Die Nachricht am Donnerstagmorgen kam aus dem Nichts: Niklas Süle beendet zum Saisonende seine Karriere – mit gerade einmal 30 Jahren. Ausschlaggebend sei unter anderem die Verletzung gegen die TSG Hoffenheim gewesen, erzählt er im exklusiven Interview mit Sky Sport.
Süle hatte bei Borussia Dortmund wie auch beim FC Bayern München mit stetigen Gewichts- und Fitnessproblemen zu kämpfen. Dabei ließ er sich sogar einige Tricks einfallen, um passend zum Wiegen beim deutschen Rekordmeister auf Linie zu sein, wie er erzählt.
Manchmal braucht es einen A****tritt
"Wir hatten donnerstags bei Bayern Wiegen. Ich habe den ganzen Mittwoch nichts gegessen, immer gefastet. Und bin abends bei mir daheim immer noch in die Sauna gegangen – mit Regenjacke. Am nächsten Tag hatte ich zweieinhalb Kilo weniger. Das ist extrem. Die Sauna war im Keller. Ich musste nach einem Tag ohne Essen und mit Regenjacke in der Sauna drei Stockwerke hoch in unser Schlafzimmer", beschreibt Süle seine Routine an jedem Mittwoch während seiner Anfangszeit in München unter Jupp Heynckes.
Das Thema Gewicht spielte dabei auch schon in Hoffenheim eine Rolle, wo Süle einst den Durchbruch schaffte. Eine Aktion vom damaligen Trainer Markus Gisdol habe ihn dabei sehr geprägt, sagt der 30-Jährige.
"Am Tag nach einem Spiel gegen Mainz hat er die gesamte Mannschaft reingeholt, alle Athletiktrainer und Physiotherapeuten. Er hat gesagt: ‚Männer, blöd gestern. Heute haben wir drei Trainingsgruppen: Die, die gespielt haben, gehen raus und laufen aus. Die, die nicht gespielt haben, machen Spielersatztraining. Und du, Niklas, du bist Trainingsgruppe drei, weil mit 100 Kilo kann man keinen Fußball spielen. Du machst Tausender-Läufe mit Christian Neidhart.'"
Harte Worte, die ihre Wirkung allerdings nicht verfehlten: "Bei Trainern, die mich so angepackt haben, habe ich immer besser funktioniert. Die haben mir auf der einen Seite in den Arsch getreten, auf der anderen Seite habe ich unter denen jedes Spiel gemacht."
Ein schwieriger Spagat
Auch der aktuelle Bundestrainer Julian Nagelsmann kannte Süles Gewichtsprobleme – vertraute während seiner Bayern-Zeit aber trotzdem auf ihn. Süle: "ch bin ein Spieler, der eher den Arschtritt braucht. Ich werde nie den Satz von Julian Nagelsmann vergessen. Er hat in meinem letzten Jahr bei Bayern zu mir gesagt: ‚Du spielst bei mir auch, wenn du fünf Kilo mehr hast – weil ich weiß, wie du bist.'"
Er sagte zu Süle allerdings auch: "Es wird nur irgendwann ein Trainer kommen, der achtet auf solche Dinge."
Rückblickend sagt Süle selbst, dass es ihm teilweise an Diszplin gemangelt habe. "Wie ich mich selbst und meine Karriere sehe, da muss ich ehrlich sein: Ich habe das meiste mit meinem Talent geregelt. Mit meinen Voraussetzungen, dass ich teilweise 110 Kilo hatte und trotzdem fast 35km/h gelaufen bin", erklärt er.
Der Innenverteidiger ergänzt: "Irgendwann kommst du an einen Punkt, wo es schwieriger wird, sich zu motivieren, wenn Fußball einfach nicht so diesen Stellenwert für dich hat. Und das hat der Fußball bei mir nie so gehabt. Wer will mir erzählen, dass wenn ich weniger Bier getrunken und weniger Burger gegessen hätte, dass es dann eine bessere Karriere geworden wäre?"
Diesen Spagat muss er nun nicht mehr leisten, stattdessen kann er sich ab dem Sommer komplett auf seine Familie konzentrieren – ohne ständige Hintergedanken an Gewicht.
