Die deutsche Nationalmannschaft steht bei dieser Weltmeisterschaft unter extremer Beobachtung – und das nicht nur in der Heimat. Nun hat sich Gary Lineker in der französischen Sportzeitung L’Équipe äußerst kritisch zur Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann geäußert.
Der 65-jährige Engländer nahm dabei kein Blatt vor den Mund und bezeichnete die aktuelle DFB-Auswahl als eine der schwächsten deutschen Mannschaften, die er je gesehen habe. Deutschland lebe laut Lineker nur noch von seiner Vergangenheit, schließlich habe das Team bei den letzten beiden Weltmeisterschaften nicht einmal die Gruppenphase überstanden.
Havertz reagiert gelassen auf die Störfeuer

Auf der DFB-Pressekonferenz im Vorfeld des heutigen K.o.-Spiels in Boston (22.30 Uhr MESZ) wurde Kai Havertz mit den Aussagen des Engländers konfrontiert. Der 27-jährige Angreifer reagierte äußerst abgeklärt und ließ sich nicht aus der Reserve locken. Jeder könne seine Meinung haben, erklärte Havertz, doch bei einem solchen Turnier fange man ohnehin nicht an, auf alles zu hören, was geredet werde.
Mit einem deutlichen Seitenhieb in Richtung der Kritiker fügte er hinzu, dass man im eigenen Land bereits genügend Experten habe. Wenn dies nun auch in anderen Ländern anfange, reiche es irgendwann auch mal. Es sei laut Havertz immer einfach, von außen auf die Mannschaft einzuhauen, aber ihn persönlich interessiere das wirklich null.
Vom Bewunderer zum scharfen Kritiker
Dass ausgerechnet Lineker derart hart mit dem DFB-Team ins Gericht geht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schließlich war er es, der nach dem WM-Halbfinale 1990 den weltberühmten Satz prägte, dass Fußball ein einfaches Spiel sei, bei dem 22 Männer 90 Minuten lang einem Ball nachjagen und am Ende immer die Deutschen gewinnen. Heute blickt der ehemalige Weltklasse-Stürmer, der in seiner aktiven Karriere 48 Tore in 80 Länderspielen für England erzielte, für Vereine wie den FC Barcelona auflief und als Inbegriff des fairen Sportsmannes nie eine Gelbe oder Rote Karte kassierte, gänzlich anders auf den deutschen Fußball.
Sollte Deutschland das heutige Duell gegen Paraguay gewinnen, könnte im Achtelfinale Frankreich warten – vorausgesetzt, die Équipe Tricolore setzt sich am Dienstag gegen Schweden durch. Für Lineker wäre dieses mögliche Duell eine klare Angelegenheit: Er bescheinigte den Franzosen, dass sie beruhigt schlafen könnten und sich problemlos gegen Deutschland für das Viertelfinale qualifizieren würden.
Die Wahrheit liegt für das DFB-Team jedoch einzig und allein auf dem Platz in Boston. Nach einer wechselhaften Gruppenphase, in der auf einen furiosen 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao ein knapper 2:1-Erfolg über die Elfenbeinküste und schließlich eine schwache 1:2-Niederlage gegen Ecuador folgten, gilt es nun, alle Zweifel auszuräumen. Ein überzeugender Sieg gegen Paraguay wäre die beste Antwort auf jegliche Kritik von der Insel.
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