Michael Olise: Der nächste Weltfußballer?
Von Fabian Küpper

Es gibt Spieler, die verändern durch ihre schlichte Anwesenheit die Statik und die Richtung eines gesamten Spiels. Eden Hazard bei Chelsea war so ein Spieler. Ronaldinho bei Barca sowieso. Kaka beim AC Mailand ebenfalls. Und Kylian Mbappé fällt bei den kriselnden Madrilenen ebenfalls in diese Schublade.
Diese vier müssen spätestens seit Samstagabend Platz für noch einen Spieler machen, der in diese Kategorie fällt: Michael Olise. Der Franzose wurde bei Bayerns 5:1-Gala gegen RB Leipzig in der 60. Minute eingewechselt. Da stand es 1:1. 28 Minuten später lautete der Spielstand 5:1, wobei Olise an allen vier Toren beteiligt war.
Es war eine erneute Erinnerung daran, wer der beste Spieler der Bundesliga ist. Olise ließ Dribblings so kinderleicht aussehen, seine Pässe waren perfekt getimed und punktgenau auf seine Mitspieler und sein Abschluss zum 5:1-Schlusspunkt war aus dem obersten Regal.
Weltfußballer Olise?
Nur logisch also, dass nach dieser Gala die Stimmen laut wurden, die Michael Olise als Weltfußballer sehen. Und man kann sie verstehen. Der Flügelstürmer hat dieses Überirdische, dass jeder Ballon d'Or-Sieger hat. Er lässt Fußball einfach und seine Gegenspieler um Klassen schlechter aussehen.
Und auch beim Blick auf die Statistiken in dieser Saison hängt er Weltstars wie Lamine Yamal, Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé oder Raphinha ab. In 28 Pflichtspielen steht Olise bei unfassbaren 33 Scorerpunkten. Zum Vergleich: Aus dem eben genannten Quartett kann diese Quote nur Mbappé toppen. Der 27-Jährige steht bei Real Madrid bei 35 Scorerpunkten in 26 Spielen, darunter alleine 30 Tore.
Aber beim Fußball geht es nicht nur um Statistiken. Es geht auch um den Eye-Test. Viele Fans, Journalisten und Experten haben in den letzten Jahren ihren Blick hauptsächlich auf Scorerpunkte oder Ratings gerichtet, aber zu wenig Spiele gesehen. Es ist ein ärgerliches Phänomen, denn gerade Spieler wie Olise oder Yamal beeindrucken vor allem mit Technik und leiten viele der Angriffe überhaupt erst ein, die am Ende zu einem Tor führen.
Und lässt man die Scorerpunkte einmal beiseite, dann lässt Olise auch einen Mbappé hinter sich. Denn von den 30 Toren des Franzosen kamen ganze zehn per Elfmeter. Und für mich strahlt er auch nicht mehr diese Leichtigkeit aus früheren Zeiten aus, lässt vieles nicht mehr so leicht aussehen wie zu Zeiten bei Monaco oder PSG. Mbappé vollzieht in meinen Augen aktuell dieselbe Metamorphose, die auch Cristiano Ronaldo durchlief: Vom trickreichen Flügelstürmer zum klassischen und eiskalten Mittelstürmer.
Eine große Lücke
Ist Olise also aktuell der beste Spieler der Welt? Schwierig zu sagen – in den Top fünf ist er definitiv. Ist er ein Favorit auf den Ballon d'Or, wenn er diese Form halten kann? Unter Umständen. Denn um wirklich eine Chance auf den goldenen Ball zu haben, fehlt Olise noch vor allem eine Sache: Internationale Reputation.
Lamine Yamal führte Spanien zum EM-Titel 2024 und spielte in der letzten Champions League-Saison überragend auf. Raphinha war sogar Top-Torschütze des Wettbewerbs. Ousmane Dembélé führte PSG sogar zum Titel. Und Kylian Mbappé war als 18-Jähriger der beste Spieler beim WM-Triumph der Equipe Tricoloré in Russland.
Olise fehlen diese großen Spiele. Bislang hat er seine Gala-Leistungen "nur" in der Bundesliga und in der Ligaphase der Champions League gezeigt. Doch um wirklich ein Wörtchen beim Ballon d'Or mitreden zu können, muss er auch in der K.o.-Phase Spiele entscheiden. Er muss gegen die Real Madrids, Arsenals, Liverpools oder Barcelonas genauso aufzocken wie gegen die Wolfsburgs, Leipzigs und Heidenheims.
Monate der Wahrheit
Dass Olise das Potenzial dafür hat, steht außer Frage. Gegen Chelsea bekam man am zweiten Königsklassen-Spieltag bereits eine Kostprobe, als er Marc Cucurella einen Knoten in die Beine spielte. Das muss er am besten in der gesamten K.o.-Phase tun.
Denn am wichtigsten für so eine prestigeträchtige Auszeichnung wie den Ballon d'Or sind die Monate März, April und Mai. In diesem Jahr aufgrund der WM sogar noch der Juni und Juli. Hier reiht sich ein großes Spiel an das nächste. Hier kann jeder Spieler seinen Case für eine mögliche Wahl zum Weltfußballer so sehr verbessern, wie sonst nie.
Denn Statistiken sind das eine. Doch auch die Titel spielen eine enorm wichtige Rolle. Und da ist die Champions League DAS große Faustpfand – und in diesem Jahr kommt auch noch der WM-Pokal dazu. Diese beiden Titel überstrahlen eine deutsche Meisterschaft und einen DFB-Pokalsieg um Längen.
Schwierig, aber nicht unmöglich
Olise muss also zusehen, dass er seine Form halten kann und in der Champions League eine Gala-Leistung an die nächste reiht. Denn dann dürfte er auch im Nationalteam seinen Stammplatz sicher haben. Und Frankreich gilt als einer der Top-Favoriten auf den Titel.
Natürlich klingt das alles einfacher als es wirklich ist. Wenn ich es einem Spieler aus der Bundesliga aktuell allerdings zutraue, Weltfußballer zu werden, dann ist das Olise. Er kann jede Partie mit einer Aktion entscheiden und gehört zu der Gattung an Spielern, für die Champions League-K.o.-Spiele eigentlich gemacht sind – womit wir wieder bei Ronaldinho, Kaka & Co. wären.
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