Skip to main content

Hütter 2.0: Darum ist der Eintracht-Rückkehrer nun ein völlig anderer Trainer

Fünf Jahre nach seinem umstrittenen Abschied ist Adi Hütter zurück bei Eintracht Frankfurt. Nun verriet der Österreicher, warum er heute deutlich gelassener agiert.
Gereift und deutlich entspannter: Adi Hütter spricht offen über seine persönliche Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren
Gereift und deutlich entspannter: Adi Hütter spricht offen über seine persönliche Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren | picture alliance/GettyImages

Fünf Jahre sind im modernen Profifußball eine halbe Ewigkeit. Als Adi Hütter im Sommer 2021 Eintracht Frankfurt in Richtung Borussia Mönchengladbach verließ, kochten die Emotionen am Main hoch. Nun, im Juli 2026, ist der mittlerweile 56-jährige Österreicher zurück an seiner alten Wirkungsstätte. Er hat bis 2029 unterschrieben und soll die Hessen nach einer enttäuschenden Vorsaison wieder in die Erfolgsspur führen.

Doch der Adi Hütter, der heute an der Seitenlinie steht, ist nicht mehr derselbe. Nach seinen Stationen in Gladbach und beim AS Monaco in der französischen Ligue 1 kehrt er als gereifter Mensch und Trainer zurück. Im Interview mit der Bild-Zeitung sprach der Fußballlehrer nun ungewohnt offen über seine persönliche Transformation der vergangenen Jahre.

Vom Heißsporn zum gelassenen Strategen

Der Respekt vor der Bundesliga war bei seinem ersten Amtsantritt 2018 noch deutlich spürbar. Als er aus den vergleichsweise kleineren Ligen aus Österreich und der Schweiz nach Deutschland kam, wirkte Hütter nach eigener Aussage oft etwas anders, vielleicht auch angespannter. Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Nach vier Jahren in der Bundesliga und zwei sehr lehrreichen Jahren in Frankreich habe es in seiner Entwicklung einen weiteren deutlichen Sprung gegeben.

Heute beschreibt sich Hütter selbst als ruhiger, selbstbewusster und umgänglicher. Sein Führungsstil sei zwar im Kern derselbe geblieben, doch die fast schon dogmatische Verbissenheit gehöre der Vergangenheit an. Der Ehrgeiz brenne zwar noch immer lichterloh, da die detaillierte Vermittlung seiner Spielidee für den Erfolg essenziell sei. Hütter hat jedoch erkannt, dass zu viel Verbissenheit im Umgang mit der Mannschaft auch hinderlich sein kann.

Fehlerkultur und Sportpsychologie als Schlüssel

Ein wesentlicher Grund für diese neue Ruhe ist seine ausgeprägte Selbstreflexion. Hütter gibt unumwunden zu, als Trainer auch Fehler gemacht zu haben. Situationen, die er im Nachhinein bereut oder heute anders lösen würde, gehören für ihn zum Reifeprozess untrennbar dazu. Diese Fehlerkultur gibt er auch offen an sein jüngeres Trainer-Ich weiter: Ausprobieren, Fehler machen, daraus lernen und vor allem eine klare Idee verfolgen.

Geholfen hat ihm auf diesem Weg ein starkes privates und professionelles Umfeld. Der 56-Jährige tauscht sich regelmäßig mit Freunden aus, die als Sportpsychologen arbeiten. Diese professionelle Sichtweise von außen half ihm dabei, sein eigenes Handeln immer wieder kritisch zu hinterfragen und sich nicht in den Emotionen des Tagesgeschäfts zu verlieren.

Trainingslager als Beweis der neuen Ruhe

Wie diese neue Gelassenheit in der Praxis aussieht, zeigte sich kürzlich eindrucksvoll im Trainingslager im bayerischen Grassau am Chiemsee. Nach intensiven Tagen waren die Profis der Eintracht physisch komplett am Limit. Die Spieler stolperten über Bälle, die einfachsten Pässe misslangen. Früher, so Hütter ehrlich, hätte ihn das wahnsinnig gestört und er hätte die Einheit hart durchgezogen.

Heute reagiert er anders. Der Österreicher brach das Training vorzeitig ab. Er verzichtete auf die eigentlich noch eingeplanten 20 Minuten und zeigte Verständnis für die Erschöpfung. Man müsse den Spielern in so einer Situation zwar klar aufzeigen, dass die Leistung nicht reicht, aber gleichzeitig auch die menschliche Erschöpfung akzeptieren können.

Große Kader-Baustellen fordern Hütter heraus

Und diese neue Ruhe wird Hütter in Frankfurt dringend benötigen. Sportlich steht der Rückkehrer vor massiven Herausforderungen. Der aktuelle Kader ist mit 32 Spielern schlichtweg zu groß und unübersichtlich. Bevor Sportvorstand Markus Krösche die von Hütter lautstark geforderten Neuzugänge für die Defensive und den Sturm verpflichten kann, muss zwingend Personal abgebaut werden, um finanziellen Spielraum zu generieren.

Zudem muss die Mannschaft taktisch umdenken. Die unter Vorgänger Albert Riera praktizierte Manndeckung ist Geschichte. Hütter fordert wieder ballorientiertes Verschieben, Raumdeckung und mutiges Pressing. Es wartet also viel Arbeit auf den Rückkehrer, doch Hütter 2.0 scheint für dieses zweite Kapitel bei der Eintracht deutlich besser gewappnet zu sein denn je.


Weitere Eintracht-News lesen:

Füg uns bei Google als bevorzugte Quelle hinzu