Es war ein Modus, der Julian Nagelsmann so gar nicht schmeckte. "Man gerät unter großen Zeitdruck und wird bestraft, dass man Gruppenerster geworden ist", hatte der Bundestrainer über die anfänglichen 495 möglichen Szenarien für den K.o.-Runden-Auftakt gemeckert.
Doch seit Freitagnacht herrscht Gewissheit am DFB-Campus in Winston-Salem. Durch den 1:0-Sieg Spaniens über Uruguay fielen auch die letzten verbliebenen theoretischen Gegner Schweden und Schottland aus dem Raster.
Der Muslera-Patzer, der Deutschland hilft
Dass das DFB-Team nun am kommenden Montag (22.30 Uhr MESZ, ZDF/MagentaTV) in Boston auf Paraguay trifft, liegt ironischerweise an einem kuriosen Torwartfehler auf einem anderen Platz. Im entscheidenden Gruppe-H-Duell der Spanier gegen Uruguay avancierte die 40-jährige Torwart-Legende Fernando Muslera zur tragischen Figur.
Ein harmloser Aufsetzer von Spaniens Alex Baena flutschte Muslera kurz vor der Halbzeit durch die Finger ins Netz. Der Schlussmann, der bereits in den Partien zuvor unglücklich agierte, bat Trainer Marcelo Bielsa nach diesem Patzer sogar selbst um seine Auswechslung. Für Uruguay besiegelte das 0:1 das blamable WM-Aus und für Deutschland die Gewissheit, im Sechzehntelfinale auf Paraguay zu treffen, da der Dritte der Gruppe H nun sicher nicht mehr weiterkommt.
Keine Superstars, aber extrem eklig zu bespielen

Auf Joshua Kimmich und Co. wartet in Foxborough nahe Boston nun also der Tabellendritte der Gruppe D. Und der Gegner hat durchaus Parallelen zum letzten, unbequemen deutschen Kontrahenten Ecuador.
"Sie werden eine ganz ähnliche Herangehensweise wählen", warnte TV-Experte Mats Hummels. Paraguay, gecoacht vom argentinischen Defensiv-Taktiker Gustavo Alfaro, besticht durch kompromisslose Zweikampfhärte und taktische Disziplin. In 18 WM-Qualifikationsspielen kassierte die Albirroja lediglich zehn Gegentore.
Glanzvolle Namen wie einst Roque Santa Cruz, Nelson Valdez oder der freistoßschießende Kult-Keeper José Luis Chilavert sucht man im aktuellen Kader jedoch vergeblich. Die wertvollsten Akteure sind Offensivspieler Julio Enciso von Racing Straßburg und der ehemalige Herthaner Omar Alderete in der Abwehr. Ein großer Vorteil für Deutschland: Paraguays wichtigster Mittelfeldspieler Diego Gomez fehlt nach zwei Gelben Karten gesperrt.
Gute Erinnerungen an 2002
In der Gruppenphase zeigte das südamerikanische Team zwei völlig verschiedene Gesichter. Auf eine krachende 1:4-Auftaktpleite gegen Co-Gastgeber USA folgte ein überraschender, leidenschaftlich erkämpfter 1:0-Sieg gegen die favorisierte Türkei. Ein müdes 0:0 gegen Australien reichte schließlich für das Weiterkommen.
Die historische Bilanz gegen Paraguay macht dem DFB-Team Mut: Erst zweimal trafen beide Nationen aufeinander. Unvergessen ist das WM-Achtelfinale 2002, als Oliver Neuville Deutschland durch sein spätes 1:0 ins Viertelfinale schoss. Ein Freundschaftsspiel 2013 endete wild mit 3:3.
Bundestrainer Nagelsmann dürfte jedenfalls heilfroh sein, dass die drohende Videoanalyse-Nachtschicht entfällt und das Trainerteam nun wertvolle Zusatzstunden hat, um den unangenehmen, aber absolut schlagbaren Gegner zu sezieren. Und sollte die Hürde Paraguay am Montag genommen werden, wartet im Achtelfinale am 4. Juli aller Voraussicht nach ein absoluter Gigant: Vize-Weltmeister Frankreich.
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