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Diese 7 Zweitliga-Profis fahren zur WM

Wenn in Nordamerika das größte Fußballfest der Welt steigt, richten sich alle Augen auf die schillernden Superstars aus Madrid, Manchester oder Paris. Doch für den wahren Fußballromantiker gibt es eine noch viel spannendere Spezies bei diesem Turnier: die Helden aus dem deutschen Unterhaus.
Gemeinsam von der 2. Liga auf die WM-Bühne: Die Schalker Bosnier Nikola Katić und Edin Džeko
Gemeinsam von der 2. Liga auf die WM-Bühne: Die Schalker Bosnier Nikola Katić und Edin Džeko | Christof Koepsel/GettyImages

Wenn das Flutlicht in den gigantischen WM-Arenen von New York, Los Angeles oder Mexiko-Stadt angeht, ist das für die meisten nominierten Spieler der natürliche Lebensraum. Für ein paar wenige Auserwählte ist es jedoch der ultimative Kulturschock. Denn ihr fußballerischer Alltag heißt nicht Champions League und Bernabeu, sondern Abstiegskampf im Wildpark, knüppelharte Zweikämpfe an der Förde oder verregnete Freitagabende in Hannover.

Genau diese Kontraste sind es, die den Zauber einer Weltmeisterschaft ausmachen. Wer braucht schon den x-ten hochgezüchteten Millionen-Transfer, wenn er einem echten Zweitliga-Malocher dabei zusehen kann, wie er plötzlich das Trikot seiner Nation überstreift und auf der größtmöglichen Bühne gegen Vinícius Júnior oder Jude Bellingham grätscht? Wir haben die offiziellen Kaderlisten der WM-Teilnehmer durchforstet und sieben Jungs aus der 2. Bundesliga gefunden, die den heimischen Liga-Alltag gegen den großen amerikanischen WM-Traum eingetauscht haben.

1. Alexander Bernhardsson (Schweden)

Nach Fuß-Operation und Aufholjagd pünktlich zur WM fit: Kiels Außenbahn-Motor Alexander Bernhardsson
Nach Fuß-Operation und Aufholjagd pünktlich zur WM fit: Kiels Außenbahn-Motor Alexander Bernhardsson | Selim Sudheimer/GettyImages

Für den "Storch" aus Kiel ist die Nominierung für das Turnier in Nordamerika eine sportliche Punktlandung der Extraklasse. Der schwedische Außenbahnspieler wechselte erst im Winter 2024 vom IF Elfsborg in den hohen Norden zu Holstein Kiel und hatte in der zurückliegenden Rückrunde massiv mit Verletzungen zu kämpfen. Nach einer Fuß-Operation und Oberschenkelproblemen schien der WM-Zug längst abgefahren.

Doch Bernhardsson kämpfte sich zurück, lieferte im Saisonendspurt für Kiel ab und erhielt prompt den überraschenden Anruf von Nationaltrainer Graham Potter bei dem er vor Aufregung zunächst gar nicht ans Telefon ging. In Schwedens 3-5-2-System gilt der 27-Jährige nun als potenzieller X-Faktor auf der rechten Schienenposition. Beim letzten Testspiel gegen Griechenland stand er bereits in der Startelf – der WM-Auftakt gegen Tunesien kann kommen. Dort könnte es dann gleich zum Duell mit dem nächsten WM-Fahrer kommen.

2. Elias Saad (Tunesien)

Vom Hamburger Futsal-Court auf die größte Bühne der Welt: 96-Leihgabe Elias Saad
Vom Hamburger Futsal-Court auf die größte Bühne der Welt: 96-Leihgabe Elias Saad | Christof Koepsel/GettyImages

Die Geschichte von Elias Saad liest sich wie ein modernes Fußball-Märchen. Der gebürtige Hamburger durchlief nie ein professionelles Nachwuchsleistungszentrum, kickte auf Hamburger Ascheplätzen und war deutscher Futsal-Nationalspieler, bevor er erst mit 22 Jahren beim FC St. Pauli seinen ersten Profivertrag unterschrieb.

Nach seinem Wechsel zum FC Augsburg stockte der Motor in der Hinrunde kurz, doch eine Leihe zu Hannover 96 brachte den Linksaußen im Winter zurück in die Spur. In der 2. Bundesliga sammelte er die nötige Spielpraxis, um sich im Radar der tunesischen Auswahl zu halten. Nun steht der 26-jährige Straßenfußballer tatsächlich im WM-Kader der "Adler von Karthago" und trifft in der knüppelharten Gruppe F auf Schweden, Japan und die Niederlande.

3. Ime Okon (Südafrika)

Abräumer in der 2. Liga, Abwehr-Hoffnung für die "Bafana Bafana": Hannovers Ime Okon
Abräumer in der 2. Liga, Abwehr-Hoffnung für die "Bafana Bafana": Hannovers Ime Okon | Jürgen Fromme - firo sportphoto/GettyImages

Manchmal braucht es nur eine Saison, um sich unverzichtbar zu machen. Der 22-jährige Innenverteidiger wechselte im vergangenen Sommer aus seiner südafrikanischen Heimat von SuperSport United zu Hannover 96 an die Leine. Trotz einer zwischenzeitlichen Muskelverletzung etablierte er sich sofort als Stammkraft und bestritt 25 Ligaspiele (zwei Tore) für die Niedersachsen.

