Der Klassiker am Samstagabend zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München war beste Werbung für den deutschen Fußball. Am Ende behielten die Münchner mit 3:2 die Oberhand und sorgten für eine Vorentscheidung in der Meisterschaft.
Dabei musste der deutsche Rekordmeister ohne einen Großteil der aktiven Fan-Szene auskommen. Auslöser war ein Polizeieinsatz im Gästeblock, bei dem von der Polizei laut den Bayern-Fans Pefferspray und Schlagstöcke eingesetzt wurden. Grund für den Einsatz sei laut der Polizei der Verdacht gewesen sein, dass sich einige Fans mit gefälschten Tickets Zutritt verschaffen wollten.
Infolge des Einsatzes hatten laut Sky rund 500 Bayern-Fans aus Protest und Solidarität entschieden, das Stadion nicht zu betreten und stattdessen das Spiel im Stadionumlauf zu verfolgen. Zudem lieferten die Fans in der Arena gedämpfte Unterstützung und entrollten ein Banner mit der Aufschrift "Freiheit für alle Fußballfans".
Jetzt hat sich die Dortmunder Polizei erstmals ausführlich zu der Situation geäußert – und dabei die Anhänger des Rekordmeisters kritisiert.
"Mangelnde Selbstreflexion" der Bayern-Fans?
"Die reflexhafte Schuldzuweisung an die Polizei wirkt nach Ansicht der Videodaten, die wir auch in das Strafverfahren einbringen können und werden, mehr als befremdlich."Achim Stankowitz
"Die reflexhafte Schuldzuweisung an die Polizei wirkt nach Ansicht der Videodaten, die wir auch in das Strafverfahren einbringen können und werden, mehr als befremdlich", erklärte der stellvertretende Polizeipräsident der Dortmunder Polizei, Achim Stankowitz. Er ergänzte, dass in den Video-Aufnahmen "eindeutig" ein "arbeitsteiliges, geplantes Vorgehen von Störern, die das Stadion ohne Einlasskontrolle betreten und diese gewaltsam überwinden wollen" zu sehen sei.
Einigen Bayern-Fans warf er darüber hinaus "mangelnde Selbstreflexion" vor und betonte deutlich: "Die Rechtmäßigkeit der polizeilichen Maßnahmen ist selbstverständlich die oberste Maxime."
Ein belastetes Verhältnis
Der Zwischenfall ist nicht das erste Mal, dass Polizei und Fans in Dortmund aufeinander treffen. Ende Januar sorgte beispielsweise eine Polizei-Durchsuchung bei einem Fanprojekt des BVB für viel Kritik. Die Fanhilfe sprach sogar damals von einem "Tiefpunkt" in der Zusammenarbeit mit der Polizei.
Die Durchsuchungen seien rückblickend ein scharfer Einschnitt in das Vertrauensverhältnis zwischen Szene, sozialpädagogischer Arbeit und Verein auf der einen Seite und der Polizei auf der anderen.
Dass das Verhältnis zwischen Polizei und Fans nach wie vor belastet ist, zeigte sich auch am Samstag erneut. Dort präsentierten die BVB-Fans aus Solidarität mit den Münchner Fans ein Banner auf der Südtribüne mit der Aufschrift: "Freiheit für Gästefans in Dortmund". Das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit also noch nicht gesprochen.
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