Die Weltmeisterschaft 2026 hat auf dem Rasen offiziell begonnen und die ersten emotionalen Hürden sind genommen. Die Euphorie auf dem Kontinent ist spürbar, denn kein Gastgeber musste zum Auftakt eine Niederlage einstecken. Während die USA und Mexiko mit Auftaktsiegen direkt die Tabellenführung in ihren Gruppen eroberten und die Fans in Ekstase versetzten, sicherte sich Kanada immerhin einen historischen ersten WM-Punkt. Doch wie aussagekräftig sind diese ersten 90 Minuten für den restlichen Turnierbaum? Wir werfen einen Blick auf die drei Co-Gastgeber und ordnen ihre realistischen Turnierziele ein.
USA: Mit Vollgas Richtung Viertelfinale
Vor dem Turnier pendelten die Erwartungen der Amerikaner noch zwischen extremem Ehrgeiz und der Angst vor der eigenen Courage. Als Co-Gastgeber wollten die USA den Achtelfinal-Fluch der letzten Jahre unbedingt brechen. Star-Trainer Mauricio Pochettino gab sich im Vorfeld zwar furchtlos, doch viele Experten bemängelten die häufig fehlende Kaltschnäuzigkeit. Diese Zweifel wischten die Soccer Boys beim furiosen 4:1-Spektakel gegen Paraguay im SoFi Stadium jedoch eindrucksvoll weg. Monaco-Stürmer Folarin Balogun avancierte mit einem Doppelpack zum gefeierten Helden und beendete die jahrelange amerikanische Stürmer-Debatte vorerst im Alleingang. Unter Pochettino agiert das Team befreit, mutig und mit einer für US-Teams durchaus untypischen Dominanz.
Ein Einzug in das Viertelfinale ist nach diesem Statement-Sieg das absolut realistische Maximalziel. Die USA haben von allen drei Gastgebern das stabilste sportliche Fundament. Gewinnen sie die Gruppe D, gehen sie in der K.o.-Phase den absoluten Schwergewichten vorerst aus dem Weg. Einziger Wermutstropfen des Auftakts bleiben die Muskelprobleme von Superstar Christian Pulisic, der zur Pause angeschlagen ausgewechselt werden musste. Bleiben die Unterschiedsspieler fit, ist die Runde der letzten Acht für die US-Boys und den Fans im Rücken absolut im Bereich des Möglichen.
Mexiko: Zwischen Azteken-Zauber und Achtelfinal-Schallmauer

Nach dem bitteren Vorrundenaus in Katar 2022 lastete im Vorfeld ein enormer Druck auf der El Tri. viele Experten sahen das Team von Rückkehrer Javier Aguirre absolut nicht im Favoritenkreis, und auch die heimische Presse schwankte zwischen der großen Hoffnung auf den "Heim-Faktor" und tiefer Skepsis. Der 2:0-Sieg im Hexenkessel von Mexiko-Stadt gegen Südafrika lieferte dann jedoch den erhofften emotionalen Brustlöser. Routinier Raúl Jiménez krönte seine vierte WM-Teilnahme mit seinem ersten Tor, und die Einwechslung von Supertalent Gilberto Mora ließ die Herzen der Fans höherschlagen.
Dennoch täuscht der Sieg über einige erhebliche Mängel hinweg. Das Team schaltete nach einem Platzverweis für den Gegner viel zu früh in den Verwaltungsmodus, zeigte ein teils träges Umschaltspiel und verlor zu allem Überfluss Abwehrchef César Montes durch eine Rote Karte. Das Überstehen der Gruppenphase und der ersten K.o.-Runde (Sechzehntelfinale) ist durch den brutalen Heimvorteil absolut machbar. Das verflixte Achtelfinale dürfte jedoch erneut die Schallmauer bilden. Gegen taktisch disziplinierte europäische oder südamerikanische Schwergewichte wird die spielerische Armut, die sich phasenweise gegen Südafrika zeigte, gnadenlos bestraft werden.
Kanada: Der harte Kampf um das Sechzehntelfinale

Die Euphorie im Vorfeld war riesig, doch die sportlichen Vorzeichen für Kanada waren geradezu katastrophal. Mit Moïse Bombito fehlte der beste Verteidiger verletzungsbedingt, Offensiv-Hoffnung Marcelo Flores riss sich das Kreuzband, und Weltstar Alphonso Davies musste beim Auftakt wegen einer Oberschenkelverletzung auf der Bank Platz nehmen. Das dramatische 1:1 in Toronto gegen Bosnien-Herzegowina brachte den Rouges dann zwar den allerersten Punktgewinn in ihrer WM-Historie, fühlte sich durch die vergebene Riesenchance von Joker und Torschütze Cyle Larin aber dennoch wie eine verpasste Gelegenheit an.
Die eklatante Anfälligkeit bei gegnerischen Standards, gepaart mit einer fahrlässigen Chancenverwertung im Angriff, sind auf diesem Niveau schlichtweg fatal. Kanada blickt folglich der härtesten Realität der drei Gastgeber entgegen. Die Runde der letzten 32 (Sechzehntelfinale) wäre für den kanadischen Fußball bereits ein gigantischer, historischer Erfolg. Alles hängt nun davon ab, ob Davies schnellstmöglich fit wird, um die fehlende Durchschlagskraft im vorderen Drittel zurückzubringen. Spätestens in der ersten K.o.-Runde gegen einen potenziellen Gruppensieger dürfte die WM-Reise für Kanada dann jedoch definitiv beendet sein.
Weitere News zur WM 2026 lesen:
