Während im grauen Bundesliga-Alltag nach der jüngsten 0:1-Niederlage beim Hamburger SV und dem Abrutschen auf Tabellenplatz 13 erste Sorgenfalten entstehen, bietet die europäische Bühne dem VfB Stuttgart das perfekte Kontrastprogramm. Vor dem prestigeträchtigen Champions-League-Heimspiel am Dienstagabend (21:00 Uhr, Amazon Prime Video) gegen den spanischen Spitzenklub Atlético Madrid ist von Katerstimmung rund um den Wasen nichts mehr zu spüren.
Nach den souveränen Auftaktsiegen gegen Viking Stavanger (3:1) und Slovan Bratislava (3:0) gehen die Schwaben mit der optimalen Ausbeute von sechs Punkten in das erste Pflichtspiel-Duell der Vereinsgeschichte gegen die Colchoneros.
Doch so groß die Euphorie vor dem Flutlicht-Highlight in der ausverkauften MHP Arena auch ist: Ausgerechnet auf der sensibelsten Position im Mannschaftsgefüge herrscht unmittelbar vor dem Anpfiff ein großes Fragezeichen. Cheftrainer Sebastian Hoeneß machte auf der abschließenden Pressekonferenz ein wohlgehütetes Geheimnis daraus, welchem Schlussmann er gegen die Madrilenen das Vertrauen schenken wird.
Überraschende Rotation oder Rückkehr zur Liga-Hierarchie?
Der Hintergrund der ungeklärten Torwartfrage sorgt im Umfeld durchaus für Spannung. Eigentlich gilt das 20-jährige Eigengewächs Dennis Seimen bei den Stuttgartern als designierte Nummer eins. Nach einer langwierigen Verletzungspause kehrte das Torwart-Juwel zuletzt wieder zwischen die Pfosten zurück und hütete in den vergangenen beiden Bundesliga-Partien das Gehäuse.

Doch ausgerechnet in der Königsklasse setzte Hoeneß beim jüngsten Auswärtsspiel in Bratislava überraschend auf Routine und gab dem erfahrenen Stellvertreter Fabian Bredlow den Vorzug, der seinen Kasten beim 3:0-Erfolg prompt sauber hielt. Ob gegen die Stürmerstars aus Madrid erneut die internationale Erfahrung von Bredlow gefragt ist oder Seimen seine Feuertaufe auf höchstem europäischen Parkett erhält, ließ Hoeneß bewusst unbeantwortet.
Aufatmen in der Defensive – Hoeneß fordert "Kaltschnäuzigkeit"
Deutlich auskunftsfreudiger zeigte sich der Übungsleiter beim Blick auf das restliche Personal. Rechtzeitig vor dem Kracher entspannt sich die Lage in der Defensive merklich: Linksverteidiger und Nationalspieler Maximilian Mittelstädt hat seine schmerzhafte Risswunde an der Ferse auskuriert und kehrte ebenso wie Nikolas Nartey und Ameen Al-Dakhil voll ins Mannschaftstraining zurück. Weiterhin passen müssen hingegen Dan-Axel Zagadou, Tiago Tomás und Justin Diehl.
Trotz der personellen Lichtblicke nahm Hoeneß seine Offensive nach dem Chancenwucher im Hamburger Volksparkstadion deutlich in die Pflicht. Nachdem Kapitän Deniz Undav nach der HSV-Pleite bereits gemahnt hatte, man sei "im Moment keine Spitzenmannschaf", forderte auch der Coach eine sofortige Kurskorrektur im Abschluss: "Wir wollen uns nicht scheuen oder es weglächeln, dass es uns in drei Spielen nicht gelungen ist, mehr rauszuholen. Wir müssen effizienter und kaltschnäuziger werden."
"Das Stadion wird brennen, wir werden brennen."Ermedin Demirović
Gegen das berüchtigte Abwehrbollwerk von Trainer-Ikone Diego Simeone, das sich am vergangenen Spieltag mit einem 2:0 gegen Manchester United eindrucksvoll zurückmeldete, werden sich den Schwaben ohnehin kaum Geschenke bieten. "Atlético gehört zum Nonplusultra im europäischen Fußball, wegen solcher Duelle haben wir der Champions League entgegengefiebert", schwärmte Hoeneß voller Hochachtung über den Tabellenzweiten der La Liga. Und auch Torjäger Ermedin Demirović, der bereits viermal im laufenden Wettbewerb traf, schwor die Fans auf einen heißen Tanz ein: "Das Stadion wird brennen, wir werden brennen."
