Michael Olise & Luis Diaz: Ein Hauch von Robbery
Von Fabian Küpper

Jeder Spieler hat ein Spiel, das ihn definiert und wo Fans wie Experten klar war: Wir erleben hier gerade den Anbruch einer neuen Zeitrechnung. Bei Lionel Messi war es sein Solo-Tor gegen den FC Getafe 2007, bei Cristiano Ronaldo sein Freistoß gegen den FC Portsmouth.
Bei Michael Olise und Luis Diaz war jene Partie das Spiel gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag. Mit 8:1 schoss der FC Bayern die hilflosen Wölfe aus der Allianz Arena. Beide Flügelstürmer sammelten dabei jeweils vier Scorerpunkte ein und sprühten nur so vor Spielfreude.
Nie erinnerte eine Flügelzange beim Rekordmeister in den vergangenen Jahren mehr an das legendäre Duo Robbery, bestehend aus Franck Ribéry und Arjen Robben. Dabei sind Olise und Diaz teilweise andere Spielertypen als die zwei Bayern-Legenden.
Ähnlich und doch verschieden
Das Spiel von Arjen Robben kennt jeder: Von außen in die Mitte ziehen und dann abschließen. Kein Spieler konnte das so gut wie der Niederländer – dafür spricht auch seine Erfolgsquote im Dribbling, die in seiner Bayern-Zeit fast immer bei 60 Prozent oder höher lag. Auch Olise hat diesen Move in seinem Repertoire, doch der Franzose ist eine andere Art Flügelstürmer als Robben.
Olise liebt es auf engem Raum zu dribbeln, er ist seltener wirklich im Vollsprint wie Robben es einst war. Seine Bewegungen sind geschmeidiger und er hat zudem öfter den Blick für den Nebenmann als der Niederländer. Zwar hatte Robben mit Robert Lewandowski seiner Zeit auch einen überragenden Mittelfeldspieler, den Abschluss suchte er allerdings häufiger als Olise.
Der Franzose spielt ruhiger, manchmal hat man das Gefühl, er schließt nur dann ab, wenn es sicher ein Tor wird. Unüberlegte oder gar hastige Abschlüsse sieht man bei ihm selten. Er ist vielmehr dafür zuständig, mit seinen Dribblings Lücken zu reißen. 5,6 Mal geht er pro Partie ins direkte Duell mit seinem Gegenspieler, damit rankt er im 99. Percentile in Europa, also den besten ein Prozent aller Spieler.
Kreatives Chaos
Gegenüber von Olise wirbelt Luis Diaz. Die Kritik, die ihn nach seinem 70-Millionen-Wechsel begleitete, ist längst verstummt. Der Kolumbianer ist ein Volltreffer und wirbelt die gegnerischen Abwehrreihen nach Belieben durcheinander.
"Mit Lucho haben wir einen Spieler wie einst Franck Ribéry. Er ist unser kreativer Chaosmacher", schwärmte Max Eberl nach der Gala gegen Wolfsburg. Und in der Tat ähneln sich das Spiel des Kolumbianers und das des Franzosen.
Diaz und Ribéry sind bzw. waren bei Bayern für den Überraschungsmoment zuständig. Das schaffen sie meistens durch ihre herausragende Technik in Kombination mit hohem Tempo. Exemplarisch dafür steht bei Diaz wohl sein Tor gegen Union Berlin, als er den Ball fast on der Grundlinie ins Tor beförderte. Was dabei beide auszeichnet: Sie haben dabei stets das Auge für die Mitspieler, können aber auch selbst abschließen. Diaz beispielsweise steht in 16 Spielen bereits bei 17 Scorerpunkten, die sich aus neun Treffern und acht Vorlagen zusammensetzen.
Damit ahmt er die Verteilung von Toren und Assists von Ribéry ziemlich gut nach. Auch der Franzose war Zeit seiner Karriere bei den Bayern ein Multitalent, was Chancen kreieren und Torerfolge anging. In vielen Saisons hielt sich beides nahezu die Waage, generell hatte er aber öfter den Blick für den Mitspieler. So stehen 182 Vorlagen insgesamt 124 Toren in seiner Bayern-Karriere gegenüber.
Diaz ist aber nicht nur hier auf den Spuren der Bayern-Legende. Auch was kreierte Chancen angeht, steht er Ribeéry wenig nach. Der Franzose kreierte in der Saison 2016/17, der ersten Spielzeit, in der diese Statistik gezählt wurde, 49 Möglichkeiten. Pro Spiel waren das im Schnitt 3,6, womit er die Bayern anführte. Diaz steht aktuell bei 2,2 pro Partie und 30 erspielten Chancen – er ist also drauf und dran, die Marke von Ribéry zu übertreffen, wenn er fit bleibt und sein Level halten kann.
Große Fußstapfen
Sind "Oliaz" jetzt also wirklich das neue Robbery? Beim Blick auf die Statistiken aus ihrer ersten gemeinsamen Halbserie muss man sagen: Ja. Hier hängen Diaz und Olise die legendäre Bayern-Flügelzange sogar deutlich ab. Beide haben zusammen nach 16 Spielen 32 Scorerpunkte gesammelt, Robben und Ribéry hatten zu diesem Zeitpunkt in ihrer ersten gemeinsamen Saison 2009/10 nur acht Torbeteiligungen gesammelt.
Allerdings vielen damals auch beide aufgrund von unterschiedlichen Verletzungen einen Großteil der Hinrunde aus. Und insbesondere Robben drehte in der Rückrunde noch auf und beendete seine Debütsaison mit 16 Toren und sieben Vorlagen.
Es ist also noch etwas früh, um Oliaz in die Sphären von Robbery zu heben. Die Ansätze dafür sind bei der Flügelzange jedoch so gut wie bei keiner anderen in den letzten Jahren. Spannend wird sein, wie beide in der Champions League performen. Denn dort zementierten Robben und Ribéry ihren Legendenstatus, insbesondere durch den Triumph in der Saison 2012/13.
Diaz und Olise haben also noch einen weiten Weg vor sich, wenn sie irgendwann im selben Atemzug mit dem Niederländer und dem Franzosen genannt werden wollen. Der Start jedoch war überragend – und macht große Hoffnung auf mehr.
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