Ein weiteres Jahr, ein weiteres brutales Ausscheiden des FC Barcelona aus der Champions League. Die Katalanen werden sich auch in der elften Saison in Folge nicht mit dem Henkelpott krönen können. Grund dafür ist das dritte Aus gegen Atletico im dritten Duell in einem Königsklassen-Viertelfinale.
Und das, obwohl Barça nach dem bitteren 0:2 im Hinspiel im Metropolitano von Beginn an alles dafür tat, um die Partie zu drehen. Schon nach 24 Minuten war das Ergebnis egalisiert, am Ende reichte Atletico der Anschlusstreffer in der 31. Minute zum Weiterkommen.
- Raphinha spricht von "Diebstahl"
- 4 Erkenntnisse zum Barça-Aus
- Flick lag mit Startelf-Wahl richtig
- Barças Achillesferse wird erneut zum Verhängnis
- Brillianter Yamal blieb ungekrönt
- Barças CL-Elend wird mindestens 11 Jahre andauern
Raphinha spricht von "Diebstahl"
"Das Spiel wurde uns gestohlen."Raphinha
Bei der Blaugrana haderte man im Anschluss mit der Chancenverwertung. Und mit dem Schiedsrichter. Im Hinspiel wurde Barça ein Handelfmeter und eine vermeintliche Gelb-Rote Karte gegen Atletico verwehrt. Im Rückspiel musste mit Eric Garcia erneut ein Barça-Verteidiger wegen einer vermeintlichen Notbremse mit Rot vom Platz.
Der verletzte Stürmer-Star Raphinha sprach deshalb von "Diebstahl". Trainer Hansi Flick hielt sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel dagegen zurück: "Ich möchte nicht darüber sprechen, weil ich daran nichts ändern kann. Es ist zwar gut für euch, wenn ich darüber spreche, aber ich möchte es nicht tun."
Deutlicher wurde Raphinha in der Mixed Zone: "Das Spiel wurde uns gestohlen, die Schiedsrichterleistung war sehr schlecht", echauffierte sich der 29-jährige Brasilianer. "Fehler zu machen ist menschlich, aber dass das im zweiten Spiel schon wieder passiert?", fügte er hinzu und legte nach: "Atletico hat ich weiß nicht wie viele Fouls begangen, und der Schiedsrichter hat ihnen nicht einmal eine Gelbe Karte gezeigt. Ich möchte wirklich verstehen, warum er so viel Angst davor hatte, dass Barça die Runde überstehen könnte."
"Von Diebstahl zu sprechen, ist verrückt."Juan Musso
Der erneut starke Oblak-Vertreter im Atletico-Tor Juan Musso sah das anders: "Man kann nicht von Diebstahl sprechen. Ich verstehe, was Raphinha sagen mag, was jeder sagen mag. Aber wir haben es auf dem Platz gewonnen. Wir haben auswärts 2:0 gewonnen und der letzte Mann im Fußball bedeutet eine Rote Karte... Ich finde, von Diebstahl zu sprechen, ist verrückt."
Abseits des Schiedsrichter-Ägers: Was bleibt für Barça nach dieser erneuten Champions-League-Enttäuschung? Die Erkenntnisse zum Rückspiel gegen Atletico:
4 Erkenntnisse zum Barça-Aus
1. Flick lag mit Startelf-Wahl richtig

Der Barça-Coach überraschte mit seiner Startelf in Madrid durchaus. Während Robert Lewandowski und Marcus Rashford im Vergleich zum Hinspiel auf der Bank Platz nehmen mussten, setzte Flick auf Ferran Torres im Sturmzentrum und Fermin Lopez als Linksaußen.
Torres hatte mit einem Doppelpack am Wochenende zuvor seine Formkrise bereits überwunden und untermauerte das am Dienstagabend eindrucksvoll. Zum Start nutzte er den Atletico-Patzer und legte Lamine Yamal perfekt das 1:0 auf. Das 2:0 erzielte er dann mit einem starken Abschluss selbst.
Auch Fermin Lopez, der von Musso bei einer Großchance übel mit dem Stollen im Gesicht getroffen wurde, war Teil der Offensiv-Power, die Barça in den ersten 30 Minuten mehr als die zwei erzielten Treffer hätte bringen müssen.
2. Barças Achillesferse wird erneut zum Verhängnis

