Seit gut einem Monat ist Ole Book der neue Sportdirektor von Borussia Dortmund. Aufgaben hat der 40-Jährige bei Dienstbeginn genügend vorgefunden. Mit Nico Schlotterbeck wurde der Vertrag verlängert, bei Karim Adeyemi ist das weiter in der Schwebe. Im Sommer stehen wohl größere Kader-Justierungen bevor. Gerne wird auch vom nächsten Umbruch gesprochen.
Mit Book will der BVB auf jeden Fall wieder "mutigere Wege" gehen. Dazu soll auch eine attraktivere Spielweise gehören. Und mehr Fokus auf talentierte Youngster mit (Marktwert-)Entwicklungspotenzial. Im Besfall natürlich aus dem eigenen Nachwuchs.
Book als Elversberger Leih-König
Als Sportvorstand bei der SV Elversberg hatte sich Book vor seinem Wechsel nach Dortmund einen Namen gemacht. Bei den Saarländern schaffte er es immer wieder, aus geringen finanziellen Mitteln eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Die darüber hinaus für attraktiven Offensivfußball stand. Ein beliebtes Transfer-Mittel für Book waren dabei Leihen. Nick Woltemade, Paul Wanner und zuletzt Fisnik Asllani sind die prominentesten Beispiele.
Leihen sollen bei der Borussia künftig auch wieder eine größere Rolle spielen und nicht mehr so stiefmütterlich behandelt werden. Allerdings im für Book umgekehrten Fall. Im BVB-Nachwuchs tummeln sich zahlreiche Talente, für die der direkte Sprung ins Profiteam häufig verbaut ist. Entsprechend gilt es für Book, für den ein oder anderen Youngster einen passenden Leih-Abnehmer zu finden.
Laut WAZ-Informationen wurde dafür die Stelle als 'Loan- und Pathway-Manager' bereits vor der Book-Verpflichtung ausgeschrieben. Der Plan dahinter ist klar: Ausleihen von eigenen Talenten sollen in Zukunft besser durchdacht werden, um die bestmögliche Klub-Wahl zu treffen.
BVB muss bessere Leih-Entscheidungen treffen
Ein aktuelles Beispiel, bei dem das nicht der Fall war, ist Kjell Wätjen. Ex-BVB-Coach Nuri Sahin hatte dem zentralen Mittelfeldspieler einst eine große Karriere in Schwarzgelb vorausgesagt. Im letzten Sommer verlieh der BVB den 20-Jährigen zum Ruhr-Nachbarn VfL Bochum. Beim Zweitligisten steht Wätjen allerdings in Konkurrenz zu den Eigengewächsen Mats Pannewig und Cajetan Lenz. Logisch, dass der VfL im Zweifel den eigenen Spielern den Vorzug gibt.
Wätjen kommt diese Saison für die Bochumer im Unterhaus so nur auf 40 Prozent der möglichen Spielzeit. Lenz dagegen hat sich in den Fokus gespielt und steht vor einem Wechsel zur TSG Hoffenheim, der dem VfL eine satte Millionen-Ablöse bringt. Eine Entwicklung, die man sich in Dortmund von Wätjen erhofft hatte.
Nach dem Leih-Jahr scheint der Weg für den Mittelfeldspieler ins BVB-Team weiter denn je. Ähnliches gilt nach den Winter-Leihen für Cole Campbell (nach Hoffenheim) und Julien Duranville (nach Basel). Erfolgreicher war die Leihe von Keeper Diant Ramaj nach Heidenheim, wo er die unangefochtene Nummer eins ist. Dennoch scheint eine Rückkehr nach Dortmund wenig sinnvoll. Mit Gregor Kobel ist der Stammkeeper-Posten besetzt, Alexander Meyer ist eine verlässliche Nummer zwei. Ramaj dürfte ohnehin den Anspruch auf einen Stammplatz haben. Immerhin winkt dem BVB bei einem Verkauf im Sommer eine gute Ablöse.
Mane und Co. als Leih-Kandidaten für den Sommer
Für den kommenden Sommer gibt es derweil einige Kandidaten, denen eine Leihe guttun würden. Innenverteidiger Filippo Mane soll dem Vernehmen nach einer von ihnen sein. Der 21-jährige Italiener konnte bei seinen Auftritten diese Saison zwar überzeugen, hat aber wenig Aussichten auf regelmäßige Spielzeit.
Trotz seines großen Talents gilt das wohl auch für Samuele Inacio, der zuletzt gegen Freiburg erstmals in der Startelf stand. Beim 18-Jährigen wäre es aber umso wichtiger, einen perfekt passenden Leih-Klub zu finden. Gut möglich, dass er in ein bis zwei Jahren schon ein Shootingstar-Kandidat in Dortmund werden kann.
Sein Bundesliga-Debüt gab gegen Freiburg Mathis Albert. Der US-Youngster ist nochmals zwei Jahre jünger als Inacio. Eine Leihe im Sommer scheint daher auch nicht akut zu sein. Früher oder später könnte aber auch Albert diesen Umweg anpeilen, sollte er in Dortmund nicht direkt durchstarten können.
