Mit Beginn dieser Weltmeisterschaft wurden auch einige neue Regeln und VAR-Berechtigungen eingebracht. Manche kleinere Änderungen wurden dabei schon in den ersten Spielen umgesetzt, etwa die neue Höchstzeit bei Einwürfen oder auch bei Ein- bzw. Auswechslungen.
Beim 4:1-Sieg der USA über Paraguay gab es aber ein größeres Novum, das zugleich für Verwirrung und anschließende Diskussionen gesorgt hat.
Foul oder Schwalbe? Falsche Entscheidung sorgt für kurioses Regel-Novum bei der WM
Folgende Situation: Danny Makkelie, der Schiedsrichter dieser Partie, konnte eine Schwalbe von Miguel Almirón nicht korrekt erkennen. Deshalb entschied er auf Foulspiel von Tim Ream und gab dem US-Kapitän auch die Gelbe Karte. Nachdem der daraus resultierende Freistoß bereits ausgeführt war, unterbrach der Unparteiische die Partie – weil er von seinen VAR-Assistenten angefunkt wurde. Makkelie schaute sich die Foul-Szene nochmal am Bildschirm an. Dabei wurde die Schwalbe deutlich.
Das Resultat: Makkelie nahm die Gelbe Karte für Ream zurück und verwarnte stattdessen Almirón. Auf den Bildschirmen im Stadion war von einer VAR-Unterbrechung wegen einer 'Mistaken Identity' die Rede.
Es war der erste VAR-Eingriff auf Basis dieser neuen Regel, die erstmals bei der Weltmeisterschaft in Anwendung ist. Allerdings gab es einerseits viel Verwirrung rund um die Szene an sich und andererseits auch Kritik in der Umsetzung.
Kinhöfer und Ittrich üben Kritik: Inhalt sowie Zeitpunkt des VAR-Eingriffs werfen Fragen auf – FIFA muss für Klarheit sorgen
Beim ZDF urteilte Schiedsrichter-Experte Thorsten Kinhöfer beispielsweise, dass dieser Eingriff falsch gewesen sei. "Bei klaren Fehlentscheidungen, die mit einer Karte geahndet wurden, darf der VAR eingreifen, allerdings nur, wenn es sich um eine zweite Gelbe Karte oder eine Rote Karte, also einen Platzverweis handelt. Das war in dieser Situation nicht der Fall", hakte er eine Möglichkeit für einen solchen Eingriff ab.
Beim zweiten Fall, bei der auch wegen einer einzelnen Gelben Karte eingegriffen werden kann, müsse es sich aber um eine deutliche Spielerverwechslung (das sogenannte 'Mistaken Identity') handeln – auf das sich in diesem Szenario auch berufen wurde. Aber auch das sei hier nicht korrekt gewesen, wie Kinhöfer erklärte: "Stattdessen revidiert Danny Makkelie nach Ansicht der Bilder seine faktische Einschätzung, dass der US-Verteidiger Tim Ream den Paraguayer Miguel Almirón gefoult hat. Das ist nicht zulässig." Wäre dieser Eingriff zulässig, könnte oder gar müsste in Zukunft "jedes gepfiffene Foul oder jede Gelbe Karte vom VAR überprüft werden".
In eine sehr ähnliche Richtung äußerte sich auch Pattrick Ittrich, der als Schiedsrichter-Experte wiederum für Magenta TV im Einsatz ist. "Eine Regeländerung am 28. Februar hat besagt, ‚Mistaken Identity‘ heißt nicht nur der Spieler, sondern auch das Team. Jetzt ist die Frage: Bezieht sich die Änderung auf die Person oder auch auf die Aktion? Für mich liegt hier ein absoluter Prozessfehler vor", kritisierte er deutlich (via Sport1).

Ittrich "bezweifelt" derweil, dass diese neue Regel eine solche falsche Verwarnung aufgrund einer Schwalbe mit einbeziehe. Viel eher müsste es sich dabei um die Verwarnung eines falschen, gar nicht erst am Foulspiel beteiligten Spielers handeln – eben eine Personen- bzw. Spielerverwechslung.
Zudem merkte Ittrich an, dass dieser schon im Inhalt fragwürdige Eingriff auch nach der Spielfortsetzung stattfand. "Normalerweise kannst du nach einer Spielfortsetzung beim VAR-Protokoll gar nicht mehr angreifen. Der Prozess war komplett schlecht", urteilte er. Eine nochmal größere Diskussion hätte stattgefunden, wäre aus dem falschen Freistoß ein zwischenzeitliches Tor gefallen.
Kinhöfer und Ittrich waren sich in ihrer grundsätzlichen Schlussfolgerung einig: In diesem Fall muss die FIFA mitsamt der IFAB möglichst zügig für entsprechende Klarheit sorgen. Ansonsten drohen Ausführungen der Schiedsrichter je nach eigenem Verständnis der Regel.
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