Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1) zwei Siege eingefahren, trotzdem ist die Stimmung rund um das DFB-Team ausbaufähig. Das liegt insbesondere an Bundestrainer Julian Nagelsmann, der sich in den letzten Wochen mit einigen fragwürdigen Aussagen um Kopf und Kragen geredet hat. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat daher eine Warnung für den 38-Jährigen parat.
"Es wird zu viel diskutiert, zu viel nach außen getragen. Wenn Spieler schon im Vorfeld wissen, dass sie kaum Startelfchancen haben, außer wenn sich jemand verletzt - dann ist das schwierig", kritisierte Matthäus in seiner Sky-Kolumne.
Zwar kann der TV-Experte verstehen, dass Nagelsmann eine Stammformation formen möchte. "Aber wer so klar öffentlich sagt, dass bestimmte Spieler im Moment nicht erste Wahl sind, muss aufpassen", warnte Matthäus eindringlich. "Was ist, wenn sich einer verletzt? Dann braucht man genau die Spieler, die vorher außen vor waren und so funktionieren wie Deniz Undav gegen Ghana. Das ist ein gefährliches Spiel und könnte zum Bumerang werden."
Generell hat sich Nagelsmann in der Personalie Undav zuletzt wenig Freunde gemacht, da er die Leistungen des Stuttgarters permanent kleinreden wollte und mehr oder weniger deutlich machte, dass Undav unter ihm höchstens als Edeljoker fungieren wird – egal wie er performt.
Matthäus fordert mehr Wertschätzung für Undav
Matthäus wünschte sich daher mehr Wertschätzung für den VfB-Torjäger: "Ich bin kein Statistik-Fan und ich verstehe auch, dass der Bundestrainer Undav nicht auf der Neun sieht. Undav ist kein Kopfballungeheuer, aber Gerd Müller war auch nicht der Größte. Müller hat so ähnlich wie Undav gespielt, war oft kaum zu sehen und hat dann aus dem Nichts getroffen, wie im WM-Finale 1974. Es ist ein großer Vergleich - aber seien wir doch froh, dass wir wieder einen wie Müller haben! Es ist sein Recht zu sagen, dass ihm Kai Havertz vorne besser gefällt. Wenn sich aber dann noch einer verletzt, muss er wieder auf die Spieler zurückgreifen, die er vorher links liegen gelassen hat."
Der TV-Experte erinnerte auch daran, dass Nagelsmann erst vor wenigen Monaten klargestellt hatte, dass er nur Spieler mitnehmen und aufstellen werde, die auch im Verein regelmäßig spielen. "Jetzt sitzen Spieler, die diese Kriterien erfüllen, auf der Bank. Und andere, die sie nicht erfüllen, stehen auf dem Platz", monierte Matthäus. "Die Spieler haben das im Kopf und denken sich: 'Ich bin im Verein Stammspieler und liefere ab, ein anderer nicht, aber der spielt trotzdem.'"
Matthäus glaubt daher, dass Nagelsmann die Dinge auf die Füße fallen können, "die er vor ein paar Monaten gesagt hat". "Da fühle ich mich an einen Spruch von Franz Beckenbauer erinnert. Der hat einmal gesagt: 'Was interessiert mich der Schmarrn von gestern?'"
