Auch wenn der Hamburger SV bislang eine stabile Saison spielt, gibt es durchaus die eine oder andere Entscheidung von Merlin Polzin, die nicht für jeden HSV-Fan nachvollziehbar ist. In erster Linie ist hier der Umgang mit Robert Glatzel zu nennen, der in der laufenden Spielzeit kaum eine Chance bekommt und zuletzt viermal in Folge überhaupt nicht eingesetzt wurde.
Polzin begründete seine Wahl mit den unterschiedlichen Stürmer-Profilen, die ihm zur Verfügung stehen (90min berichtete). Für seinen Ansatz passt offenbar Winter-Neuzugang Damion Downs deutlich besser, selbst wenn dieser sportlich noch nicht überzeugen konnte.
Situation für Glatzel "maximal frustrierend"
In einem brisanten Interview mit der Mopo hat Glatzel nun ausgepackt und seine Unzufriedenheit in aller Deutlichkeit kundgetan. Es sei derzeit "maximal frustrierend", so der Angreifer. "Auch mit dem Hintergrund, dass ich zuvor zweimal in der Startelf stand und es sich dann wieder komplett gedreht hat. So eine Situation hatte ich bislang noch nicht. Wenn man bis zum Heidenheim-Spiel zurückgeht, sind es jetzt sogar fünf von sieben Spielen, in denen ich komplett auf der Bank saß, obwohl ich zu 100 Prozent wieder fit bin."
Glatzel bestätigte, dass er "natürlich" mit Polzin über seine Situation gesprochen habe. "Und er hat auch seine Begründung, die er mir klar gesagt hat", führte der 32-Jährige aus. "Dass ich jetzt gar nicht mehr gespielt habe, ist für mich allerdings nicht verständlich. Ich bin zuletzt proaktiv nach dem Leverkusen-Spiel auf den Trainer zugegangen und habe um eine Erklärung gebeten. Er hat mir seine Gründe genannt. Darüber möchte ich in der Öffentlichkeit gar nicht sprechen. Das sind interne Themen. Warum ich dann auch die nächsten beiden Spiele nur auf der Bank saß, kann ich nicht verstehen."
Die These, dass Glatzel nicht ins System des Trainers passe, könne er nicht komplett nachvollziehen. "Natürlich hat jeder Trainer eine Spielidee. Und es hat ja auch oft schon ohne mich gut geklappt. Ich kann grundsätzlich gut einschätzen, dass es auch Spiele gibt, in denen andere Tugenden gefragt sind", gestand Glatzel, der aber auch darauf hinwies, dass er in den drei Spielen, in denen er in der Startelf gestanden hat, "auch klar zeigen" konnte, "dass ich der Mannschaft mit meinem Spielerprofil helfen kann".
Ein Stürmer-Profil, welches Glatzel verkörpert, "tut jeder Mannschaft gut", war er sich sicher. "Ob 90 Minuten, 70 Minuten oder auch mal von der Bank, ist nicht entscheidend. Klar ist, dass ich der Mannschaft helfen kann und das auch schon bewiesen habe - auch in dieser Saison trotz der wenigen Möglichkeiten. Ich sitze nicht draußen, weil ich schlecht gespielt habe."
"Ich muss ehrlich sagen, dass die letzten Wochen nicht für große Zuversicht gesorgt haben, dass sich deutlich etwas an meiner Situation ändern wird."Robert Glatzel
"Natürlich habe ich viele Fragezeichen. Ich will kein Feuer legen oder mich über die Mannschaft stellen. Das bin ich nicht. Ich will einfach nur mal ein paar Dinge loswerden und mich positionieren", teilte Glatzel mit, der sich als "absoluten Vollprofi und Vollblutfußballer" bezeichnete. "Ich würde niemals etwas abschenken, ob es ein Spiel ist oder ein Training. Dafür liebe ich den Fußball und auch den Verein zu sehr. [...] Ich lasse mich auf jeden Fall nicht hängen und bin topfit."
Glatzel denkt über HSV-Abschied nach
Dass sich seine Lage nochmal ändern wird, daran glaubt Glatzel nicht, wie er ganz offen gestand: "Ich werde jede Minute, wenn ich auf dem Platz bin, alles versuchen, um der Mannschaft zu helfen. Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass die letzten Wochen nicht für große Zuversicht gesorgt haben, dass sich deutlich etwas an meiner Situation ändern wird. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich für mich noch mal alles wieder um 180 Grad drehen wird."
Dadurch kokettierte der HSV-Liebling auch schon konkret mit einem Abschied: "Ich habe noch ein Jahr Vertrag. Klar ist aber auch, dass ich so eine Situation, wie ich sie in den letzten neun Monaten hatte, auf keinen Fall noch mal erleben will. Das steht für mich fest." Vorher möchte Glatzel aber noch den Klassenerhalt feiern: "Das ist das Wichtigste, und das möchte ich auch noch mal ganz klar betonen."
