Leipzig-Star Lukeba über den ultimativen Traum & Vorbilder bei RB

Castello Lukeba ist in seinem dritten Jahr bei RB Leipzig. 90min hat ihn zum Interview getroffen.
Castello Lukeba
Castello Lukeba / SOPA Images/GettyImages
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Castello Lukeba gehört zu den vielversprechendsten Verteidigern der Bundesliga und ist im Abwehrzentrum von RB Leipzig gesetzt. Unser Kollege Ilies Peeters von 90min Frankreich hat sich mit Lukeba darüber unterhalten, was er seit seiner Ankunft bei den Roten Bullen gelernt hat, worin sich die Bundesliga von der Ligue 1 unterscheidet und was das Ziel für dies restliche Saison ist.

Frage: Wie fühlst du dich seit deiner Rückkehr nach der Verletzung? Wie liefen die Spiele
gegen Bayern, den BVB und Wolfsburg?

Lukeba: Ich fühle mich immer besser. Aber es ist natürlich eine Herausforderung, gegen solche Mannschaften zurückzukehren, da man sofort voll gefordert ist. Gegen diese Teams ist es extrem intensiv. Es gibt viele Sprints, man braucht höchste Konzentration und muss seinem Körper zu 100 % vertrauen. Ich hatte mich gezielt auf das Comeback gegen Bayern München (11. Februar) vorbereitet. Die Vorbereitung mit den Trainern war gut, ich war also selbstbewusst und hatte keine Zweifel. Am Ende hatte ich Krämpfe, ich habe wirklich alles gegeben. Ich denke, für mich persönlich ist es mit Blick auf meinen Körper insgesamt gut gelaufen, trotz der Ergebnisse, da wir gewinnen wollten, dieses Ziel aber nicht erreicht haben.

Frage: Deine dritte Saison in Deutschland – wie läuft es aktuell?

Lukeba: Ich lerne hier enorm viel und habe mich seit meiner Ankunft in Deutschland stark weiterentwickelt. Ich kenne den Club und die Bundesliga mittlerweile sehr gut und fühle mich wirklich wohl. Ich habe auch eine Führungsrolle übernommen. Ich helfe den jungen und neuen Spielern, besonders den französischsprachigen. Diese Saison haben wir gut angefangen, aber zwischendurch haben wir nicht mehr die Ergebnisse eingefahren, die wir uns vorgenommen haben. Wir müssen jetzt den Motor wieder anwerfen, um bis zum Saisonende so viele Punkte wie möglich zu holen und unsere Ziele zu erreichen.

Frage: Eine Führungsrolle in der Kabine – kannst du uns mehr darüber erzählen?

Lukeba: Ich spreche viel mit den Neuen, um sie zu integrieren. Ich weiß, wie es ist, neu zu sein. Für die meisten ist es das erste Mal, dass sie in ein anderes Land wechseln, und es gibt viele Unterschiede: die Liga, die Sprache, die Kultur… Da ich das selbst erlebt habe, kann ich das nachempfinden. Ich versuche, sie in die bestmögliche Lage zu versetzen, damit sie der Mannschaft helfen und ihr Bestes geben können. Ich bin zwar noch jung, habe aber schon eine gewisse Erfahrung und helfe anderen von Natur aus gerne. Das gefällt mir und ich mache es ohne zu zögern.

Frage: Was sind die Hauptunterschiede zwischen der Bundesliga und der Ligue 1?

Lukeba: Ich würde sagen, das Platzangebot. Ich habe das Gefühl, dass es in Deutschland teilweise mehr Räume gibt. In Frankreich spielt man kompakter, und defensiver. Das ist mir besonders aufgefallen. Als Verteidiger hatte ich bei Lyon mehr Eins-gegen-Eins-Duelle zu lösen. Hier ist es anders. Das Stellungsspiel ist extrem wichtig: herausrücken, herschieben… Ich finde mich seltener in direkten Duellen wieder. Das hat mir geholfen, mein Stellungsspiel zu verbessern, das als junger Spieler manchmal noch ausbaufähig war. Jetzt bin ich kompletter geworden. Die Ligue 1 bleibt dennoch eine sehr intensive und physisch starke Liga.

