Nach dem stattlichen 6:1-Sieg des FC Bayern in Bergamo waren neben den Verletzungssorgen um Jonas Urbig, Alphonso Davies und Jamal Musiala vor allem die beiden Gelben Karten von Joshua Kimmich und Michael Olise ein großes Gesprächsthema. Das Star-Duo hatte sich in der Schlussphase - als das Weiterkommen im Rückspiel quasi gesichert schien - zwei Gelbe Karten abgeholt, wodurch beide das Rückspiel gegen Atalanta verpassen. Dadurch sind ihre Westen ab dem Viertelfinale wieder rein.
Kimmich leugnete zwar im Nachgang jeglichen Vorwurf, sich die Verwarnung absichtlich eingehandelt zu haben, doch ein leichtes Lachen konnte er sich dabei nicht verkneifen. Ohnehin ist es schwer, ihm und Olise die besagte Absicht wirklich zu unterstellen. Ansonsten würde den Bayern-Stars eine Zwei-Spiele-Sperre drohen, wodurch sie auch das Viertelfinal-Hinspiel verpassen würden.
Weil Espen Eskas, der Schiedsrichter der Partie, zudem kein unnormales Verhalten von Olise und Kimmich in seinem Spielbericht festgehalten hat (90min berichtete), durfte man letztlich davon ausgehen, dass den beiden Spielern kein Nachspiel droht. Doch Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe sieht das anders.
Gräfe befürchtet Nachspiel bei Kimmich und Olise
"Kimmich und Olise droht eine längere Sperre als nur ein Spiel!", postete Gräfe auf seinem X-Account. "Beide erhalten beim Stand von 6:0 (!) wegen deutlichem Zeitspiel eine Gelbe & sind nun im Rückspiel gesperrt. [Sergio] Ramos wurde deshalb mal für zwei Spiele gesperrt und es wäre deshalb nicht überraschend, wenn das nun auch beide Spieler vom FCB trifft!"
Hierbei sei aber gesagt, dass Ramos damals so dumm war und seine Absicht vor TV-Kameras gestand. Die beiden Münchner stellten sich da besser an.
"Die Begründung von Kimmich war ein guter Versuch und clever formuliert. Aber die UEFA wird sich daraufhin die Bilder anschauen und feststellen, dass der Ball am Anfang gut spielbar war (Tah war frei), er den Ball hätte auch lang schlagen können und da die Bayern sonst auch ganz eng am eigenen Strafraum sowie viel gepresster aufbauen, dürfte insofern die Argumentation nicht überzeugen", erläuterte Gräfe.
Und weiter: "Da es zudem bei 6:0 auch keinen wirklichen Grund gibt auf Zeit zu spielen, wäre alles andere als eine Ermittlung und Sperre überraschend. Wäre das bei 2:0 oder 3:0 passiert, dann wären beide sicher um eine Untersuchung herumgekommen", vermutete Gräfe. Beim Stand von 6:0 sei das hingegen "sehr auffällig".
Der einzige Hoffnungsschimmer, den der Ex-Schiri sieht: Der UEFA könnte es ein Dorn im Auge sein, wenn Stars wie Kimmich und Olise bei einem Leckerbissen zwischen Bayern und Real Madrid fehlen. "Glück könnten sie haben, wenn die UEFA bei den Top-Spielen in den nächsten Runden die besten Spieler an Bord haben will", so Gräfe, "und die Argumentation von Kimmich für die UEFA gut genug war…"
Wirklich daran glauben will er jedoch nicht: "Bei der UEFA sitzen auch keine Amateure und jeder weiß, was dort abgelaufen ist. Mit einem leichten Foul im Spiel (Halten o.Ä.) wären sie sicherlich viel cleverer und ganz sicher ohne mögliche weitere Sanktionen aus der Nummer herausgekommen. Jetzt muss abgewartet werden, aber eine Sperre von einem weiteren Spiel droht."