Seine physische Präsenz und Zweikampfhärte blieben auch in der Heimat nicht unbemerkt. Südafrikas Nationaltrainer Hugo Broos berief den in Johannesburg geborenen Abwehrhühnen im Mai fest in den 26-Mann-Kader für Nordamerika. Für die "Bafana Bafana" wird Okon nun die gegnerischen Stürmer in den USA abräumen, bevor er nach dem Turnier wieder im Unterhaus verteidigt.

4. Cedric Itten (Schweiz)

Schoss 15 Saisontore für Düsseldorf und stieg trotzdem ab: Der Schweizer Mittelstürmer Cedric Itten
Schoss 15 Saisontore für Düsseldorf und stieg trotzdem ab: Der Schweizer Mittelstürmer Cedric Itten | Pau Barrena/GettyImages

Sein Sommer könnte emotionaler kaum sein. Während Cedric Itten in der abgelaufenen Zweitliga-Saison mit 15 Treffern eine persönlich herausragende Spielzeit erlebte und den europaweit höchsten Anteil an den Saisontoren seines Teams verbuchte, stieg er mit Fortuna Düsseldorf bitter aus dem Unterhaus ab – und durfte am entscheidenden letzten Spieltag wegen einer Gelbsperre nur auf der Tribüne zusehen.

Da sein Vertrag für die 3. Liga ungültig ist, reist der Schweizer Angreifer nun quasi als Vereinsloser zum Turnier in Nordamerika. Die WM-Bühne bietet dem 29-Jährigen, der zuletzt in den Testspielen gegen Jordanien und Australien als Joker zum Einsatz kam, das perfekte Schaufenster, um den nächsten großen Wechsel über die Ziellinie zu drücken. Einige Bundesliga-Klubs, unter anderem Werder Bremen, haben längst die Fühler ausgestreckt.

5. Dzenis Burnic (Bosnien-Herzegowina)

Verlässt den Karlsruher SC im Sommer ablösefrei in Richtung WM-Bühne: Dženis Burnić
Verlässt den Karlsruher SC im Sommer ablösefrei in Richtung WM-Bühne: Dženis Burnić | Marvin Ibo Guengoer - GES Sportfoto/GettyImages

Der Erste eines bosnischen WM-Trios steht vor einem Abschied, der mit dem größtmöglichen Highlight garniert wird. Nach einer soliden Saison mit 31 Zweitliga-Einsätzen für den Karlsruher SC steht fest: Dzenis Burnic wird den Wildpark im Sommer ablösefrei verlassen. Wohin die Reise geht, ist aktuell noch unklar.

Ganz klar ist hingegen sein Reiseziel für den Juni. Mit der bosnischen Nationalmannschaft schaffte der 28-jährige Mittelfeldspieler im Frühjahr die Sensation, als das Team im dramatischen Playoff-Finale Italien ausschaltete und sich das Ticket für Nordamerika sicherte. Burnic, der einst die deutschen U-Nationalmannschaften durchlief, hat nun die Chance, bei der WM Werbung in eigener Sache zu betreiben und seinen Marktwert für die kommende Club-Suche nach oben zu schrauben.

6. Nikola Katic (Bosnien-Herzegowina)

Schalker Aufstiegsheld und Abwehr-Boss in Personalunion: Der bosnische Nationalspieler Nikola Katić
Schalker Aufstiegsheld und Abwehr-Boss in Personalunion: Der bosnische Nationalspieler Nikola Katić | Kevin Voigt/GettyImages

Wenn ein Spieler den direkten Wiederaufstieg des FC Schalke 04 verkörpert, dann ist es Nikola Katic. Der 1,94 Meter große Abwehrboss wechselte vor der Saison nach Gelsenkirchen und avancierte sofort zum unumstrittenen Anführer in der Schalker Hintermannschaft.

Ein kurzer Schock-Moment im März, als er sich ausgerechnet bei der bosnischen Nationalmannschaft am Knie verletzte, ließ Schalke und Bosnien kurz den Atem anhalten. Doch der 29-Jährige meldete sich beim Saisonfinale gegen Braunschweig eindrucksvoll zurück. Katic wird in Nordamerika nun versuchen, die Star-Stürmer von Kanada, der Schweiz und Katar abzukochen.

7. Edin Dzeko (Bosnien-Herzegowina)

Schoss Schalke 04 im Frühjahr zum Aufstieg und Bosnien zur WM: Der 40-jährige Altmeister Edin Džeko
Schoss Schalke 04 im Frühjahr zum Aufstieg und Bosnien zur WM: Der 40-jährige Altmeister Edin Džeko | Kevin Voigt/GettyImages

Ein Name, der auf den ersten Blick so gar nicht in die 2. Bundesliga passt, und doch hat er sie im vergangenen Halbjahr extrem geprägt. Als der FC Schalke 04 im Januar 2026 den 40-jährigen Weltklasse-Stürmer Edin Dzeko von der Fiorentina in den Ruhrpott holte, rieben sich viele verwundert die Augen. Doch der "Königstransfer" schlug voll ein.

Mit sechs Toren und drei Vorlagen in nur elf Einsätzen schoss der Altmeister die Knappen zur Zweitliga-Meisterschaft und löste ganz nebenbei Helmut Haller als ältesten Torschützen der Ligageschichte ab. Der bosnische Rekordspieler und Rekordtorschütze führt nun seine Nation als absoluter Superstar und Kapitän auf die WM-Bühne in den USA, Kanada und Mexiko. Ob er danach den vorliegenden Erstliga-Vertrag bei Schalke unterschreibt oder seine überragende Karriere beendet, entscheidet sich erst nach dem Turnier.


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