Frage: Man sagt oft, die Bundesliga sei ideal für Stürmer. Ist sie auch die perfekte Liga, um als
Innenverteidiger den nächsten Schritt zu machen?

Lukeba: Ja, absolut. In der Bundesliga gibt es viele große Mannschaften, und wenn man für eine davon, wie RB Leipzig, spielt, wird jedes Wochenende Top-Leistung erwartet. Man spielt zudem europäisch, was einem hilft, ein neues Level zu erreichen. Wenn man sieht, welche Verteidiger die Bundesliga durchlaufen haben – besonders die Franzosen oder kürzlich Pacho, der über diesen Weg die Champions League gewonnen hat und sich beim PSG als Leader etabliert hat – zeigt das, dass die Liga Verteidiger formen kann.

Frage: Inspirieren dich die Wege von Konaté und Upamecano, zwei andere Franzosen,
die bei Leipzig waren?

Lukeba: Natürlich. Es ist quasi derselbe Weg: Sie kamen aus Frankreich, haben sich in Leipzig entwickelt und haben unter anderem hier viele Titel gewonnen haben. Das ist ein Vorbildweg. Sie sind Verteidiger von höchster Qualität und feste Größen in der französischen Nationalmannschaft. Das spornt an.

Frage: Man sagt, die Ligue 1 schafft Talente. Bringt die Bundesliga sie zur vollen Entfaltung?

Lukeba: (Überlegt) Sicherlich. Ich würde sagen, auch in der Ligue 1 gibt es enorme Talente, aber viele wechseln sehr früh. Es gibt in beiden Ligen viel Talent. Die Bundesliga ist eine sehr gute Liga, um sich zu behaupten und zu bestätigen. Viele französische Spieler sind diesen Weg gegangen, und ihre Karrieren waren und sind fantastisch.

Frage: Ist die Rückkehr in die Champions League das vorrangige Ziel für RB Leipzig?

Lukeba: Wie wir zu Saisonbeginn gesagt haben, ist eines der Hauptziele die Rückkehr nach Europa. Letztes Jahr haben wir es nicht geschafft, und dieses Jahr wollen wir uns unbedingt wieder für den europäischen Wettbewerb qualifizieren. Für mich ist es der prestigeträchtigste Klubwettbewerb. Es ist wichtig, gegen die Besten zu spielen, um Fortschritte zu machen und sich zu messen.

Frage: Du hast die Champions League bereits erlebt. Wie fühlt sich das an?

Lukeba: In meiner ersten Saison haben wir mit RB Leipzig in der Champions League gespielt, das war fantastisch. Es war ein Traum, in diesem Wettbewerb zu spielen, gegen Manchester City, Real Madrid… Es ist ein einzigartiger Wettbewerb, der schönste, an dem ich je teilgenommen habe. Ich hoffe, ihn eines Tages gewinnen zu können.

Frage: Was ist das ultimative Ziel – individuell oder kollektiv – deiner Karriere?

Lukeba: Als ehrgeiziger Sportler träume ich davon, alle Trophäen zu gewinnen. Aber als Kind ist der ultimative Traum natürlich der Gewinn der Weltmeisterschaft. Ich denke, es gibt nichts Schöneres. Danach würde ich die Champions League nennen. Wenn ich die Chance habe, irgendwann beides zu gewinnen, sage ich nicht nein (lacht).

Frage: Du hast ein Länderspiel für Frankreich (Oktober 2023 gegen Schottland). Kannst du uns
von diesem Moment erzählen?

Lukeba: Das ging alles sehr schnell, ich war erst seit ein paar Monaten in Leipzig. Es war eines meiner Ziele, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so früh passieren würde. Ich hatte das Glück, dieses Spiel vor meiner Familie zu bestreiten, die im Stadion war. Das war ein unvergessliches Gefühl. Jetzt liegt es an mir, hart zu arbeiten, um dieses Gefühl wieder zu erleben.

Frage: Die Weltmeisterschaft 2026 – ein Ziel oder ein Bonus?

Lukeba: Ich würde nicht Bonus sagen. Ich erreiche ein Alter, in dem ich erfahrener werde, aber immer noch jung bin. Es ist ein Ziel, aber wir wissen, dass die Konkurrenz groß ist, was normal ist. Es liegt an mir, bei RB Leipzig starke Leistungen zu zeigen, um die Chance auf einen Platz für die WM zu haben.

