Leon Goretzka vor Bayern-Abschied? Ein Neuanfang, der allen guttun würde
Von Fabian Küpper

Leon Goretzka. Allein dieser Name ruft bei Millionen Fußball-Fans in Deutschland unterschiedliche Gefühle und Emotionen hervor. Der Münchner, einst der wohl beste Box-to-Box-Spieler der Bundesrepublik, ist bei vielen Anhängern des DFB und des FC Bayern mittlerweile eine Persona non grata.
Vor allem die Fans des Rekordmeisters würden den ehemaligen Schalker am liebsten so schnell wie möglich verkaufen wollen. Vorbei sind die Zeiten, als der 30-Jährige gemeinsam mit Thiago Alcantara oder Joshua Kimmich das Spiel der Bayern lenkte und sie so zu einem Titel nach dem nächsten führte – das Sextuple 2020 lässt grüßen.
Stattdessen ist Goretzka seit knapp anderthalb Jahren nur noch Rotationsspieler beim FC Bayern. Andere Spieler, wie Aleksandar Pavlovic oder Tom Bischof haben ihm den Rang abgelaufen. Zudem bleiben Gespräche über eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags weiterhin aus.
Das sorgt für Unmut bei Goretzka, der sich von den Bayern-Bossen nicht wertgeschätzt fühlt. Wie gut für beide Parteien, dass mit Atlético Madrid ein Verein sehr starkes Interesse am Mittelfeldspieler zeigt. Nimmt Goretzka also noch im Januar seinen Hut?
Ein dringend benötigter Neuanfang
Ein Wechsel wäre dabei sowohl für den FC Bayern als auch für Goretzka eine Chance. Der 30-Jährige wäre weg aus Deutschland, wo gegen ihn mittlerweile eine eher negative Grundhaltung herrscht, und könnte in einem neuen Land bei einem neuen Verein nochmal von Null anfangen.
Gleichzeitig passt der Stil von den Rojiblancos besser zu dem Spielertyp, den Goretzka verkörpert. Diego Simeone legt viel Wert auf Konter und Pressing – beides Aspekte, in denen der gebürtige Bochumer einst glänzte und die ihm als Achter besonders entgegenkommen. Die Zeit unter Kompany zeigte nämlich eins: Ein Spieler für ein ballbesitzlastiges System ist Goretzka nicht.
Es ist kein Wunder, dass er seine beste Zeit bei Bayern unter Hansi Flick hatte. Zwar ließ auch er mit viel Ballbesitz spielen, unter dem heutigen Barca-Trainer presste der Rekordmeister jedoch viel höher und fuhr immer wieder überfallartige Angriffe auf das gegnerische Tor. Bei Atletico hätte er genau dieses System erneut – und mit Simeone einen Trainer, der genau solche Spielertypen wie Goretzka mag.
Ein finanzielles Plusgeschäft
Und auch für die Münchner würde sich ein Verkauf auf den letzten Drücker lohnen. Denn Goretzka hat immer noch einen Marktwert von 15 Millionen Euro – und die Kassen von Atlético sind nach dem Verkauf von Conor Gallagher an Tottenham Hotspur für 40 Millionen Euro ordentlich gefüllt.
Eine Summe von 15 Millionen Euro sollte also problemlos möglich sein. Eine noch höhere Summe wäre jedoch unwahrscheinlich, schließlich ist Goretzka bereits in seinem letzten Vertragshalbjahr. Vielleicht schafft es Max Eberl aber auch, die Summe inklusive Bonuszahlungen noch auf 17 oder 18 Millionen Euro zu steigern. Dann wäre es wirklich ein starker Deal für den Rekordmeister.
Ein netter Nebeneffekt eines Verkaufs wäre zudem, dass die Münchner das Mammutgehalt von 17 Millionen Euro aus den Büchern streichen könnten. Auch beim Rekordmeister sitzt das Geld nicht mehr so locker, das zeigte der vergangene Sommer. Deshalb sollte man eine solche Chance, auf einen Schlag so viel Budget freizuschaufeln, nicht verstreichen lassen.
Eine jahrelange Baustelle wird geschlossen
Zumal Bayern durch einen Verkauf Goretzkas auch bei Wunschspieler Givairo Read endlich ernst machen könnte. Der Niederländer ist zwar Rechtsverteidiger, allerdings könnte bei seiner Verpflichtung Konrad Laimer zurück ins zentrale Mittelfeld rutschen – und den Platz für Goretzka einnehmen.
Das wäre alles in allem ein deutliches Upgrade, denn der Österreicher ist dynamischer und vor allem passstärker als Goretzka. Und mit der Verpflichtung von Read hätte der Rekordmeister auch die jahrelange Problemzone namens Rechtsverteidigung endlich adäquat geschlossen.
Ein Risiko bleibt
Das ist allerdings noch Konjunktiv. Wir wissen nicht, ob Bayern wirklich bei Read ernst macht, wenn Goretzka verkauft werden sollte. Sollte es nicht dazu kommen, hätten die Bayern den ohnehin schon kleinen Kader weiter reduziert – und das eigentlich ohne Not.
Es ist also verständlich, weshalb Trainer Vincent Kompany aktuell noch nicht seinen Daumen hebt, sondern lieber weiterhin mit Goretzka zusammenarbeiten will. Allerdings muss man mittlerweile sagen: Ein Abschied des 30-Jährigen aus München wäre für alle Parteien das Beste.
Bayern würde noch Geld für einen Spieler bekommen, den sie in einem halben Jahr ablösefrei verlieren würden. Goretzka wiederum bekäme einen dringend benötigten Neustart und könnte sich noch für die WM im Sommer empfehlen. Es braucht in diesem Fall von Bayern, beziehungsweise speziell von Kompany, Mut zum Risiko.
Weitere Bayern-News lesen:
feed