Die Fans des Hamburger SV werden sich mit Sicherheit noch an Marko Johansson erinnern. Der schwedische Torhüter stand bei den Rothosen von 2021 bis 2024 unter Vertrag, kam in dieser Zeit aufgrund dreier Leihgeschäfte mit Eintracht Braunschweig, Halmstads BK und dem VfL Bochum aber nur zu sieben Pflichtspieleinsätzen für den HSV.
Im Sommer 2024 wechselte er fest zu Eintracht Braunschweig, konnte sich dort jedoch nicht durchsetzen und verließ den Verein nach einem Jahr ablösefrei. Anschließend schloss er sich dem Tractor SC aus der iranischen Millionenstadt Täbris an. Dadurch erlebte er zuletzt auch die Angriffe auf den Iran hautnah mit.
"Am Samstagvormittag habe ich mich mit den anderen ausländischen Spielern des Vereins zum Frühstück getroffen. Dort sagte einer plötzlich, dass Teheran angegriffen wurde", erzählt Johansson, der sich zu diesem Zeitpunkt in Täbris auf das Achtelfinale in der asiatischen Champions League gegen Shabab Al-Ahli vorbereitete, gegenüber Bild.
Göteborg statt Dubai: Johansson erlebt Luftschläge hautnah mit
Die Reisepläne mussten sich damit kurzfristig ändern. Anstatt nach Dubai zu reisen, wo die kommende Partie stattfinden sollte, mussten Johansson und Co. fliehen. "Es wurde uns schnell klar, dass wir das Land am besten verlassen sollten. Statt einer Tasche für Dubai habe ich zwei Taschen gepackt. Kurz danach hat uns der Trainer zusammengerufen und uns gesagt, dass der Klub uns bei allem unterstützen würde", berichtet der 27-Jährige.
Für einen Schock sorgten dann Luftschläge, die eine nahegelegene iranische Militärbasis treffen sollten. "Wir saßen im Hotel auf dem Trainingsgelände, als es auf einmal einen Riesen-Schlag gab. Das ganze Gebäude hat gezittert. Wir sind vor Schreck aufgesprungen und wussten nicht, wo wir hinsollten", sagt Johansson, der mit seinem Team zu dem Zeitpunkt noch auf ein Ausreisevisum warten musste, um den Iran verlassen zu dürfen.
"Innerhalb weniger Minuten stand ein Auto für uns bereit, mit dem wir zur türkischen Grenze gefahren wurden. Die Fahrt dauerte fünf Stunden, während derer wir gesehen haben, wie die Iraner Raketen für den Gegenschlag vorbereitet haben", so der Torhüter.
Über Istanbul konnte Johansson in die schwedische Hauptstadt Göteborg fliehen. "Hier bin ich bei meiner Frau und meiner zweieinhalbjährigen Tochter. Auch die anderen ausländischen Spieler meines Vereins sind bei ihren Familien", berichtet der Keeper von der Ausnahmesituation. "Ich trainiere erstmal alleine. Das ist sehr ungewöhnlich für mich. Gleichzeitig verfolge ich die Nachrichten aus dem Iran sehr genau. Und was meinen Vertrag angeht – darum kümmert sich mein Berater."
Johansson geht es physisch soweit gut, allerdings lässt die Situation im Iran den ehemaligen HSV-Profi nicht kalt. "Meine Gedanken sind bei den Menschen im Iran. Ich bin mit vielen in Kontakt. Ich hoffe, der Konflikt geht schnell vorbei", sagt er.