Es gibt ein berühmtes Zitat, das besagt: "Wahnsinn ist, immer wieder dasselbe zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten."
Auch wenn dieses Zitat wahrscheinlich nichts mit Fußball zu tun hatte, beschreibt es doch perfekt Barcelonas "kamikazeartige" hohe Abwehrlinie. Didi Hamann erklärte schon vor dem Rückspiel, dass man mit dieser riskanten Taktik nicht die Champions League gewinnen kann.
Und auch wenn Hamann mit seinen Einschätzungen als TV-Experte gerne mal daneben liegt: In diesem Fall könnte er durchaus einen Punkt haben.
Barças Comeback-Mission war bereits vor der ersten halben Stunde des Spiels vollendet. Doch für Atletico bedurfte es nur zweier Ballkontakte – darunter einem glanzvollen von Antoine Griezmann –, um Marcos Llorente steil zu schicken, der Ademola Lookman am langen Pfosten nur noch bedienen musste. Die Harte Arbeit der Katalanen war zunichte.
Es war ein Gegentor, das Barça seit Beginn der Flick-Ära gefühlt schon 100 Mal kassiert hat. Das defensive System trägt zwar zum aggressiven Pressing der Mannschaft bei, das es ihr ermöglicht, aus Ballverlusten Chancen zu kreieren, aber es hat auch dazu beigetragen, dass die Katalanen in den letzten beiden Spielzeiten 44 Gegentore in der Champions League kassiert haben – mehr als jede andere Mannschaft – und in dieser Saison noch kein einziges Mal ohne Gegentor geblieben sind.
Diese offensichtliche Achillesferse wurde den Katalanen schließlich zum Verhängnis.
3. Brillianter Yamal blieb ungekrönt

Natürlich wird mit dem Finger auf die vermeintlich Schuldigen für das erneute Aus gezeigt werden. Und Lamine Yamal als großer Star des Teams steht in vorderster Reihe. Doch wenn es einen Spieler gibt, der erhobenen Hauptes nach Barcelona zurückkehren kann, dann ist es Barças Nummer zehn.
Der 18-Jährige war in beiden Spielen des Viertelfinals wohl der beste Spieler auf dem Platz. Yamal räumte ein, dass dies die Spiele sind, in denen große Spieler sich beweisen müssen, und genau das tat er: Mit einem souveränen Abschluss weckte er die Hoffnungen auf ein Comeback. Er hätte in der ersten Halbzeit auch eine Vorlage zum 3:0 verbuchen können, wäre Fermin Lopez vor dem Tor kaltschnäuziger gewesen.
Selbst als Yamal im Laufe des Spiels merklich müder wurde, hörte er nie auf, die Abwehr von Atletico vor Probleme zu stellen und wirkte bis zum Schluss wie Barças gefährlichster Spieler.
Yamal schuf über beide Spiele hinweg fünf große Torchancen. Er absolvierte zudem 16 erfolgreiche Dribblings. Wäre Atletico-Keeper Musso nicht erneut so stark aufgelegt gewesen, hätte Yamal ein oder zwei weitere Tore erzielen können.
Ein erster Champions-League-Titel bleibt dem Teenager, den viele bereits als den besten Spieler der Welt betrachten, weiterhin verwehrt, was seine Hoffnungen auf seinen ersten Ballon d’Or in diesem Jahr schmälert. Getragen von seiner Nummer zehn bleiben die Hoffnungen für Barça auf den Henkelpott in Zukunft aber groß.
4. Barças CL-Elend wird mindestens 11 Jahre andauern

Barça hat im elften Jahr in Folge Europas Krone verpasst. Nachdem die Katalanen in den ersten 15 Jahren seit 2000 vier ihrer fünf Champions-League-Titel gewonnen hatten, warten sie seither auf den nächsten Henkelpott.
Die Erfolge, die der Erzrivale Real Madrid in dieser Zeit verbuchen konnte – fünf Titel seit dem letzten Titelgewinn von Barça – haben den Druck auf Barcelona nur noch weiter erhöht. Doch für die Blaugrana gab es nichts als Enttäuschungen.
Die Katalanen haben zudem alle Möglichkeiten ausgeschöpft, wie man aus dem Turnier ausscheiden kann. Zunächst verspielten sie 2018 und 2019 deutliche Führungen aus dem Hinspiel gegen Rom und Liverpool, dann folgten zu Beginn des Jahrzehnts vernichtende Niederlagen gegen Bayern München und Paris Saint-Germain.
Darauf folgten peinliche CL-Abschiede in der Gruppenphase, bevor eine neue Spielergeneration auftauchte, die tapfer kämpfte, bis eine Rote Karte ihre Bemühungen im Viertelfinale 2023/24 gegen PSG zunichte machte.
In den letzten beiden Spielzeiten hat Barcelona mit monumentalen Anstrengungen einen Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt, nur um dennoch auszuscheiden. Defensive Fehler, kostspielige Rote Karten und heldenhafte Leistungen der gegnerischen Torhüter sind zu einem wiederkehrenden Thema bei Barças Enttäuschungen in der Champions League geworden.
Elf Jahre, nachdem Atletico Madrid im Viertelfinale 2015/16 mit Lionel Messi, Neymar Jr., Luis Suarez und Co. Luis Enriques Barcelona als Titelverteidiger entthront hatte, wiederholte sich die Geschichte. Mit einem komplett neuen Kader, einem neuen Trainer und im neuen Stadion von Atletico gelang es den Katalanen erneut nicht, Simeones Mannschaft im Viertelfinale zu überwinden.
Barça hat sein Hauptziel der Saison verfehlt, und obwohl diese jungen Blaugrana-Spieler eine vielversprechende Zukunft vor sich haben, gibt es keine Garantie dafür, dass der schwer zu erreichende Champions-League-Titel in absehbarer Zeit nach Katalonien zurückkehren wird.
