Dass Werder Bremen am Ende mit Ach und Krach die Klasse hielt, hatte nicht viel mit den Angreifern der Grün-Weißen zu tun gehabt. Ganze neun Stürmertore erzielten Werders Angreifer in der abgelaufenen Saison zusammen – ein Armutszeugnis.
Es ist also klar, dass Fußball-Geschäftsführer Clemens Fritz in diesem Transfer-Sommer vor allem die vorderste Reihe der Grün-Weißen auf Vordermann bringen muss. Und der Start ist mit Kenny Quetant auch ziemlich vielversprechend.
Der Franzose kommt ablösefrei von AC Le Havre, ist mit 19 Jahren noch enorm entwicklungsfähig und hat das Potenzial, gemeinsam mit Salim Musah auf Jahre hin zu einem spektakulären Sturmduo zu werden.
Werders Stürmersuche
Es wäre allerdings grob fahrlässig von Werder, wenn sie die kompletten Angriffshoffnungen in die Hände von einem 19-Jährigen und einem 20-Jährigen legen würden. Daher fandet Bremen nach einem weiteren erfahrenem Stürmer als Mentor und auch als Versicherung für den Fall der Fälle.
In diesem Zusammenhang fiel in den letzten Tagen immer häufiger der Name Niclas Füllkrug. Der 33-Jährige hat weder bei der AC Mailand noch West Ham United eine Zukunft. Werder soll neben dem VfL Wolfsburg und dem FC Venedig zu den größten Interessenten gehören.

Aus Sicht eines Fußball-Romantikers wäre eine Rückkehr von Füllkrug an den Osterdeich zweifellos eine schöne Geschichte, sportlich gesehen wäre ein Transfer von 'Lücke' jedoch fatal.
Nur noch ein Schatten seiner selbst
Trainer Daniel Thioune sagte erst kürzlich gegenüber der DeichStube: "Wir brauchen Spieler, die möglichst eine komplette Saison verfügbar sind, und nicht welche, die spannend sind aufgrund ihrer Vergangenheit, dafür aber ein Handicap und womöglich viele Ausfallzeiten haben."

Füllkrug ist das genaue Gegenteil. Er verpasste in den letzten zwei Jahren aufgrund von mehrerer Verletzungen insgesamt 27 Spiele und musste wegen kleinerer Wehwehchen auch regelmäßig das Training ausfallen lassen.
Das sorgte dafür, dass er weder bei West Ham noch bei Milan auch nur ansatzweise an seine Form aus Dortmunder und Bremer Zeiten heran kam. Für die Hammers stand er 2024/25 in nur 18 Spielen im Schnitt 43,7 Minuten auf dem Feld, bei Milan waren es seit Januar in 20 Partien sogar nur 32,3 Minuten.
Boniface als warnendes Beispiel
Es zeigt, dass Füllkrugs beste Zeiten hinter ihm liegen. Das sieht man auch an seiner Torausbeute: In den letzten zwei Jahre erzielte er insgesamt nur vier (!) Tore – und ausgerechnet er soll bei Werder die Kohlen aus dem Feuer holen, wenn Musah oder Quetant nicht spielen?

Angesichts all dieser Dinge wäre eine Verpflichtung von Füllkrug hanebüchen – vor allem, weil die Grün-Weißen mit Victor Boniface in der abgelaufenen Saison bereits erlebten, was passieren kann, wenn man einen verletzungsanfälligen Stürmer im Kader hat.
Machtkampf zwischen Fritz und Thioune?
Gleichzeitig würde die Rückkehr von 'Lücke' auch Fragen bezüglich des Machtverhältnisses zwischen Thioune und Fritz aufwerfen. Thioune sprach sich vehement gegen eine Verpflichtung dieses Spielertyps aus, er will Stürmer, die dauerhaft verfügbar sind und vor allem regelmäßig Leistung bringen – also all das, was Füllkrug nicht mehr ist.

Setzt Clemens Fritz trotzdem seinen Kopf durch, dann riskiert er, noch vor dem Beginn der eigentlichen Transferphase Unruhe in den Verein zu bringen. Der Trainer hat ihm schließlich ein klares Profil skizziert – warum also, will er auf Teufel komm raus genau den Spieler verpflichten, der nicht in dieses Profil passt?
Das gefährliche Spiel von Fritz
Man hat schon oft gesehen, was passiert, wenn Trainern mit Spielern zusammenarbeiten mussten, die sie eigentlich nicht wollten. Am Ende war keiner Partei geholfen und die Schlagzeilen drehten sich vor allem um die Beziehung zwischen Spieler und Trainer, wodurch unnötig Unruhe von außen in den Verein gebracht wurde.
Fritz spielt also ein gefährliches Spiel, denn er ist durch die mögliche Füllkrug-Verpflichtung in Begriff, Thiounes Autorität zu untergraben – ganz abgesehen davon, dass eine Rückkehr des 33-Jährigen sportlich kaum zu rechtfertigen ist.
Man wird das Gefühl nicht los, dass Fritz, der bei den Fans weiterhin einen schweren Stand hat, Füllkrug als großen Namen verpflichten will, um seine Reputation zu verbessern.
Lass die Vergangenheit los
Das wäre ein fatales Signal und würde die kleine Euphorie, die durch die Verpflichtungen von Quetant und Chuki aufgekommen ist, sofort wieder zunichte machen. Werder und Fritz sollten deshalb von einer Verpflichtung von Füllkrug schleunigst Abstand nehmen – egal, wie groß der Name ist und egal, wie groß Füllkrugs Verdienste in der Vergangenheit waren.
Im Fußball geht es ums Hier und Jetzt. Und dort kann Füllkrug mittlerweile nicht mehr so performen, wie noch vor zwei oder drei Jahren. Die Ressourcen, die in ihn fließen würden, sollte man lieber in andere Spieler investieren, die Bremen wirklich auf dem Platz helfen können.
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