Gladbach-Leihgabe Boteli mit beeindruckender Quote
Von Jan Kupitz

Borussia Mönchengladbach hat es sich zur Aufgabe gemacht, konsequent den eigenen Nachwuchs zu fördern und diesen immer wieder an die Profimannschaft heranzuführen. Bei Wael Mohya klappt das derzeit schon ganz gut, doch es gibt auch andere Beispiele.
Winsley Boteli wäre da zu nennen, der im Nachwuchsbereich eine fantastische Torquote vorzuweisen hatte, bei den Profis jedoch ignoriert wurde. Mit 43 Toren (und zehn Vorlagen) in 56 Einsätzen für die U17 und U19 konnte der Angreifer auf sich aufmerksam machen, so dass er zumindest zur Reserve befördert wurde. Dort traf er in 36 Regionalliga-Spielen immerhin sieben Mal, konnte dazu drei Vorlagen verbuchen. Im Alter von damals 18 Jahren eine respektable Quote.
Warum Boteli trotz solcher Quoten keine Chance bei den Profis der Fohlenelf erhielt, bleibt das Geheimnis der Verantwortlichen. Boteli selbst sah im vergangenen Sommer den Zeitpunkt gekommen, einen Tapetenwechsel anzustreben und sich auf Profiebene zu versuchen. Der FC Sion sicherte sich seine Dienste auf Leihbasis, konnte dazu eine Kaufoption in Höhe von 3,5 Millionen Euro vereinbaren.
Boteli glänzt als Top-Joker
In der Schweiz kommt Boteli bislang auf 22 Einsätze in der Liga, was erstmal richtig stark klingt. Zur ganzen Wahrheit gehört jedoch, dass der Youngster kein einziges Mal von Beginn an auflief und häufig nur in den Schlussminuten eingewechselt wurde. Umso beachtlicher ist seine Torquote: vier Buden stehen für Boteli zu Buche. Darunter wichtige wie das 3:2-Siegtor gegen den FC Zürich oder den 3:3-Ausgleich gegen Servette Genf - jeweils in der Nachspielzeit.
Im Schweizer Cup steht Boteli bei drei Toren und einer Vorlage in vier Einsätzen, davon immerhin zwei aus der Startelf heraus.
Botelis Bilanz in Sion:
Wettbewerb | Einsätze (S11) | Minuten | T/A |
|---|---|---|---|
Super League | 22 (-) | 287 | 4/- |
Schweizer Cup | 4 (2) | 163 | 3/1 |
Boteli selbst scheint sich mit seiner Jokerrolle anfreunden zu können. Anstatt Frust zu schieben, ist er sich bewusst, dass er noch einiges lernen kann. "Jeder Spieler will doch von Anfang an spielen. Das ist auch mein Ziel. Aber der Trainer trifft diese Entscheidung. Wenn er denkt, ich könne der Mannschaft helfen, indem er mich bringt, dann mach’ ich mit. Aber ich mach’ auch mit, wenn er sich dagegen entscheidet. Ich muss ja noch lernen", wurde Boteli letzten Monat vom Blick zitiert. "Nach links, nach rechts, nach oben, nach unten. Da muss noch Konstanz rein." Eine sehr reife Aussage vom 19-Jährigen.
Sion-Boss von Boteli begeistert
Sions Sportchef Barthelemy Constantin zeigte sich daher - verständlicherweise - begeistert vom Auftreten der Leihgabe: "Ein sehr heller, intelligenter Kopf! Und sehr gut erzogen. Er hört dir zu. Ich habe von Beginn weg eine brüderliche Verbindung zu ihm gehabt. Wir arbeiten daran, aus ihm zuerst einen Super-League-Spieler und danach einen Weltklassestürmer zu machen. Denn er hat enormes Talent." Klingt so, als wollten die Schweizer die Kaufoption ziehen.
Boteli, der formal noch einen Vertrag bis 2028 bei Borussia Mönchengladbach besitzt, gab sich etwas zurückhaltender, als er auf seine Zukunft angesprochen wurde: "Es kommt darauf an, was kommt. Alles ist offen."
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