. Ein radikaler Ansatz, der in der Öffentlichkeit fast durchweg bejubelt wird.

Zu viel des Guten, findet Didi Hamann. Der Sky-Experte nutzte das Bundesliga-Vorlaufprogramm am Wochenende, um ein "warnendes Wort“ auszusprechen und zog dabei einen brisanten Vergleich zum direkten Vorgänger. "Stell dir mal vor, der Nagelsmann hätte das gemacht. Wenn der Nagelsmann das gemacht hätte, dann hätten sie ihn zerrissen. Bei Klopp sagen alle ‚wunderbar‘“, monierte Hamann.

Tut der Bundestrainer den Spielern wirklich einen Gefallen?

Mit Blick auf die sagenhaften 16 Neulinge im DFB-Aufgebot hinterfragt der 53-jährige Ex-Nationalspieler zudem den sportlichen Sinn der XXL-Nominierung. "Es gibt einen Ansatz, viele Spieler einzuladen. Ob er alle hätte einladen müssen, lasse ich mal dahingestellt“, so Hamann. "Ob er damit jemandem einen Gefallen tut, ist die andere Frage. Einige werden nicht spielen und dann die Nationalmannschaft möglicherweise nie wieder sehen. Sie sind dann aber Nationalspieler – und werden daran gemessen.“

Generell sieht Hamann die aktuelle Berichterstattung rund um den DFB kritisch. Die allgemeine Jubelstimmung blende wichtige Diskussionen aus. "Die Euphorie entsteht durch ihn. Er kann ja im Moment machen, was er will. Und schon sagen die Leute: ‚Das war die beste PK, das beste dies, das beste das.‘ Um ihn hat sich ein Personenkult entwickelt.“

Lob für den großen Fleiß

Genießt beim DFB derzeit einen extremen Personenkult, der nun kritisch hinterfragt wird: Bundestrainer Jürgen Klopp
Genießt beim DFB derzeit einen extremen Personenkult, der nun kritisch hinterfragt wird: Bundestrainer Jürgen Klopp | Alex Grimm/GettyImages

Der Sky-Experte räumte jedoch ein, dass dieser Kult angesichts von Klopps überragender Erfolgs-Vita (vor allem beim FC Liverpool) durchaus verständlich sei. Nichtsdestotrotz müsse man vorsichtig sein, dass nicht alles, was der neue starke Mann beim DFB tue, komplett unkritisch hingenommen werde.

Immerhin: Für Klopps immense Arbeitsmoral fand Hamann dann doch noch lobende Worte. Die Tatsache, dass der neue Bundestrainer aktuell permanent in den Stadien unterwegs ist und die Spieler direkt in den Vereinen besucht, rechne er ihm hoch an. "Das hat noch kein Nationaltrainer gemacht. Da bin ich großer Fan von“, lobte Hamann. Ob der XXL-Plan des Bundestrainers auch sportlich aufgeht, wird sich am kommenden Dienstag (24. September) zeigen: Dann startet die DFB-Elf in Amsterdam gegen die Niederlande in die neue Ära.


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