Die Deutsche Nationalmannschaft hat durch den späten 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste in Toronto das Ticket für das Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft vorzeitig gelöst. Ein entscheidender Faktor war dabei das goldene Händchen von Julian Nagelsmann, der nach 60 Minuten mit Deniz Undav, Nadiem Amiri und Jamie Leweling gleich drei frische Kräfte brachte. Weichen musste für diesen offensiven Impuls unter anderem Leroy Sané.
Da der Rechtsaußen von Galatasaray nach vorn eher unauffällig agierte, flammten schnell alte Kritikpunkte auf. Nach dem Abpfiff räumte der Bundestrainer jedoch unmissverständlich mit den Spekulationen auf.
Frische und Dynamik statt Leistungs-Kritik
Im Interview mit dem ZDF betonte Nagelsmann explizit, dass die Herausnahme des 78-fachen Nationalspielers rein taktische und physische Beweggründe hatte. "Ich habe ihn nicht wegen der Leistung ausgewechselt. Sondern einfach, um mit Jamie nochmal Frische, eine gewisse Dynamik und eine gute Körperlichkeit zu bringen", stellte der 38-Jährige klar.
Dass der DFB-Star offensiv nicht wie gewohnt zur Entfaltung kam und kaum zwingende Aktionen im Eins-gegen-eins kreieren konnte, lag laut Nagelsmann maßgeblich an den äußeren Bedingungen im Stadion. "Man muss immer den Spielertypen in Verbindung mit dem Rasen sehen", erklärte er und verwies auf den enorm stumpfen und trockenen Untergrund in Kanada, der das Dribbling für die schnellen Außenspieler massiv erschwerte.
Sonderlob für "brutalen" Defensiv-Fleiß
Statt den 30-Jährigen für fehlende Offensiv-Highlights zu tadeln, hob Nagelsmann eine Qualität hervor, die Sané in der öffentlichen Wahrnehmung oft abgesprochen wird: die harte Arbeit gegen den Ball. "Er hat wieder viel probiert, viel gemacht. Defensiv war er brutal fleißig", lobte der Bundestrainer die Einstellung seines Flügelspielers ausdrücklich.
Sané habe in der ersten Halbzeit sechs, sieben Bälle abgelaufen und Joshua Kimmich auf der rechten Seite gegen die flinken ivorischen Angreifer vorbildlich unterstützt. "Wichtig ist, dass er die Dinge, die ihm vielleicht in der Vergangenheit manchmal abgesprochen worden sind, immer bringt. Das hat er heute super gemacht", so das klare Fazit des Coaches.
Nagelsmann kritisiert die öffentliche "Schublade"
Dass die Kritik an Sané nach dem Spiel dennoch wieder lauter wurde – wie schon nach dem 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao, bei dem er ohne direkte Torbeteiligung blieb –, stößt bei Nagelsmann auf Unverständnis. Der Bundestrainer verwies auf ein psychologisches Problem in der Außendarstellung des Spielers: Wenn man erst einmal in einer bestimmten Schublade stecke, "dann wird alles, was man ansatzweise in diese Richtung sieht, um ein Vielfaches schlimmer bewertet."
Nagelsmann machte ein für alle Mal deutlich, dass er sich von der öffentlichen Meinung nicht treiben lässt. Innerhalb des Teams gilt der Routinier als absoluter Teamplayer, der sich bedingungslos in den Dienst der Mannschaft stellt und den Erfolg der Kollegen feiert. Genau diese Einstellung honoriert der Bundestrainer – auch wenn die magischen Offensiv-Momente gegen die Elfenbeinküste noch ausblieben.
Weitere News zur Nationalmannschaft lesen:
