Nur eine Niederlage aus den letzten zehn Pflichtspielen – eigentlich eine Bilanz, mit der Bayer 04 Leverkusen zufrieden sein könnte. Dazu ein Platz im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Arsenal und das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München. Trotzdem wird die Luft für Trainer Kasper Hjulmand immer dünner.
Denn in der Bundesliga droht die Werkself Schritt für Schritt den Anschluss an die Königsklasse zu verlieren. Sechs Punkte Rückstand auf Rang vier, selbst im Erfolgsfall des Nachholspiels in Hamburg wären es noch drei. Vor allem aber der "Eye-Test" und ein Blick auf das schwere Restprogramm sollten den Verantwortlichen Sorgen bereiten.
Hinten stabil, vorne einfallslos – Leverkusen verliert die Balance
Bayer Leverkusen war in der Vergangenheit fast immer ein Synonym für attraktiven, temporeichen Offensivfußball. Seit Kasper Hjulmand im September 2025 übernommen hat, ist davon jedoch kaum etwas geblieben. Die Werkself wirkt im Spiel nach vorne erstaunlich ratlos. Trotz viel Ballbesitz entstehen erschreckend wenige klare Torchancen. Patrik Schick, eigentlich der Zielspieler des Systems, hängt regelmäßig in der Luft und bekommt kaum verwertbare Zuspiele.
Wie groß die offensiven Probleme inzwischen sind, zeigte das 1:1 gegen Mainz exemplarisch: Ausgerechnet Innenverteidiger Jarell Quansah musste in Stürmerposition den späten Ausgleich erzielen, weil der restliche Angriff praktisch wirkungslos blieb. Und das ist kein Einzelfall – Kreativität, Tiefgang und Dynamik fehlen seit Wochen.
Paradoxerweise funktioniert die Defensive deutlich besser. Nur vier Gegentore in den letzten zehn Pflichtspielen sprechen für Stabilität. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck besorgniserregend. Vor allem die Intensität ist alarmierend niedrig: Laut bundesliga.com belegt Leverkusen bei gelaufenen Kilometern und intensiven Läufen ligaweit den vorletzten Platz. Zahlen, die nicht zu einem Team passen, das um die Champions League spielen will.
Bayer droht der GAU - Hjulmand bleibt gelassen
Klar ist: Die kommenden Wochen werden für Bayer 04 Leverkusen entscheidend sein. Sechs Spiele in 17 Tagen lassen kaum Raum für Fehler, und im Bundesliga-Endspurt warten mehrere direkte Rivalen im Rennen um die Plätze für die Königsklasse. In der aktuellen Verfassung ist das eine gewaltige Hürde.
Ein Verpassen der Champions League könnte zudem schwerwiegende Folgen für den Kader haben. Leistungsträger wie Alejandro Grimaldo und Edmond Tapsoba stehen seit Längerem bei Topklubs auf der Liste. Sollten sie gehen, könnten weitere Stammspieler folgen – ein Szenario, das die Verantwortlichen mit wachsender Sorge beobachten.
Trainer Kasper Hjulmand selbst versucht, den Druck auszublenden. Er betont in der Pressekonferenz vor dem HSV-Spiel, dass der Fokus einzig auf dem nächsten Spiel liege und die Mannschaft weiter an Präzision, Ballzirkulation und Abläufen arbeiten müsse, um wieder konstant Ergebnisse einzufahren. Intensität und Tempo sollen folgen, sobald die spielerischen Details wieder stimmen. Kleine Anpassungen nehme das Team ohnehin laufend vor, doch bislang bleibt der große spielerische Durchbruch aus.
Sollte sich dieser Trend nicht zeitnah drehen, muss eine Diskussion über die sportliche Leitung geführt werden. Ein Achtelfinal-Aus gegen den FC Arsenal wäre verkraftbar. Ein verpasstes CL-Ticket und ein blasser Auftritt im Pokalhalbfinale gegen den FC Bayern München hingegen wären ein Rückschritt, der Leverkusen teuer zu stehen kommen könnte - sportlich wie strukturell. Bayer muss nun dringend die Kurve kriegen - mit oder ohne Kasper Hjulmand.
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