Frage: Man spricht oft über die Offensivtalente in Frankreich, aber auch in der Innenverteidigung ist die Dichte hoch. Wie gehst du mit dem Konkurrenzkampf um?

Lukeba: Ich konzentriere mich auf mich selbst. Es gibt immer Dinge zu verbessern. Aber wie gesagt: Wenn du im Verein gute Leistungen bringst, hast du alle Chancen. Der Nationaltrainer trifft die Entscheidung. Das Wichtigste ist zu spielen, Leistung zu bringen und alles dafür zu geben.

Frage: Würdest du sagen, dass du ein anderes Profil hast als andere Innenverteidiger?

Lukeba: Ich würde sagen, ich bin ein Innenverteidiger, der etwas wagt. Ich bin sehr sicher am Ball, habe keine Angst, mit dem Ball nach vorne zu gehen oder zu dribbeln… Ich suche immer den Pass, der Linien überspielen kann. Das habe ich schon seit meiner Kindheit in mir. Ich versuche das auszubauen, während ich das Risiko besser abwäge, denn als Verteidiger kann jeder Fehler sofort bestraft werden. Wenn das Risiko aufgeht, kann es eine Chance für mein Team eröffnen.

Frage: Wer hat dir geholfen, diese Risikofreude zu entwickeln?

Lukeba: Die Ausbildung in Lyon und natürlich meine Zeit bei RB Leipzig. Die Akademie von OL ist eine der besten der Welt. Dort lernt man, sicher am Ball zu sein und das Spiel sauber von hinten aufzubauen. Samuel Umtiti war mein Vorbild. Ich habe ihn bei den Profis gesehen, und wir haben Ähnlichkeiten im Spiel. Ich habe mir ein Beispiel an ihm genommen, auch an Thiago Silva, der im Spielaufbau sehr präzise war. Ich mochte es schon als Kind zu dribbeln, auch wenn das nicht automatisch die Rolle eines Verteidigers ist. Aber ich versuche, das so in mein Spiel zu integrieren, dass es dem Team nutzt.

Frage: Was hat sich am meisten verändert zwischen dem Lukeba von Lyon und dem von
Leipzig?

Lukeba: Als Mensch bin ich gereift. Ein Land zu wechseln ist nicht immer einfach, ich musste mich schnell an eine neue Kultur anpassen. Ich lerne jeden Tag, lerne neue Leute kennen und versuche, mein Englisch zu verbessern. Das sind kleine, aber wichtige Dinge abseits des Platzes. Als Spieler habe ich unter verschiedenen Trainern gearbeitet, die alle ihren eigenen Stil hatten. Das hat mir viele Ratschläge eingebracht. Ich bin auch auf dem Platz reifer geworden und wäge Risiken besser ab. Da habe ich mich auch verbessert, ich versuche, das Risiko zu minimieren, ohne meine Qualitäten im Dribbling und im Passspiel zu verlieren.

Frage: Was kann man dir für das Saisonende wünschen?

Lukeba: Gesundheit, einen starken Saisonabschluss, die Qualifikation mit RB Leipzig für Europa und dass ich genug Leistung bringe, um die Chance auf einen Platz im WM-Kader zu haben.

Frage: Zum Abschluss: Du hast den Preis für den besten Kleidungsstil in der Leipziger Kabine
gewonnen. Erzähl uns mehr.

Lukeba: Ja, ich habe diese Trophäe trotz großer Konkurrenz gewonnen. Ich habe über die Saison abgeliefert, und alle waren sich einig (lacht). Aber im Ernst: Ich liebe Mode. Meine Mutter möchte allerdings, dass ich aufhöre, meinen Schrank so vollzustopfen, also mache ich gerade eine kleine Pause. (lacht) Mode erlaubt es, seine Persönlichkeit ohne Worte auszudrücken. Mein bestes Outfit? Schwer zu sagen, das kommt auf den Kontext an. Im Moment gefällt mir auch der Stil von Johan Bakayoko sehr gut, er trägt ziemlich einzigartige Sachen. Ein kleiner Gruß an ihn an dieser Stelle.


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